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Modernisieren | Ratgeber

Parkett versiegeln: Lack, Öl oder Hartwachsöl?

Sandra Hermes

Level: Für Einsteiger

Welches Finish eignet sich für euren Holzboden? Lack, Öl oder Wachs? Es ist Geschmacksache, ob ihr euer Parkett oder eure Dielen lackiert, ölt oder wachst. Wir liefern euch die wichtigsten Fakten zur Parkettversiegelung.

Um den Anforderungen in unserem Alltag zu trotzen, braucht ein Holzboden eine Schutzschicht. Von Parkettlack, Hartöl und Hartwachsöl haben die meisten Heimwerker schon gehört. Die Vorteile und Nachteile der einzelnen Möglichkeiten, Parkett oder Dielen zu versiegeln, sind aber nicht immer klar. Wir haben alle Argumente für euch zusammengefasst.

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Die richtige Versiegelung für euren Holzboden

In rohem Zustand ist Holz ein empfindliches Naturmaterial. Das gilt besonders für einen Holzboden. Schließlich wird er von uns allen täglich mit Füßen getreten. Damit er das möglichst lange übersteht, muss eine Schutzschicht her. Aber welche? Das ist die große Frage, vor der jeder Holzbodenbesitzer steht. Lackieren, ölen oder wachsen? Jedes Finish hat seine Vor- und Nachteile. Hier kommt unser Schnell-Check zum Thema Parkett versiegeln.

Hartöl: Die Vorteile

Anders als einfaches Holzöl (zum Beispiel Leinöl) enthält ein Hartöl zusätzlich ein Harz. Das große Plus ist das schnellere Aushärten. Das Öl dringt in die Holzporen ein und schützt und härtet das Holz von innen. Je mehr Schichten aufgetragen werden, desto höher ist seine Widerstandskraft. Dabei betont das Öl die natürliche Farbe und die Maserung des Holzes. Es wird "angefeuert", sagt der Profi.

Soll das Holz dabei noch dunkler, rötlicher oder goldener werden, könnt ihr Hartöle mit einer entsprechenden Pigmentierung nutzen. Bilden sich mit der Zeit Laufstraßen, könnt ihr einen geölten Boden sehr leicht wieder auffrischen. Außerdem fühlt er sich immer noch nach Holz an und besitzt eine natürliche Elastizität.

Ein geölter Holzfußboden ist atmungsaktiv und diffusionsoffen. Ein Plus für das Raumklima.

EIn Pinsel mit Holzöl streicht Holz
Holz kann auf natürliche Weise mit Hartöl geschützt werden. © Getty Images/iStockphoto

Hartöl: Die Nachteile

Ein geölter Boden ist relativ empfindlich. Schon nach einigen Jahren wird man genau sehen, welche Bereiche ihr regelmäßig mit Schuhen betretet und wo der Hund seine Krallen gewetzt hat. Er muss also besonders gut gepflegt werden und braucht in regelmäßigen Abständen eine Auffrischung.

Ein Hartöl macht nur Sinn, wenn der Boden noch roh ist oder bereits vorher geölt war. Hatte er eine Lackschicht, muss diese komplett abgetragen werden.

Außerdem ist Hartöl bei der Verarbeitung sehr temperaturempfindlich. Damit das Öl gut aushärten kann, darf es nicht zu heiß und nicht zu kalt sein. Zwölf Grad sind das Optimum.

Bei der Wahl des Produkts fallen Heimwerker leicht auf Holzöle herein, die gar keine sind, da der Begriff nicht geschützt ist. Also Augen auf bei Hartölkauf!

Hartwachsöl: Die Vorteile

Wenn vom Wachsen die Rede ist, ist heute in der Regel eine Behandlung mit Hartwachsöl gemeint. Das Produkt vereint die Vorteile beider Bestandteile. Das Öl dringt tief in den Holzboden ein und schützt seine Struktur von Innen. Das Wachs bildet einen harten Schutzfilm auf der Oberfläche. So wird der Boden pflegeleicht, und unempfindlich gegen Feuchtigkeit. Wie beim Hartöl wird der Farbton dunkler und die Maserung tritt deutlicher hervor.

Auch ein Boden, der mit Hartwachsöl behandelt wurde, kann später leicht ausgebessert werden. Nach einiger Zeit werdet ihr die Übergänge zwischen dem ausgebesserten Bereich und den älteren Abschnitten nicht mehr erkennen.

Hartwachsöl wird auf Holzboden geschüttet
Ein Liter Hartwachsöl reicht für bis zu 20 Quadratmeter Holzboden. © Oli-Natura

Hartwachsöl: Die Nachteile

Ein Hartwachsboden kann theoretisch lange halten. Einen normalen Familienalltag mit Kindern, Straßenschuhen, Sand und Steinchen wird er aber nicht ewig überleben. Auch hier muss nach einigen Jahren punktuell ausgebessert oder aufgefrischt werden.

Holz mit einer Hartwachsschicht ist außerdem empfindlich gegen Feuchtigkeit. Nasse Schuhe oder sonstige Pfützen dürfen nicht länger auf dem Boden stehen, sonst führt die Dauerfeuchtigkeit zu Verfärbungen. Normales Wischen ist dagegen kein Problem.

Nach dem Auftragen braucht Hartwachsöl relativ lange zum Aushärten. Blöd, wenn man gerade kurz vorm Einzug steht oder ein Zimmer nach dem Renovieren schnell wieder nutzen möchte.

Parkettlack: Die Vorteile

Ein lackierter Boden ist sehr glatt und widerstandsfähig. Ihr könnt ihn prima wischen oder absaugen. Modernen Zweikomponentenlacken können auch normale mechanische Belastungen nicht viel anhaben. Die Oberfläche ist trotz der entstandenen Schutzschicht so elastisch, dass sie nicht so schnell reißt.

Solange die Lackschicht intakt ist, ist auch Feuchtigkeit kein Problem. Nach dem Lackieren kann der Boden nach einigen Tagen wieder voll genutzt werden. Der Holzton bleibt weitgehend erhalten.

Parkett lackieren
Parkettlack ist sehr widerstandsfähig und kann Holzboden eine glänzende Optik verleihen. © Getty Images/iStockphoto

Parkettlack: Die Nachteile

Ein mit Lack versiegelter Holzboden ist dennoch nicht steinhart. Lasst ihr etwas sehr Schweres fallen, können Risse entstehen. Auch eine Dauerbelastung im Eingangsbereich kann seine Widerstandkraft auf eine harte Probe stellen.

Sind einmal Risse entstanden, kann Feuchtigkeit eindringen und das Holz unter der Lackschicht beschädigen. Unschöne Verfärbungen sind zu sehen und können auch bei einer Lackversiegelung nach etwa zehn bis 15 Jahren eine Renovierung notwendig machen. Die muss dann in der Regel für den ganzen Raum durchgeführt werden.

Wer Lack in der engeren Auswahl hat, sollte nicht nur an die Optik denken. Stellt euch vor, mit nackten Füßen über euren Holzboden zu laufen. Bei einer Lackierung spürt ihr nur noch die Lackschicht. Die Haptik eines warmen Holzbodens ist verschwunden.

Auch in Sachen Raunklima gibt es Abzüge: Der Lack versiegelt das Holz und lässt keinen Feuchtigkeitsaustausch mit der Raumluft zu.

Fazit: Was eignet sich am besten zur Parkettversiegelung?

Vor- und Nachteile halten sich bei allen drei Produkten beinah die Waage. Ob ihr Hartöl, Hartwachsöl oder Parkettlack den Vorzug gebt, ist sehr von euren individuellen Vorlieben abhängig.

Zwei Fragen solltet ihr euch in erster Linie stellen:

  • Wie wichtig ist mir die Langlebigkeit? Sprich: Kann ich damit leben, dass man einem geölten oder gewachsten Boden in stark genutzten Bereichen schnell ansieht, dass dort Leben im Haus ist?
  • Will ich die Eigenschaften des Naturprodukts Holz möglichst erhalten?

Wenn ihr beide Fragen mit "Ja" beantwortet, seid ihr vermutlich eher der Hartöl- oder Hartwachsöl-Typ.

Wenn euch die reine Optik wichtiger ist als das natürliche Holzgefühl und ihr keine Lust habt, euren Boden schon nach wenigen Jahren einer Frischekur zu unterziehen, seid ihr mit Parkettlack besser bedient.

Eine Alternative zur Parkettversiegelung mit Öl, Hartwachsöl oder Parkettlack hat unsere Bloggerin Mona in ihrem Haus ausprobiert. Sie hat ihren Dielenboden gelaugt und geseift. Mehr dazu hier:

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