Frau und Mann streichen gemeinsam eine Wand.
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Wohnen | Statement

Welche Wandfarbe ist für mich die richtige?

Eva Brenner

Eva Brenner

Von natürlich bis widerstandsfähig – die Auswahl an Wandfarben ist riesig. Wohnglück-Kolumnistin Eva Brenner gibt euch einen Überblick über die wichtigsten Wandfarben, ihre Eigenschaften und Kosten.

Streichen ist eine tolle Möglichkeit, um mit relativ wenig Aufwand einen Raum zu verschönern. Allerdings ist die richtige Wahl der Wandfarbe gar nicht so einfach, wie mancher denkt.

Es gibt allerdings ganz unterschiedliche Wandfarben und ich möchte euch hiermit die Infos geben, die euch bei der richtigen Wahl helfen wird.

Dispersionsfarbe: Die gebräuchlichste Wandfarbe

Ich glaube jeder, der schon mal eine Wand oder eine Decke gestrichen hat, ist dabei mit Dispersionsfarbe in Berührung gekommen. Sie ist sozusagen der Klassiker unter den Wandfarben. Vor allem, weil sie eigentlich in jedem Raum einsetzbar ist. Und neben dem klassischen Weiß könnt ihr Dispersionsfarbe auch in sämtlichen Farbtönen mixen beziehungsweise abtönen.

Übrigens: Dispersion ist die chemische Bezeichnung für ein Gemisch aus zwei Stoffen. Bei der Dispersionsfarbe für den Innenbereich dient in der Regel Acrylat oder Kunstharze als Bindemittel. Dadurch hält die Farbe im getrockneten Zustand an der Wand. Füll- und Zusatzstoffe geben die Deckkraft, die Farbpigmente dagegen sorgen für den Farbton .

Apropos Farbton: Bei qualitativ schlechter weißer Dispersionsfarbe müsst ihr mehrmals streichen, um ein gut deckendes Ergebnis zu bekommen. Und so ist die vermeintlich günstige Farbe am Ende – auch die Arbeitszeit mitbetrachtet – teurer als eine gute, wenn auch etwas teurere Qualitätsfarbe. Gute Dispersionsfarbe erkennt ihr an Faktoren wie der Deckkraft oder der Nassabriebklasse. Die gibt an, wie widerstandsfähig die Farbe ist. Einer Wandfarbe der Klasse 1 macht auch die sanfte Reinigung mit Wasser nichts aus. Klasse 5 hält so gut wie gar keinen Belastungen stand. Ich empfehle euch, nach Möglichkeit mindestens Dispersionsfarbe der Nassabriebklasse 2 zu kaufen.

  • Preis pro Liter Dispersionsfarbe: ca. 3,50 bis 5 Euro.

Welches weiße Wandfarbe wirklich gut ist, könnt ihr auch in einem Artikel von Stiftung Warentest nachlesen.

Hier noch mal eine Auflistung der Vorteile und Nachteile von Dispersionsfarbe als Wandfarbe:

  • Vorteile von Dispersionsfarbe
  • Nachteile von Dispersionsfarbe
  • trocknet schnell
  • mangelnde Deckkraft bei Billigprodukten
  • geruchsarm
  • Allergierisiko bei Farben mit Lösungsmitteln und/oder Konservierungsstoffen
  • leicht zu verarbeiten, gut abtönbar
  • nur schwer wieder zu entfernen

Vorteile und Nachteile von Dipersionsfarbe als Wandfarbe

Farbeimer Polarweiss von Schöner Wohnen
Hat laut Stiftung Warentest das beste Preis-Leistungsverhältnis: die weiße Wandfarbe von Schöner Wohnen. Und das sogar ohne Konservierungsstoffe. © Schöner Wohnen

Latexfarbe: Die widerstandsfähige Wandfarbe

Latexfarbe ist eine Unterkategorie der Dispersionsfarbe, denn auch hier handelt es sich um eine Farben-Gemisch. Wie der Name schon sagt, enthielt die Farbe früher echtes Latex, also den Milchsaft des Kautschukbaumes. Heutzutage werden die wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften dieser Wandfarbe durch andere Zusatzstoffe erreicht.

Latexfarbe gibt es fast nur in den Nassabriebklassen 1 und 2. Auf der Wand ist die Farbe sehr widerstandsfähig und lässt sich gleichzeitig auch gut reinigen. Das macht sie vor allem bei stark beanspruchten Flächen interessant, wie zum Beispiel hinter der Spüle, im Kochbereich oder in Fluren, wo man sehr leicht gegen die Wand streift – vor allem in der glänzenden Variante.

Ich persönlich bin kein großer Fan der Latexfarbe, denn sie vermittelt den Eindruck, dass die Wand komplett abgedichtet ist. Und: Da Latexfarben weniger diffusionsoffen als andere Wandfarben sind, dürft ihr sie keinesfalls auf einen feuchten Untergrund streichen. Denn das würde das Risiko von Schimmelbildung fördern!

  • Preis pro Liter Latexfarbe: ca. 5 bis 6 Euro.

Das sind die Vorteile und Nachteile von Latexfarbe als Wandfarbe:

  • Vorteile von Latexfarbe
  • Nachteile von Latexfarbe
  • robust und schmutzabweisen
  • schwer überstreichbar
  • eignet sich für fast jeden Untergrund
  • falsch angewandt fördert Latexfarbe die Schimmelbildung
  • einfach aufzutragen
  • bei Mietobjekten erst nach Rücksprache mit dem Vermieter verwenden

Vorteile und Nachteile von Latexfarbe als Wandfarbe

Silikatfarbe: Die natürliche Wandfarbe

Silikatfarben enthalten als Bindemittel Wasserglas (Kaliumsilikat). Deshalb nennt man sie auch Wasserglasfarben. Das Kaliumsilikat geht mit den Kalk- und Zementbestandteilen des Putzes eine feste chemische Verbindung ein. Das ist die sogenannte "Verkieselung". Das funktioniert allerdings nur auf mineralischen Untergründen. Ihr könnt also nicht einfach eine Raufasertapete mit Silikatfarben streichen.

Dafür habt ihr mit Silikatfarbe als Wandfarbe ein naturreines Produkt: frei von Konservierungsstoffen, Lösungsmitteln und Weichmachern. Silikatfarbe ist also ökologisch unbedenklich und daher ideal für Allergiker. Außerdem beugt sie auch gegen Schimmel vor. Mehr dazu findet ihr in diesem Artikel: Farbe gegen Schimmel: Wie gut wirkt Silikatfarbe?

Silikatfarben lassen sich immer wieder mit Silikatfarben überstreichen, allerdings seid ihr bei der Farbauswahl eingeschränkt. Es gibt sie in der Regel in abgedeckten Pastelltönen, knallig gestrichene Wände könnt ihr damit nicht verwirklichen. Als Alternative findet ihr aber auch noch die sogenannten Dispersionssilikatfarben . Dies sind einkomponentige Silikatfarben mit bis zu 5 Prozent Anteil an Kunststoffdispersion. Hierdurch werden die Vorteile von Silikatfarben (Diffusionsoffenheit) und Dispersionsfarben (hohe wasserabweisende Wirkung) kombiniert. Und: Dispersionsilikatfarben sind einfach zu verarbeiten.

  • Preis pro Liter Silikatfarbe: ca. 5,50 bis 6,50 Euro.

Kurzübersicht der Vorteile und Nachteile von Silikatfarben für die Wand:

  • Vorteile von Silikatfarbe
  • Nachteile von Silikatfarbe
  • sehr gut für Allergiker geeignet
  • nur auf mineralischen Untergründen anwendbar
  • Anstrich ist sehr langlebig
  • schwer zu lagern, muss möglichst schnell aufgebraucht werden
  • diffusionsoffen und basisch = beugt der Schimmelbildung vor
  • eingeschränkte Farbwahl (nur Pastelltöne)

Vorteile und Nachteile von Silikatfarbe als Wandfarbe

Farbe gegen Schimmel
Silikatfarbe sind ökologisch unbedenklich, funktionieren aber nur auf mineralischen Untergründen. © Getty Images/iStockphoto

Kalkfarben: Die traditionelle Wandfarbe

Vor der Erfindung der Dispersionsfarben waren Kalkfarben das Mittel, um die Wände zu verschönern. Deshalb wird diese Naturfarbe mit Tradition gern auch bei der Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude eingesetzt.

Kalkfarbe besteht nur aus gelöschtem Kalk (auch Sumpfkalk) und Wasser. Weil sie so diffusionsoffen ist, hat Kalkfarbe eine feuchtigkeitsregulierende Wirkung. Und: Ihr hoher ph-Wert wirkt keimtötend.

Kalkfarbe könnt ihr gebrauchsfertig als fertige Mischung kaufen oder auch selbst mit Wasser anmischen. Das spart auf jeden Fall Kosten. Zu den Kalkfarben zählt auch die Kalkkaseinfarbe. Sie enthält Kasein, ein Milcheiweiß, als Bindemittel. Der Vorteil: Damit lassen sich kräftigere Farben gewinnen.

Klingt super? Es hat schon seinen Grund, warum Kalkfarben fast in Vergessenheit geraten sind. Die Verarbeitung ist zum Beispiel nicht so einfach, Kalkfarbe wird mit einer Deckenbürste (Kalkbürste) aufgetragen. Für eine Farbrolle ist die Farbe zu flüssig. Mehrere Anstriche (inklusive Trocknungszeit) sind notwendig, um die nötige Deckkraft zu erhalten. Und Maler mögen Kalkfarbe nicht besonders, weil sie sich mit anderen Farben so überhaupt nicht verträgt.

  • Preis pro Liter Kalkfarbe: ca. 5 bis 7 Euro.

Hier noch mal eine kurze Zusammenfassung der Vorteile und Nachteile von Kalkfarben.

  • Vorteile von Kalkfarbe
  • Nachteile von Kalkfarbe
  • wirkt feuchtigkeitsregulierend und anitbakteriell
  • muss in mehreren Schichten aufgetragen werden
  • komplett natürlicher Werkstoff, gut für Allergiker
  • geringe Abriebfestigkeit
  • natürliche Optik, leicht zu überstreichen
  • hoher pH-Wert, Schutzausrüstung beim Streichen empfohlen, Wände müssen gut vorbereitet werden

Vorteile und Nachteile von Kalkfarbe als Wandfarbe

Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, dann lest dazu gern auch den Artikel Kalkfarbe: Vorteile und Nachteile der ökologischen Wandfarbe.

Maler trägt Kalkfarbe mit einer Bürste auf
Für eine Farbrolle ist Kalkfarbe zu flüssig. Deshalb wird sie mit einer Kalkbürste aufgetragen. © AURO Naturfarben

Lehmfarbe: Die Wandfarbe für's Wohnklima

Auch Lehmfarbe gilt als natürliche und ökologisch unbedenkliche Farbe. Allerdings enthält fertig angemischte , streichfertige Lehmfarbe immer auch ein Konservierungsmittel. Wenn ihr es also wirklich naturbelassen mögt, dann kauft das Trockenprodukt und mischt es zuhause mit Wasser an. Weiterer Vorteil: Das Trockenprodukt ist auch wesentlich leichter als fertig angemischte Farbe und erspart die Schlepperei.

Lehmfarbe schafft ein gesundes Wohnklima. Das funktioniert aber nur so richtig unter bestimmten Voraussetzungen.. Auch der Untergrund der Lehmfarbe muss diffusionsoffen sein, idealerweise gehört unter die Lehmfarbe noch ein Lehmputz. Ist das nicht möglich, dann sollte die Trägerschicht unbedingt atmungsaktiv sein.

Lehmfarbe besteht aus feingemahlenen Tonmehlen, als Bindemittel dient natürliche Zellulose, Stärke oder pflanzliches Eiweiß. Mit Lehmfarbe gestrichene Wände haben eine seidige, matte Oberfläche. Die Folge: Je nach Lichteinfall sieht das Streichergebnis immer ein wenig anders aus. Manche mögen das (so wie ich), andere empfinden das als fleckig. Mein Tipp: Bei (ökologischen) Baustoffhändlern könnt ihr euch oft Beispielwände ansehen, die mit Lehmfarbe gestrichen wurden.

  • Preis pro Liter Lehmfarbe: ab ca. 10 Euro.

Alle Vorteile und Nachteile von Lehmfarben im Überblick:

  • Vorteile von Lehmfarbe
  • Nachteile von Lehmfarbe
  • Lehm absorbiert neben Feuchtigkeit auch Gerüche und Schadstoffe
  • muss innerhalb von 48 Stunden verarbeitet werden
  • Die Rohstoffe für Lehmfarben sind rein ökologisch
  • identischer Farbton lässt sich im Nachhinein nicht herstellen, ihr müsst also immer genug Farbe für einen Raum vorhalten
  • leichte Verarbeitung dank cremiger Konsistenz
  • hohe Kosten

Vorteile und Nachteile von Lehmfarbe als Wandfarbe

Und hier findet ihr noch weitere Infos zum Thema Lehmfarbe: Was kann die Naturwandfarbe?

Das wäre es soweit zu den einzelnen Wandfarben. Wenn ihr euch entschieden habt, dann geht es ans Wände streichen. Wir ihr das erfolgreich angeht, auch dafür haben wir ein paar nützliche Tipps:

Ihr wollt wissen, was ihr beim Kauf eines alten Hauses beachten müsst? Oder sucht Tipps, worauf es bei der Grundrissplanung ankommt? Dann schaut doch gern auch in die weiteren Kolumnen unserer Autorin Eva Brenner. Ihr findet diese auch in unserer großen Übersicht:

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Unser abschließender Tipp: Streichen allein reicht euch nicht? Wenn ihr eine Modernisierungsberatung vor Ort benötigt, dann vereinbart gleich einen unverbindlichen Telefontermin mit unseren Wohnglück-Bauexperten.

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