Jonas und Vroni vor ihrem Tiny House Shallot
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Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Vroni und Jonas und ihr Tiny House "Shallot"

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Vroni und Jonas Börnicke leben zu zweit in Hallstadt in Franken in einem Tiny House, das sie innerhalb von acht Wochen selbst gebaut haben. Wie sie das ohne Erfahrung bewerkstelligt haben, das erzählen sie in unserer Serie Tiny Wohnglück.

Ohne viel Ahnung selbst ein Tiny House bauen? Vroni und Jonas Börnicke, beide 30 Jahre alt, haben das gewagt. Aber sie haben sich dabei professionelle Hilfe geholt. Die beiden Betriebswirtschaftler haben ihr Tiny House "Shallot" nämlich beim Hersteller Eco Tiny House in Rumänien unter Anleitung von Profis selbst gebaut.

Den Hersteller haben sie im Internet gefunden und der Stil der Häuser hat ihnen sofort zugesagt. Sie haben aber kein Modell von Eco Tiny House als Grundlage genommen, sondern ihr Haus vollständig nach ihren eigenen Vorstellungen zusammengestellt. "Mit der Unterstützung und der Anleitung des erfahrenen Teams vor Ort hat es prima funktioniert. Abgesehen von Elektroinstallation, Klempnerei und Fußbodenheizung haben wir letztlich alles selbst erledigt" erzählt das junge Paar. Acht Wochen lang dauerte der Bau des Tiny Houses, in dem die beiden seit Anfang September wohnen.

Die Bauarbeiten sind in diesem Video zusammengefasst:

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Das Haus steht auf einem gepachteten Baugrundstück

Das Tiny House steht auf einem regulären Baugrundstück in Hallstadt in der Nähe von Bamberg, das die beiden gepachtet haben. Sie müssen beide nur fünf Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.

Das Minihäuschen ist 7,80 Meter lang, 2,55 Meter breit und 4 Meter hoch, bietet also knapp 20 Quadratmeter Grundfläche. Es steht auf einem Vlemmix-Anhänger, wobei Vroni und Jonas die Räder für das Abstellen abgenommen haben.

Das Haus ist in Holzständerbauweise gebaut und mit einer zehn Zentimeter dicken Schicht Mineralwolle gedämmt. Geheizt wird mit einer elektrischen Fußbodenheizung.

Badewanne und Extra-Zimmer

Damit ein Tiny House auf der Straße bewegt werden kann, darf es nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen. "Mit nur wenig Einrichtung waren wir etwa bei diesem Gewicht", erzählt das Paar. "Mittlerweile sind wir da aber sicher drüber." Doch das ist kein großes Problem, denn die beiden wollen erst einmal ein paar Jahre auf ihrem Grundstück bleiben. "Ein Umzug wäre möglich, ist aber mit Aufwand verbunden."

Besonderheiten ihres Tiny Houses sind die reguläre, 1,50 Meter große Badewanne sowie eine "recht normale" Küche mit Ofen und Induktionsherd mit vier Platten. Da Jonas hauptsächlich von zu Hause aus arbeitet, haben sich die beiden einen elektrischen Sitz-Steh-Schreibtisch gegönnt. Außerdem haben sie ein kleines zusätzliches Zimmer im Tiny House, das ursprünglich als zukünftiges Kleinkinderzimmer geplant war. Seit Corona und bisher ohne Kind fungiert es jetzt als zweites Home-Office für Vroni. So können beide gleichzeitig mit Laptop und großem Monitor von zu Hause arbeiten und dabei sogar eine Tür zwischen sich schließen.

Inklusive Einrichtung haben sie nur etwa 50.000 Euro für ihr Häuschen ausgegeben.

Inzwischen beraten die beiden auch andere, die sich den Traum vom Tiny House erfüllen wollen und vertreiben Häuser des rumänischen Herstellers in Deutschland. Mehr Infos dazu auf ihrer Seite Tinyleben.

5 Fragen an die Tiny-House-Bewohner Vroni und Jonas

1. Warum seid ihr in ein Tiny House gezogen?

Weil wir auf einer längeren Radreise festgestellt haben, wie wenig man eigentlich nur braucht. Ein Tiny House bildet außerdem die perfekte Kombination aus Kosten reduzieren, Geld für wichtigeres als Dinge ausgeben und dabei noch nachhaltig und frei zu sein.

2. Welche Hürden musstet ihr nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Unser Grundstück zur Pacht haben wir mithilfe von Gesuchen auf Social Media und Ebay Kleinanzeigen gefunden. So haben wir eine Vielzahl von Rückmeldungen von Leuten mit leeren Grundstücken bekommen. Außerdem mussten wir eine Baugenehmigung bekommen. Diese haben wir mithilfe eines befreundeten Architekten beantragt.

Unseren ersten Bauantrag lehnte das Landratsamt ab, weil wir zu weit vom Bebauungsplan abweichen würden. Zum Glück hatten wir die volle Unterstützung der Gemeinde Hallstadt und konnten so mithilfe des Artikel 57 (1) BayBO (in Bayern sind Bauvorhaben mit weniger als 75 Kubikmetern umbauter Fläche bauantragsbefreit) in unser Tiny House einziehen, weil in diesem Fall das Landratsamt als höhere Bauaufsichtsbehörde nicht gefragt werden muss.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in eurem Tiny House?

Da wir noch nicht so lange in unserem Haus wohnen, können wir dazu noch nicht viel sagen. Wir sind wahrscheinlich noch in der Honeymoon-Phase, in der einfach alles toll ist. Die größte Herausforderung beim Thema Tiny House allgemein ist aber, dass es bisher noch kaum klare Richtlinien und Vorgaben gibt. Einerseits wird man wie mit einem regulären Haus behandelt, aber an anderer Stelle auch wieder nicht. Man muss sich immer mit den lokalen Behörden abstimmen und ist auf deren Wohlwollen angewiesen. Denn wenn diese einem Steine in den Weg legen wollen, können sie einem den Einzug ins Tiny House (nahezu) unmöglich machen.

4. Was gefällt euch am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Es ist einfach gemütlich, gerade wenn es draußen kalt ist oder regnet. Das viele offene Holz strahlt immer Wärme aus und erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Wir genießen es auch sehr, das Haus so gut zu kennen, weil wir es selbst gebaut haben. Gleichzeitig sind wir noch lange nicht fertig, es gibt noch viel zu tun und noch mehr zu optimieren.

Durch die geringe Größe ist es auch einfach schön, dass keiner alleine in der Küche zum Abspülen stehen muss, sondern man kann sich unterhalten, egal was man gerade tut.

5. Was würdet ihr heute anders machen, wenn ihr euch nochmal ein Tiny House bauen würdet und was hättet ihr gerne vorher gewusst?

Wir würden einige zusätzliche Steckdosen einbauen, gerade im Storage Loft und im Schlafloft. Außerdem haben wir an der einen kurzen Seite des Hauses unseren Wasseranschluss und an der anderen kurzen Seite den Anschluss für Strom und Internet. Was uns da geritten hat, weiß ich nicht mehr, aber die gehören alle ans gleiche Ende. Abgesehen davon würden wir alles wieder genauso machen. Das Haus selbst zu bauen war eine super Idee und gerade durch den Bau haben wir viele Entscheidungen on-the-fly getroffen, an die wir in der Planung noch überhaupt nicht gedacht hatten.

Was wir auf jeden Fall wieder so machen würden (und da hat sich Jonas glücklicherweise durchgesetzt), nicht bereits den gesamten Platz von vornherein zu verplanen und mit Regalen und Stauraum komplett zuzubauen. Wir haben ganz bewusst ein paar Lücken gelassen und einige Möbelstücke nicht vor dem Einzug gebaut, um zu sehen, wie man sich im Raum bewegt und was Sinn ergibt, wenn man wirklich im Tiny House lebt. So haben wir beispielsweise in der Küche um den Kühlschrank herum noch Raum für ein Regal, das wir jetzt darauf abstimmen können, was wir noch unterbringen wollen.

Vronis und Jonas' Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Traut euch und wagt den Schritt! So viele Leute träumen vom Wohnen im Tiny House, aber finden immer wieder eine Ausrede, warum sie es nicht angehen. Aber es wird nie den perfekten Moment, das perfekte Grundstück oder das perfekte Tiny House geben. Perfektion ist eine Illusion, flexibel muss man sein und Durchhaltevermögen mitbringen.

Wir haben unser Haus gebaut, bevor wir ein Grundstück hatten. Das war vielleicht etwas naiv, aber so hatten wir den Druck, uns immer weiter um das Organisieren des Grundstücks zu kümmern und die Hürden der Bürokratie zu meistern. Auch wenn es sich mitten im Prozess vielleicht nicht so anfühlt, es lohnt sich!

Ihr wollt noch von anderen Tiny House-Bewohnern lesen? Auf unserer großen Übersichtsseite findet ihr alle Teile unserer Serie "Tiny Wohnglück":

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