Flur mit einem Industrieboden in Betonlook.
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Industrieboden für zuhause: Betonboden & Kunstharzboden im Privathaushalt

Uske Berndt

Uske Berndt

Einen Betonboden oder Industrieboden findet man in gewerblichen Gebäuden, selten in privaten Haushalten. Wer sich dafür interessiert, braucht Profis für die Verlegung. Beton- und Industrieboden – woraus bestehen sie, wie werden sie verlegt und was kostet das?

Laminat oder Fliesen, das hat fast jeder. Ein Industrieboden für zuhause ist eher die Ausnahme. Vergleichsweise neu für Privathaushalte sind Betonböden oder Böden auf Basis von Kunstharz.

So ein Industrieboden hat eine Reihe von Vorteilen. Wir sagen euch, welche das sind, was ein Betonboden oder Harzboden kostet und wie er verlegt wird.

Betonboden als Industrieboden für zuhause

Beton liegt im Trend – für Küchen, Bäder und sogar Wohnzimmer. Kein Wunder, denn der Bodenbelag aus Kalkstein, Ton und Sand hält Jahrzehnte. Und er ist ein Unikat. Betonboden ist handgemacht, "ein Designerboden, den gibt es nie zweimal", sagt Ejup Hasanovic. Der Inhaber von Natura Bodendesign kennt die unterschiedlichsten Kundenwünsche: "Manche wollen Kratzer und Gebrauchsspuren, eine richtige Patina", fügt er hinzu.

Die Verarbeitung ist allerdings alles andere als einfach. Mal abgesehen von der Statik (so ein Betonboden hat einiges an Gewicht) muss der Beton zu einer trockenen Jahreszeit gegossen werden. Bis er dann komplett durchgetrocknet ist, vergeht mindestens eine Woche. Und: Beton wird nicht nur einfach so gegossen. Damit das Material nicht reißt, muss der Boden mit Stahl(matten oder -stäben) armiert werden.

So wird Betonboden verlegt

Sofa steht auf einem Betonfußboden vor kahler Wand
Betonfußböden sind schön puristisch, aber gar nicht mal so einfach im Privatbereich umzusetzen. © Getty Images/iStockphoto

Für Innenräume verwendet man gerne Betonspachtel oder Sichtbeton. Dafür streichen die Handwerker die flüssige Zementmischung mit großen Spachteln auf den Untergrund. Dank der geringen Aufbauhöhe von zwei bis zehn Millimetern eignet sich diese Technik gut für Renovierungen. Nun erhält der Belag einen schönen Schliff (Schleifmaschinen mit Diamantkörnung) oder wird poliert bis er glänzt.

Bei Privathaushalten kommt auf den Beton fast immer eine Imprägnierung sowie ein bis zwei Schichten Versiegelung. So ist der Belag gut geschützt und macht Kaffeeflecken einfach abwischbar. Schnell geht das alles nicht. "Es dauert schon ein paar Tage bis alle Arbeitsschritte fertig sind", erzählt Ejup Hasanovic von Natura Bodendesign.

Die Vorteile und Nachteile eines Betonbodens

Ein Betonboden ist ein echtes Unikat mit zahlreichen weiteren Vorteilen:

  • Der Boden ist eben und fugenfrei
  • Beton ist widerstandsfähig (auch gegen Temperaturschwankungen)
  • Zur individuellen Farbgebung lassen sich Pigmente beimischen

Allerdings gibt es auch Nachteile, die ihr beachten solltet:

  • Keine Lust mehr auf den Betonboden? Dann ist es sehr schwierig, ihn zu entfernen und zu entsorgen.
  • Beton hat eine offenporige Struktur. Um Schmutz abzuweisen muss die Oberfläche behandelt werden.
  • Beton ist nicht atmungsaktiv und nimmt daher auch keine Luftfeuchtigkeit auf.

Übrigens: "Kühl" ist so ein Betonboden nur in Sachen Optik. Die Luftporen in der Körnung des Betons sorgen für gute Eigenschaften bei der Wärmedämmung.

Blick in einer moderne Werkhalle mit Industrieboden
Hallen, Flughäfen, Schulen - überall, wo es eine besonders hohe Beanspruchung gibt, kommen Industrieböden zum Einsatz. Im privaten Bereich sind sie wegen der aufwändigen Verlegung eher selten. © Getty Images

Kunstharzboden als Industrieboden für zuhause

Alternativ zum Betonboden gibt es auch Kunstharzböden als Industrieboden für zuhause. Dabei handelt es sich um einen Belag auf Basis von Acrylharz, Epoxidharz oder Polyurethanharz (PU).

So ein Kunstharzboden liegt hauptsächlich in Fabrikhallen oder Autohäusern. Dabei eignen sich die Beläge auch für Praxen und private Wohnungen. Bei Koch Industrieböden rufen bisher eher selten Eigenheimbesitzer an: "Der Belag ist am Ende rau und nicht immer leicht zu pflegen", meint Projektleiter Stefan Witaszek. Ein Wischer komme da nicht weit, er empfiehlt ein spezielles Reinigungsgerät. Aber warum nicht, "wir haben schon Architektenbüros mit Industrieboden ausgestattet".

Acrylharzböden sind besonders gefragt, da sie schon nach wenigen Stunden voll ausgehärtet sind. Bei Epoxidharz dauert es 20 Stunden, bis der Belag begehbar ist und mehrere Tage bis zur vollen Belastbarkeit. Dafür gilt das Material als extra robust. PU-Böden wiederum sind besonders elastisch.

So wird ein Kunstharzboden verlegt

Unterschieden wird beim Industrieboden aus Harz zwischen einem Gießboden und einem Spachtelboden. Beim Gießboden wird das Harz mit Wasser verrührt und auf dem Boden ausgegossen. Nach dem Entlüften mit der Walze kommt oben drauf die Versiegelung. Beim Spachtelboden wird das Harz – wie der Name schon sagt – auf den Boden gespachtelt. Die Aufbauhöhe ist hier mit einem bis drei Millimetern niedriger als die beim Gießboden.

Die Vorteile und Nachteile eines Kunstharzbodens

Die Vorteile eines Kunstharzbodens leiten sich aus seinem Gebrauch in der Industrie ab:

  • Kunstharzböden sind extrem robust und somit absolut schlag- und kratzfest, rutschhemmend und – bei richtiger Ausführung – widerstandsfähig gegen Chemikalien.
  • Einmal verlegt ist ein Kunstharzboden frei von Ausdünstungen und damit sehr wohngesund.
  • Durch die fugenlose Ausführug lässt sich unter dem Kunstharzboden auch eine Fußbodenheizung verlegen.

Es gibt aber auch beim Industrieboden aus Kunstharz einige Nachteile:

  • Das Verlegen ist ziemlich schwierig. Ihr solltet das unbedingt einem Experten überlassen.
  • Das Material ist zwar günstiger als zum Beispiel Parkett. Mehrere Arbeitsschritte und vor allem die Kenntnisse darüber machen die Verlegearbeit aber teuer.
  • So ein Kunstharzboden lohnt sich wegen des Aufwandes eigentlich nur für größere Flächen.

Kann ich den Industrieboden für zuhause selber verlegen?

Küche mit einem Industrieboden im Betonlook.
Bei diesem Beispiel besteht der Boden aus Polyurethan. Durch die Mischung zweier Farben und die spezielle Aufbringung entsteht eine wolkige Oberflächenstruktur im Betonlook. © Arturoflooring

Einen Betonboden oder Kunstharzboden selber zu verlegen – von dieser Idee solltet ihr Abstand nehmen. Für das Verlegen eines Betonbodens wird teils Spezialwerkzeug benötigt. Manche Komponenten werden sehr exakt und zeitgenau zusammengefügt. Auch müssen Temperatur beziehungsweise Luftfeuchte vor dem Auftrag der einzelnen Schichten gemessen werden. Kurz: Einen Industrieboden zuhause aufzutragen, dass solltet ihr lieber den Profis überlassen.

In diversen Foren liest man auch immer wieder von Böden, die nicht korrekt versiegelt wurden oder so empfindlich sind, dass schon ein heruntergefallener Löffel deutliche Spuren hinterlässt.

Unser Tipp: Lasst euch, bevor ihr eine Firma beauftragt, unbedingt Referenzen zeigen. Wie lange ist das Unternehmen auf dem Markt? Wo hat es schon gearbeitet? Wo könnt ihr euch diese Arbeit gegebenenfalls ansehen? Seriöse Firmen haben kein Problem damit, euch Kontakte zu anderen zu vermitteln, die bereits einen Industrieboden haben.

Was kostet ein Industrieboden für zuhause?

Wie beschrieben ist das Verlegen eines Industriebodens für zuhause Profiarbeit – und kostet entsprechend. Preisangaben für einen vor Ort so aufwendig hergestellten Bodenbelag können aber nur eine ungefähre Richtung aufzeigen. Ejup Hasanovic von Natura Bodendesign wagt eine Zahl für Betonböden: "Im Neubau geht es bei 110 Euro pro Quadratmeter los, netto natürlich." Hier ist ist es vor allem das Schleifen und Polieren des Bodens, das ins Geld geht.

Für Kunstharzböden gestalten sich die Angaben noch schwieriger, es kommt auf die Beschaffenheit des Untergrunds an und den Belagstyp. Über den Daumen liegen die Preise bei mindestens 100 Euro pro Quadratmeter, eher noch bei 150 Euro pro Quadratmeter.

Alternative im privaten Haushalt: Flüssigkunststoff

Einen "echten" Industrie- oder Betonboden zu verlegen, so wie er im gewerblichen Bereich üblich ist, dafür braucht es in den allermeisten Fällen einen Profi. Wer nicht ganz so hohe Ansprüche hat (und wer von uns fährt schon regelmäßig mit einem Gabelstapler über das Grundstück?), der kann seinen Boden auch selbst beschichten. Jedenfalls in den Räumen, die nicht zum Wohnen genutzt werden.

Für Garagen, Kellerräume, Treppen und zum Balkon abdichten gibt es Beschichtungen auf Basis von Flüssigkunststoff. Hier wird der Boden einfach nur gesäubert und angeraut, im Anschluss der Flüssigkunststoff mit einer handelsüblichen Farbrolle am Stiel (schont den Rücken) aufbringen.

Der Effekt ist vielleicht nicht ganz so spektakulär wie bei einem Beton- oder Industrieboden, reicht in der Regel aber allemal für den Hausgebrauch. Und günstiger ist es auch. Ein 2,5-Liter-Gebinde mit Flüssigkunststoff (ein Liter reicht dabei über den Daumen für acht Quadratmeter) kostet bei namhaften Herstellern rund 45 Euro.

Eine weitere Alternative für Privathaushalte ist Terrazzo-Boden, der wieder im Trend liegt. Mehr dazu hier:

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