nasse Scheibe im Winter
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Wohnen | Expertentipp

Fenster beschlagen: Was tun, wenn sich im Winter Kondenswasser an den Scheiben bildet?

Redaktion

Level: Für Einsteiger

Das Problem kennen viele Bewohner älterer Häuser oder Wohnungen: Im Winter beschlagen die Fensterscheiben von innen. Woran das liegt und was ihr gegen Kondenswasser an den Fensterscheiben tun könnt, erklärt unser Experte.

Ein Nutzer hat sich mit folgendem Problem an uns gewandt: "Wenn im Winter die Temperatur draußen auf null oder darunter geht, werden die Fensterscheiben in unserer Wohnung nass. Manchmal läuft richtig das Kondenswasser herunter, obwohl wir im Raum eine Luftfeuchtigkeit von nur 40 bis 50 Prozent haben. Die Fenster wurden 1994 in unseren Neubau eingebaut. Sind die Fenster nicht in Ordnung?"

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Die Wohnglück-Experten antworten:

In modernen Haushalten bildet sich eine erhebliche Luftfeuchtigkeit (oft 70 Prozent und mehr). Diese wird verursacht durch unsere heutige Lebensweise: tägliches oft mehrmaliges Duschen, Waschen und Trocknen der Wäsche in der Wohnung mit entsprechenden Geräten, sowie die Benutzung einer Geschirrspülmaschine.

Ganz besonders ungünstig wirken sich Wäschetrockner aus, die im Kondensverfahren arbeiten, da deren gesamte Feuchtigkeit in der Wohnung verbleibt und nicht wie bei Abluftgeräten nach außen abgeleitet wird. Grünpflanzen und eventuell ein Aquarium sind ebenfalls eine Quelle von Luftfeuchtigkeit. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass jeder Mensch im Laufe des Tages zwei Liter Wasser über die Atmung und die Haut abgibt; bei Haustieren verhält es sich ähnlich. Auf diese Weise können im Laufe eines Tages in einem Vier-Personen-Haushalt 12 bis 15 Liter Wasser an die Raumluft abgegeben werden.

Fenster beschlagen, weil sie luftdicht sind und die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist

Nun kommen eure Fenster ins Spiel. Bereits 1994 wurden Fenster hergestellt, die mehrfach gefalzt und mit Gummidichtungen ausgerüstet waren, so dass sie luftdicht abschließen. Bevor man luftdicht schließende Fenster und Außentüren kannte, ergab sich folgende Situation: Fenster alter Bauart – ohne Dichtungen – ließen pro Fenster an einem Tag 20 bis 30 Kubikmeter frische und trockene Außenluft eindringen und sorgten damit quasi automatisch für einen selbsttätigen und intensiven Luftaustausch. Das haben Versuche am Fenster-Institut Rosenheim ergeben.

Wenn nun luftdichte Fenster verbaut sind, unterbleibt der Luftaustausch. Die warme, mit Feuchtigkeit gesättigte Luft bleibt in der Wohnung und schlägt sich an den kälteren Außenwänden und besonders auch an den Fenstern als Kondenswasser nieder. Das Ergebnis: beschlagene Fenster.

Zweimal täglich Durchzug hilft gegen beschlagene Fenster

Die wichtigste und wirksamste Möglichkeit, um beschlagene Fenster zu vermeiden, ist richtiges Lüften. Während der Heizperiode solltet ihr das mindestens zweimal am Tag, möglichst morgens und abends tun. Ihr solltet dabei alle Fenster und Türen jeweils für mindestens zehn bis 15 Minuten weit öffnen, damit es zu einem deutlichen Luftaustausch in der gesamten Wohnung kommt (Durchzug!). Die sogenannte Stoßlüftung durch nur kurzzeitiges Öffnen einzelner Fenster oder die Lüftung durch gekippte Fenster reicht nicht aus.

Grundlage dieser Empfehlung ist ein physikalisches Gesetz, welches besagt, dass warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kalte.

Das bedeutet zum Beispiel:

  • 10 Grad warme warme Luft kann pro Kubikmeter 9,4 Gramm Wasser aufnehmen
  • 20 Grad warme Luft kann pro Kubikmeter 17,3 Gramm Wasser aufnehmen

Wenn nun beim intensiven Lüften (Durchzug) kalte Außenluft in die Wohnung einströmt und sich erwärmt, kann sie eine erhebliche Menge Feuchtigkeit aufnehmen und diese im Luftstrom nach außen transportieren. Das geschieht aber nur bei Durchzug, da nur dann die Möglichkeit gegeben ist, dass die warme Luft in ausreichender Menge nach außen gelangt. Dieser Vorgang funktioniert auch bei Nebel oder Regenwetter. Denn selbst bei feuchtem Wetter gilt das oben beschriebene physikalische Gesetz. Kalte Luft hat erheblich weniger Luftfeuchtigkeit (Wasser in Dampfform, kein flüssiges Wasser!) gebunden als warme Luft.

Diese nur zweimalige intensive Lüftung führt nicht dazu, dass die Wohnung auskühlt, da ja nur die Luft ausgetauscht wird. Die eigentlichen Speicher der Wärme sind neben den Heizkörpern die umgebenden Bauteile (Fußboden, Decke und Wände) und die Möbel. Es entstehen daher keine zusätzlichen Heizkosten.

Hygrometer geben oft falsche Werte an

Es ist unwahrscheinlich, dass sich bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 Prozent Kondensfeuchtigkeit auf den Fensterscheiben bildet. Wir vermuten, dass euer Luftfeuchtigkeits-Messer, also das Hygrometer, falsche Werte angibt. Wir möchten euch daher empfehlen, ein neues Hygrometer anzuschaffen. Beachtetet jedoch, dass nur elektronische Geräte zuverlässig arbeiten. Eine Untersuchung der Zeitschrift "test" hat ergeben, dass man sich auf die Angaben von Zeigerinstrumenten nur dann verlassen kann, wenn sie geeicht sind (Gebrauchsanweisung beachten!).

Durch den Gebrauch eines Hygrometers habt ihr die Möglichkeit, laufend die Luftfeuchtigkeit in eurer Wohnung zu kontrollieren und euer Lüftungsverhalten danach einzurichten. Die Luftfeuchtigkeit sollte im Normalfall 50 bis 55 Prozent betragen. Das Hygrometer sollte an zentraler Stelle in der Wohnung hängen, wo es ins Auge fällt. Das Instrument sollte nicht direkt am Fenster, hinter einem Vorhang, in der Sonne oder direkt über der Heizung aufgehängt werden!

In Räumen, die von Feuchtigkeit oder Schimmel befallen sind, solltet ihr regelmäßig messen.

Unser abschließender Hinweis: Ihr habt auch eine Frage und benötigt den Rat unserer Wohnglück-Experten? Kein Problem: Schreibt uns über den Facebook-Messenger oder nutzt unser Kontaktformular und wir stehen euch nach Möglichkeit mit Rat und Tat zur Seite.

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