Sofa steht auf einem Betonfußboden vor kahler Wand
© Getty Images/iStockphoto

Bauen | Ratgeber

Bodenbeschichtung: Betonboden und Industrieboden im Privathaushalt

Uske Berndt

Level: Für Fortgeschrittene

Einen Betonboden oder Industrieboden findet man in gewerblichen Gebäuden, selten in privaten Haushalten. Wer sich dafür interessiert, braucht Profis für die Verlegung.

Beton- und Industrieboden: Woraus bestehen sie, wie werden sie verlegt und was kostet das?

Laminat oder Fliesen, das hat jeder. Vergleichsweise neu für Privathaushalte sind Betonböden oder Industrieböden auf Acrylharzbasis. Warum auch nicht, schließlich hat der Bodenbelag eine Reihe von Vorteilen. Mal eben selber machen, das wird allerdings schwierig. Da sollte schon ein professionelles Unternehmen ran.

Betonboden für Küche oder Bad

Beton liegt im Trend – für Küchen, Bäder und sogar Wohnzimmer. Kein Wunder, der Bodenbelag aus Kalkstein, Ton und Sand ist nachhaltig, eben, fugenfrei und hält Jahre. Belastungen wie rollende Stühle oder herunterfallende Kochtöpfe sind unproblematisch. Kein Verwerfen oder Verziehen – garantiert. Je glatter die Oberfläche, desto edler und pflegeleichter.

Grau war gestern

Wer sich am edlen Grau satt gesehen hat, findet auch hier seinen Lieblingsfarbton. Für die große Vielfalt werden der Betonmischung spezielle Farbpigmente beigefügt, etwa in den Tönen "Stahl", "Schiefer" oder "Rost". Im Prinzip funktioniert jede gewünschte Schattierung.

Jeder Boden ist ein Unikat

Betonboden ist handgemacht, "ein Designerboden, den gibt es nie zweimal", sagt Ejup Hasanovic. Der Inhaber von Natura Bodendesign kennt die unterschiedlichsten Kundenwünsche: "Manche wollen Kratzer und Gebrauchsspuren, eine richtige Patina", fügt er hinzu.

Industrieboden für Spezialisten

Extrem robust zeigt sich auch Industrieboden, ein Belag auf Basis von Acrylharz, Epoxidharz oder Polyurethanharz (PU). Diese Böden sind absolut schlag- und kratzfest, rutschhemmend und dazu widerstandsfähig gegen Chemikalien, Säuren, Laugen oder Fett. Acrylharzböden sind besonders gefragt, da sie schon nach wenigen Stunden voll ausgehärtet sind. Bei Epoxidharz dauert es 20 Stunden bis der Belag begehbar ist und mehrere Tage bis zur vollen Belastbarkeit. Dafür gilt das Material als extra robust. PU-Böden wiederum sind besonders elastisch.

Farbpigmente zum Einstreuen

Auch Industrieboden kann bunt aussehen und zwar durch verschiedene Farbsande. Je nach Körnung kommt dabei auch eine kräftige Struktur in den Boden, die für Rutschfestigkeit sorgt. Mögliche Rutschhemmklassen: R10-R13.

Industrieboden für Zuhause?

Industrieboden liegt hauptsächlich in Fabrikhallen oder Autohäusern, dabei eignen sich die Beläge auch für Praxen und private Wohnungen. Bei Koch Industrieböden rufen bisher eher selten Eigenheimbesitzer an: "Der Belag ist am Ende rau und nicht immer leicht zu pflegen", meint Projektleiter Stefan Witaszek. Ein Wischer komme da nicht weit, er empfiehlt ein spezielles Reinigungsgerät. Aber warum nicht, "wir haben schon Architektenbüros mit Industrieboden ausgestattet."

Die professionelle Verlegung

Für das Verlegen eines Betonbodens benötigt ihr Schutzkleidung, spezielle Rührer und Spachtel. Manche Komponenten werden sehr exakt und zeitgenau zusammengefügt. Auch müsst ihr die Temperatur beziehungsweise Luftfeuchte vor dem Auftrag der einzelnen Schichten messen. Kurz: Lieber die Profimannschaft beauftragen.

Betonboden spachteln

Für Innenräume verwendet man gerne Betonspachtel oder Sichtbeton. Dafür streichen die Handwerker die flüssige Zementmischung mit großen Spachteln auf den Untergrund. Dank der geringen Aufbauhöhe von 2 bis 10 Millimeter eignet sich diese Technik gut für Renovierungen. Nun erhält der Belag einen schönen Schliff (Schleifmaschinen mit Diamantkörnung) oder wird poliert bis er glänzt.

Schicht für Schicht

Für Privathaushalte kommt auf den Beton fast immer eine Imprägnierung sowie ein bis zwei Schichten Versiegelung. So ist der Belag gut geschützt und macht Kaffeeflecken einfach abwischbar. Schnell geht das alles nicht. "Es dauert schon ein paar Tage bis alle Arbeitsschritte fertig sind", erzählt Ejup Hasanovic von Natura Bodendesign.

Blick in einer moderne Werkhalle mit Industrieboden
Hallen, Flughäfen, Schulen - überall, wo es eine besonders hohe Beanspruchung gibt, kommen Industrieböden zum Einsatz. Im privaten Bereich sind sie wegen der aufwändigen Verlegung eher selten. © Getty Images

Industrieboden aufbringen

Das Prinzip ähnelt dem von Beton. Auch hier wird der Untergrund mit dem Belag ausgegossen und in mehreren Schichten mit großen Spachteln in Position gebracht. Anschließend folgt die Versiegelung. Glatt oder rau? Je nach gewünschter Rutschklasse kommen die Schleifmaschinen zum Einsatz. Acrylharzböden sind innerhalb eines Arbeitstages fix und fertig. „Nach zwei Stunden ist der Belag fest“, verspricht Stefan Witaszek von Koch Industrieböden.

Aber: Hier ist viel Sorgfalt und Erfahrung nötig, damit das Ergebnis auch wirklich gut aussieht. Schon ein paar vergessene Staubkörner, kein regelmäßig aufgetragener Belag oder Fehler beim Schleifen – schon ist der schöne Boden gar nicht mehr so schön.

Die Kosten

Preisangaben für einen vor Ort so aufwendig hergestellten Bodenbelag können nur eine ungefähre Richtung aufzeigen. Ejup Hasanovic von Natura Bodendesign wagt eine Zahl für Betonböden: "Im Neubau geht es bei 110 Euro pro Quadratmeter los, netto natürlich."

Für Industrieböden gestalten sich die Angaben noch schwieriger, es kommt auf die Beschaffenheit des Untergrunds an und den Belagstyp. Individuelle Beratung gehe vor, erst nach Gesprächen beziehungsweise einer Baustellenbesichtigung erfolgt das Angebot.

Alternative im privaten Haushalt: Flüssigkunststoff

Einen "echten" Industrie- oder Betonboden zu verlegen, so wie er im gewerblichen Bereich üblich ist, dafür braucht es in den allermeisten Fällen einen Profi. Wer nicht ganz so hohe Ansprüche hat (und wer von uns fährt schon regelmäßig mit einem Gabelstapler über das Grundstück?), der kann seinen Boden auch selbst beschichten. Jedenfalls in den Räumen, die nicht zum Wohnen genutzt werden.

Für Garagen, Balkone, Kellerräume und Treppen gibt es Beschichtungen auf Basis von Flüssigkunststoff. Hier wird der Boden einfach nur gesäubert und angeraut, im Anschluss der Flüssigkunststoff mit einer handelsüblichen Farbrolle am Stiel (schont den Rücken) aufbringen.

Der Effekt ist vielleicht nicht ganz so spektakulär wie bei einem Beton- oder Industrieboden, reicht in der Regel aber allemal für den Hausgebrauch. Und günstiger ist es auch. Ein 2,5-Liter-Gebinde mit Flüssigkunststoff (ein Liter reicht dabei über den Daumen für rund acht Quadratmeter) kostet bei namhaften Herstellern rund 45 Euro.

Lies noch mehr…

Wir verwenden Cookies, um die Website optimal zu gestalten. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie grundsätzlich der Verwendung von Cookies zu (Websitefunktionalitäten, anonymisiertes Nutzerverhalten, usw). Sofern Sie zustimmen, teilen wir zudem Informationen anonymisiert mit Werbepartnern. Siehe Datenschutzhinweise.

OK