Conni Utrata vor ihrem Tiny House
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Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Conni und ihr barrierefreies Tiny House

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Conni Utrata hat ihren Traum wahr gemacht: Sie konnte ein Tiny House in einer Baulücke im Landkreis Uelzen aufstellen und lebt nun dort. In unserer Serie Tiny Wohnglück erzählt sie von ihren Erfahrungen.

Das erste Mal kam Conni Utrata mit einem Tiny House in Berührung, als sie auf einer beruflichen Veranstaltung in Berlin war. Da wurde eine Praxis für Ergotherapie auf Rädern eingeweiht, weil die Mieten in Berlin so hoch geworden sind. Als sie sich dann überlegte, aus ihrer 88 Quadratmeter großen, recht teuren Mietwohnung auszuziehen und eine Alternative zu suchen, fiel ihr das Tiny House wieder ein.

Die 53-jährige Sprachtherapeutin begann zu recherchieren und las Berichte in Gruppen auf sozialen Netzwerken. Sie googelte "Tiny House" und "Bilder" und entdeckte das Tiny House von Frithjof Baumgart in Bad Malente. Sie war die Erste, die dort für drei Tage Urlaub machte. "Diese drei Nächte gefielen mir so gut, dass von da an klar für mich war, dass ich auch so eines wollte", erzählt Conni Utrata.

Das Tiny House steht in einer 510 Quadratmeter großen Baulücke

Letztendlich ist es dann nicht genau das gleiche Modell geworden, weil es nicht barrierefrei ist und Connis Budget gesprengt hätte. Es war aber eine super Inspiration. Die 53-Jährige ließ ihr Minihaus dann von einer Firma aus Hessen individuell nach ihren Plänen und Vorstellungen bauen. Bezahlt hat sie dafür 115.000 Euro.

Seit einem halben Jahr lebt sie nun dort – auf einem 510 Quadratmeter großen Grundstück im Landkreis Uelzen in Niedersachsen. Es handelte sich um eine Baulücke, die sie zunächst einmal mit Strom, Wasser und Abwasser erschließen musste.

Das Tiny House ist Connis Hauptwohnsitz und besteht aus zwei Modulen, die auf Punktfundamenten errichtet wurden. Eines der Module ist elf mal drei Meter groß, das andere sieben mal drei Meter. Insgesamt hat Conni eine Wohnfläche von 42 Quadratmetern. Das Haus könnte bei Bedarf mittels Kran und zwei Tiefladern umgesetzt werden.

Barrierefreies Tiny House fürs Alter

Die Bauherrin hat besonderen Wert auf ein barrierefreies Tiny House gelegt, "damit ich hier auch im Alter oder mit einer Behinderung, die einen Rollator oder gar Rollstuhl nötig macht, leben kann", wie sie sagt.

Das Tiny House besteht aus einem Bad mit Dusche, einem Schlafzimmer und einer offenen Küche mit Wohnbereich. Auch ein kleines Gäste-WC hat Conni Utrata eingeplant, damit ihre Gäste nicht durch ihr Schlafzimmer zur Toilette gehen müssen.

Geheizt wird mit Infrarotheizkörpern, die an der Decke angebracht sind und im Bad gibt es zusätzlich eine Fußbodenheizung.

5 Fragen an Tiny-House-Bewohnerin Conni Utrata

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Für mich war offensichtlich, dass ich sparen wollte, da ich zum einen Mutter von drei Kindern bin, die meine finanzielle Unterstützung noch benötigen, und zum anderen habe ich als freiberufliche Sprachtherapeutin seit meiner Selbständigkeit keine Rentenbeiträge eingezahlt, so dass ich im Rentenalter keine hohen Mieten beziehungsweise Lebenshaltungskosten bewältigen kann.

Natürlich war mir auch der ökologische Aspekt wichtig. Ich verringere meinen ökologischen Fußabdruck durch mein Leben auf so kleinem Raum und mit nachhaltig verwendeten Baumaterialien. Durch die Planung des Hauses konnte ich meine Ideen verwirklichen, das ist toll.

2. Welche Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Als für mich schon klar war, dass ich ein Tiny House wollte, bin ich zum örtlichen Bauamt und habe ganz gezielt nach der Möglichkeit, ein Tiny House aufzustellen, gefragt. Ich bin auf absolut offene Ohren und Herzen gestoßen. Das Bauamt des Landkreises hat mich immer unterstützt. Wir sind so verblieben, dass ich mich melde, wenn ich ein Grundstück habe und sie wollten dann nachsehen, ob ich in diesem Gebiet ein Haus aufstellen kann. Im Gespräch mit dem Landkreis war dann auch klar, dass ich kein Haus auf Rädern möchte, da ich keine Schlafkoje wollte, die ich auf einer Leiter erklimmen muss.

Nachdem ich dann in dem Tiny House in Malente zum Probewohnen war, bin ich mit Fotos des Hauses zum Bauamt und mit diesen Fotos wurde ein Grundstück gesucht, worauf ich genau so eines stellen darf. Die Suche verlief schwierig. Alle hätten gepasst, aber ich kam leider immer zu spät. Und dann, an einem Donnerstag in meiner Mittagspause, sah ich eine Anzeige in einem Kleinanzeigenportal, rief an und war die Erste. Ich vereinbarte einen Termin noch für denselben Tag und rief sofort beim Bauamt an, um zu fragen, ob dieses Grundstück geeignet wäre. Die Vorabinfo war ein verhaltenes "Ja", genauere Informationen sollte ich am Montag bekommen.

Ich sah mir das Grundstück an, verliebte mich sofort und freute mich, als ich dann am Montag ein unumstößliches "Ja" seitens des Bauamtes erhielt.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Das Leben im Tiny House ist für mich keine Herausforderung. Ich genieße es voll und ganz und bin glücklich. Die Herausforderung war eher vorher: Ich musste und wollte mich von vielen Dingen trennen, musste genau überlegen, was ich brauche, was ich verschenke, verkaufe, wegschmeiße.

Ich habe für jedes Kind einen Erinnerungskoffer gepackt mit allen Dingen, die ich aufgehoben habe, die mir wichtig schienen, also erste Söckchen, erstes Gezeichnetes, Zeugnisse, Bastelarbeiten, Zähnchen und so weiter. Die Koffer sind prall gefüllt und es rührt mich sehr, dass meine Kinder sie sogar in ihren Wohnungen aufbewahren, um sie im Falle eines Falles schnell griffbereit zu haben.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Es ist meins; ich habe es mit Unterstützung des Herstellers aufs Papier gebracht und passgenau eingerichtet. Alle Möbel sind so ausgesucht, dass sie sowohl zweckmäßig als auch hochwertig sind. Ich brauche sehr wenig Zeit, um es sauber zu halten. Ordnung ist in einem so kleinen Haus enorm wichtig, sonst sieht es schnell liederlich aus. Allerdings war das schon immer so bei mir, ich mag es gerne aufgeräumt.

Letztens klopfte der Frühling an die Tür und ich habe eine Vorahnung und Vorfreude auf laue Sommernächte auf meiner Terrasse bekommen. Ich habe im Wohnbereich sogenannte dänische Fenster und Türen. Das heißt, dass die nach außen öffnend sind. Ich freu mich schon. Der Winter brachte viel Schnee, das war auch ein Erlebnis.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House bauen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Ich habe momentan das Problem, dass ich sehr viel Strom für die Heizung verbrauche. Das ist völlig konträr zu meinem Ziel, Stromkosten beziehungsweise den Stromverbrauch zu sparen. Hier muss ich am Ende der ersten zwölf Monate mal schauen, wie sich das eingepegelt hat.

Ein Ofen als Alternative geht nicht, da ist der Platz nicht da. Vielleicht muss ich an eine kleine Solaranlage auf dem Dach denken oder die Infrarotheizkörper nicht mehr an die Decke hängen, sondern an die Wände.

Zudem würde ich nur noch das Haus bauen lassen und sämtliche Innenarbeiten von Gewerken, die vor Ort sind, erledigen lassen. Oder alternativ mit einem Hersteller in der Nähe, der aber über die erforderlichen Erfahrungen verfügt. Leider habe ich zum Start meines Vorhabens keinen in der Nähe gefunden. Hier braucht es meiner Meinung nach noch mehr Werbung der Hersteller in verschiedenen Medien.

Connis Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Unbedingt vorher testen, ob das Leben im Tiny House das geeignete ist. Also Urlaub in verschiedenen Tiny Houses machen, und das in der kälteren Jahreszeit, vielleicht sogar bei Regen und Sturm, wenn man sich also eher drinnen aufhalten muss.

Wo das geht, lest ihr in unserem Artikel "Probewohnen im Tiny House".

Unser abschließender Tipp: Ihr wollt noch von anderen Tiny-House-Bewohnern lesen? Auf unserer Übersichtsseite findet ihr alle Teile unserer Serie "Tiny Wohnglück":

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