Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage auf dem Dach
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EEG-Förderung ausgelaufen: Was tun mit Ü20-Photovoltaikanlagen?

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Für die ersten Photovoltaik-Anlagen endete am 31. Dezember 2020 die EEG-Förderung. Künftig betrifft das immer mehr Solaranlagen. Wir erklären, was danach für Besitzer von Ü20-Anlagen gilt und wie ihr eure PV-Anlage weiter profitabel nutzen könnt.

Wer seine Photovoltaikanlage bis Ende 2000 in Betrieb genommen hat, für den endete am 31. Dezember 2020 die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das heißt, künftig gibt es keine hohe Einspeisevergütung mehr für ins Netz eingespeisten Solarstrom. In den kommenden Jahren wird es immer mehr PV-Anlagen geben, die 20 Jahre nach der Inbetriebnahme jeweils zum Jahresende das EEG-Förderende erreichen. Betreiber der Ü20-Photovoltaikanlagen müssen daher entscheiden, wie sie weiter mit ihren Solaranlagen verfahren wollen.

Wir erklären euch, welche Möglichkeiten ihr habt und wie ihr herausfindet, welche wirtschaftlich für euch am interessantesten ist.

Welche Möglichkeiten haben Besitzer einer Ü20-Photovoltaikanlage jetzt?

Photovoltaikanlagen haben durchaus eine Lebensdauer, die mehr als 20 Jahre beträgt. Prinzipiell haben Besitzer alter Anlagen nach dem Förderende drei Möglichkeiten:

  1. Ihr speist weiter wie bisher den Strom ins Netz, bekommt dafür aber nur noch eine deutlich geringere Vergütung.
  2. Den Solarstrom verbraucht ihr künftig weitgehend selbst und rüstet eure Anlage dementsprechend um.
  3. Ihr legt die PV-Anlage still und ersetzt sie gegebenenfalls durch eine neue Anlage, für die ihr dann wieder die Förderung erhaltet.

Alte PV-Anlage überprüfen lassen

Welche der drei Möglichkeiten sich für euch rechnet, das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn ihr eure Photovoltaikanlage auch nach 20 Jahren noch weiter betreiben wollt und sie schon länger nicht mehr sicherheitstechnisch überprüft wurde, dann solltet ihr das jetzt nachholen.

Die Prüfung sollte klären, wie sicher und leistungsfähig die Anlage noch ist. Als Betreiber einer Photovoltaikanlage seid ihr für die Sicherheit und den Schutz vor Gefahren durch diese Anlage verantwortlich. Um im Schadensfall nicht für Versäumnisse belangt zu werden, muss eine Fachperson in bestimmten Zeitabständen dokumentieren, dass die Photovoltaikanlage kontrolliert und geprüft wurde.

Die Wartezeiten im Photovoltaik-Handwerk können relativ lang sein. Deshalb beauftragt ihr den Anlagencheck besser so bald wie möglich. Eine umfassende Überprüfung kostet zwischen 250 und 300 Euro.

Solarstrom weiterhin einspeisen: Das müsst ihr beachten

Ende 2020 hat der Gesetzgeber eine befristete Anschlussregelung für Ü20-Photovoltaikanlagen beschlossen. Demnach dürft ihr den Strom weiterhin ins Netz einspeisen und erhaltet dafür als Vergütung den "Jahresmarktwert Solar". Dieser betrug in den vergangenen Jahren zwischen 2,5 und 4,5 Cent je Kilowattstunde.

Von dieser Vergütung wird noch eine Pauschale abgezogen, die bei den Netzbetreibern die Kosten für die Vermarktung des Solarstroms decken soll. Die Pauschale beträgt im Jahr 2021 pro Kilowattstunde 0,4 Cent. Ab 2022 wird sie von den Netzbetreibern aus den tatsächlich anfallenden Kosten ermittelt. Wenn ihr ein intelligentes Messsystem (iMSys) nutzt, halbiert sich die Kostenpauschale.

Wer nach dem Ende der EEG-Förderung nichts an seiner Photovoltaik-Anlage verändert, erhält diese Anschlussvergütung automatisch. Die Regelung ist allerdings zunächst befristet bis Ende 2027.

Vorteile der Einspeisung

Es sind keinerlei Investitionen notwendig und ihr müsst keine technischen Änderungen durchführen. Zudem funktioniert auch die Abrechnung weiterhin wie gewohnt über den Netzbetreiber, so dass sich der organisatorische Aufwand in Grenzen hält.

Für die Umwelt ist die Einspeisung von Solarstrom in jedem Fall vorteilhaft, auch wenn sie sich vielleicht nicht rechnet.

Nachteile der Einspeisung

Die Volleinspeisung lohnt sich finanziell meist nicht, wenn ihr die durchschnittlichen Betriebskosten (Versicherung, Zählermiete) berücksichtigt oder sogar kostspielige Reparaturen an der PV-Anlage anfallen.

Solarstrom künftig selbst nutzen: So funktioniert es

Wirtschaftlicher als die Volleinspeisung ist es, den Strom größtenteils selbst zu verbrauchen. So müsst ihr weniger Strom einkaufen und spart dadurch Geld. Wenn zu gewissen Zeitpunkten mehr Strom von der Ü20-Photovoltaikanlage erzeugt wird als notwendig, wird der Überschuss in das öffentliche Netz eingespeist und mit etwa 2,5 bis 4,5 Cent (abzüglich der Kostenpauschale) vergütet.

Ihr könnt auch einen Batteriespeicher oder ein E-Auto anschaffen. Das ermöglicht es euch, noch mehr Strom selbst zu nutzen. Beides ist aber erst einmal mit größeren Investitionen verbunden. Ob sich das für euch lohnt, hängt auch von euren individuellen Präferenzen ab.

Für auf Eigenverbrauch umgerüstete Ü20-Photovoltaikanlagen müsst ihr keine EEG-Umlage für den selbst erzeugten und verbrauchten Solarstrom zahlen. Voraussetzung ist, dass die Anlage nicht mehr als 30 kWp Leistung hat und ihr nicht mehr als 30.000 Kilowattstunden Solarstrom verbraucht. In diesen Fällen ist auch kein zusätzlicher Erzeugungszähler notwendig.

Alte Photovoltaikanlagen speisen den Solarstrom in der Regel vollständig ins Netz ein. Damit ihr den Solarstrom künftig vorrangig selbst verbrauchen könnt, muss in der Regel ein Elektriker einen Eingriff in die Verkabelung vornehmen. Das kostet im einfachsten Fall ab 200 Euro. Aus dem Einspeisezähler wird ein Zwei-Richtungs-Zähler, der somit den Eigenverbrauch erfassen kann.

Ist die Umstellung mit einem größeren Modernisierungsaufwand an der Elektroinstallation verbunden, kann es auch deutlich teurer werden. Der Einbau eines Batteriespeichers und eines dabei (meist nötigen) neuen Zählerschranks kann bis zu 2.000 Euro kosten. Und da sind dann die Kosten für den Batteriespeicher selbst noch nicht inbegriffen.

Bevor ihr eure Anlage umrüsten lasst, solltet ihr euch über bei eurer Kommune erkundigen, ob es Zuschüsse zur Umstellung gibt. Die ersten Kommunen haben angekündigt, dass sie Solarpioniere im Rahmen von Klimaschutzprogrammen beim Weiterbetrieb ihrer Anlage unterstützen wollen.

Alte PV-Anlage stilllegen und ersetzen

Falls ihr eure Ü20-Photovolatikanlage aus technischen Gründen nicht weiterbetreiben könnt, weil sie zu viel Leistung eingebüßt hat oder wenn das wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, weil teure Reparaturen anstehen, könnt ihr überlegen, sie durch eine neue, deutlich leistungsstärkere PV-Anlage zu ersetzen.

Neue Solarmodule gewinnen auf der gleichen Fläche bis zu doppelt so viel Strom wie die alten. Ihr erhaltet die EEG-Einspeisevergütung, die in dem Monat gültig ist, in dem ihr eure PV-Anlage in Betrieb nehmt, wieder für 20 Jahre. Aktuell liegt sie bei rund acht Cent pro Kilowattstunde.

Altmodule, die noch funktionieren, könnt ihr beispielsweise im Garten, Wochenendhaus oder Wohnmobil für Inselanlagen verwenden. Es gibt auch immer wieder andere Betreiber, die froh sind, wenn sie solche Altmodule angeboten bekommen, um sie gegen defekte Solarmodule auszutauschen.

Findet ihr keine Verwendung für die alten Solarzellen, dann müsst ihr sie fachgerecht entsorgen. Die Entsorgung von Solarmodulen ist für private Verbraucher kostenlos. Haushaltsübliche Mengen könnt ihr bei einem Wertstoffsammelhof abgeben. Für die Entsorgung der anderen Komponenten einer Photovoltaik-Anlage wie Wechselrichter und Solarbatterien wendet ihr euch am besten an die jeweiligen Hersteller. Diese sind nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz zur kostenlosen Rücknahme der Komponenten verpflichtet. Entsprechend ist die Demontage der Module der einzige Kostenpunkt.

Den wirtschaftlichsten Weiterbetrieb ausrechnen

Welche Variante sich für euch wirtschaftlich lohnt, das könnt ihr online ausrechnen, und zwar mit dem Solarrechner für Ü20-Photovoltaikanlagen von Ibc Solar. Wenn ihr 15 individuell anpassbare Parameter eingebt, wie beispielsweise das Jahr der Inbetriebnahme, die Anlagengröße und den Stromverbrauch im Haushalt, dann bekommt ihr unmittelbar fünf Optionen für einen ökologisch sinnvollen und wirtschaftlichen Weiterbetrieb.

Dabei berücksichtigt das Online-Tool verschiedene Blickwinkel und zeigt sowohl, welche Optionen besonders der Umwelt zu Gute kommen, als auch die rentabelsten Varianten. Hierfür werden zudem Kriterien wie zusätzliche Investitionen, Wirtschaftlichkeit und Umweltaspekte berücksichtigt.

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