Keramische Fliesen in Terrazzooptik
© epr/Tile of Spain/Vives

Bauen | Pro/Contra-Liste

Terrazzoboden: Ein alter Bodenbelag liegt wieder im Trend

Eva Dorothée Schmid

Terrazzoboden erlebt gerade ein Comeback. Neben traditionellem Guss-Terrazzo gibt es eine neue Generation von Terrazzo-Böden, die leichter zu verarbeiten und günstiger sind. Alternativ stehen Liebhabern der Optik Terrazzo-Platten zu Verfügung. Alles über die Vorteile, Nachteile und Kosten dieses Bodenbelags.

Schon seit mehreren tausend Jahren werden im Mittelmeerraum Terrazzoböden hergestellt. Oft schmückten sie Paläste und Villen. In den 1950er-Jahren entwickelte sich Terrazzo dann zunehmend vom Luxusprodukt zum funktionalen Baustoff für die Massen. Vor allem in Küchen, Bädern und Treppenhäusern wurde er verbaut.

Doch dann wurde Terrazzo von billigeren Belägen wie Keramikfliesen, Teppich und PVC-Böden abgelöst und nur noch selten verbaut. Allerdings erlebt der Terrazzoboden in den vergangenen Jahren ein Comeback und es gibt eine neue Generation von Terrazzoböden, die leichter zu verarbeiten sind als früher.

Im Folgenden erklären wir euch die Vorteile, Nachteile und Kosten dieses optisch außergewöhnlichen Bodenbelags, mit dem ihr derzeit voll im Trend liegt.

Was ist Terrazzoboden?

Als Terrazzo bezeichnet man traditionell einen Nassestrich-Boden, dem aus optischen Gründen Naturstein-Bruchstücke beigemischt werden. Dabei kommen meist Marmor, Kalkstein oder Dolomit mit Korngrößen von fünf bis maximal 16 Milllimetern zum Einsatz. Für stärker beanspruchte Böden kommen härtere Materialien, etwa Granitsplitt oder Flusskies in Frage. Außerdem kann die Farbe des Bodens durch farbige Körnungen oder die Pigmentierung des Bindemittels beeinflusst werden.

Als Bindemittel wurde früher Kalk verwendet, heute kommt meist grauer oder weißer Portlandzement zum Einsatz. Doch eins ist gleich geblieben: Terrazzoboden besteht immer aus einem Bindemittel, Wasser und Gesteinszuschlägen. Die Masse wird auf der Bodenfläche verteilt, verdichtet und dann geschliffen. Eventuell wird sie danach noch poliert.

Durch das Abschleifen bleiben die Steinchen dauerhaft sichtbar. Sie dienen nicht in erster Linie der Festigkeit, sondern sollen vor allem die Optik prägen. Das Besondere an Terrazzoboden ist, dass er fugenlos ist.

Charakteristisch ist auch der zweischichtige Aufbau: Zunächst wird eine Unterschicht aus frischem Beton erstellt. Auf die wird dann direkt die Terrazzoschicht aufgetragen. Da beide Schichten "frisch in frisch" verarbeitet werden, bilden Trägerschicht und Oberschicht später eine zusammenhängende Einheit. Die Oberschicht ist in der Regel zwischen 15 und 35 Millimeter dick.

Terrazzo-Platten als Alternative zum fugenlosen Terrazzoboden

Neben dem traditionellen Terrazzo, auch "Ortsterrazzo" oder "Guss-Terrazzo" genannt, gibt es auch kostengünstigere Terrazzo-Platten. Dabei handelt es sich um Betonwerksteine mit Terrazzo-Sichtoberfläche, die im Werk vorgefertigt werden. Diese Platten lassen sich einfach in einem Mörtelbett verlegen und haben ebenfalls eine Optik mit Gesteinskörnungen.

Allerdings hat diese Art von Terrazzoboden Fugen, die etwas schwerer zu reinigen sind als die glatte Oberfläche von Guss-Terrazzo. Auch die Optik ist eine andere, so dass die Platten eher wie ein herkömmlicher Plattenbelag wirken. Terrazzo-Platten sind auch weniger lange haltbar als Guss-Terrazzo, aber diese Art des Terrazzobodens ist die heute verbreitetere.

Traditionell hergestellte Terrazzo-Platten bestehen aus einer Mischung aus eingefärbtem Zement und farbigen Zuschlägen, ohne Kunstharze oder sonstige Kunststoffe. Die Mischung wird gepresst und erhält ihre typische Oberflächenoptik durch anschließendes Schleifen.

Alternativ dazu gibt es beispielsweise von spanischen Fliesenherstellern wie Vives, Roca oder Azteca auch Terrazzo-Fliesen, bei denen die Terrazzo-Optik auf Keramische Fliesen aufgedruckt ist. Hier hat man dann lediglich die Terrazzo-Optik, nicht aber die anderen Eigenschaften eines Terrazzobodens. Hier mehr zu den Vorteilen und Nachteilen von Fliesen als Bodenbelag.

Terrazzoböden der neuen Generation

Terrazzoboden feiert gerade ein Comeback, was auch daran liegt, dass es heute Terrazzoprodukte gibt, die wesentlich flexibler und verarbeitungsfreundlicher sind als traditioneller Terrazzo. Es kommen neue Bindemittel zum Einsatz, die schneller abbinden – zum Beispiel Epoxidharz oder Bitumen (Gussasphalt). Außerdem lassen sich Terrazzo-Oberschichten nun auch direkt auf Dämmung oder Fußbodenheizung verlegen. Eine Betonunterschicht ist dann nicht mehr notwendig.

Ein Beispiel für einen solchen Terrazzoboden der neuen Generation ist Pandomo Terrazzo von Ardex. Im Vergleich zum klassischen Terrazzo soll sich der Bodenbelag laut Ardex durch Schnelligkeit, Spannungsarmut und hohe Wirtschaftlichkeit auszeichnen. Es würden insgesamt lediglich fünf Tage für eine fertige Terrazzo-Fläche benötigt, was eine Zeitersparnis von bis zu sechs Wochen im Vergleich zu herkömmlichen Aufbauten bedeutet. In punkto Belastbarkeit und Abriebfestigkeit stünde er dem konventionellen Terrazzo in nichts nach.

Ein weiteres Beispiel ist BituTerrazzo, ein Gussasphalt-Terrazzo. Er ist aber längst nicht so tragfähig und langlebig wie der traditionelle Terrazzo.

Mit kunstoffmodizierten Bodensystemen liegen noch keine Langzeiterfahrungen vor. Hersteller traditioneller Terrazzoböden kritisieren, dass die Produkte dem Alltag nicht auf Dauer Stand halten.

Terrazzoboden von Adrex
Dieser Terrazzoboden wurde mit Ardex Pandomo TerrazzoBasic gefertigt. © Ardex GmbH/Jens Schicke

Vorteile von Terrazzoboden

Traditionell hergestellte Terrazzoböden sind in erster Linie Designböden. Bauherren entscheiden sich nicht zuletzt wegen der Optik für Terrazzo. Darüber hinaus hat Terrazzo aber auch praktische Vorteile.

  1. Traditioneller Terrazzoboden ist sehr langlebig. Im Prinzip ist er unkaputtbar. Wenn die Oberfläche Alterungsspuren oder Schäden zeigt, dann kann man ihn neu abschleifen und polieren. Damit ist die Haltbarkeit wesentlich länger als bei herkömmlichen Steinbelägen.
  2. Terrazzo besitzt eine hohe Tragfähigkeit und Abriebfestigkeit. Deshalb eignet er sich für besonders beanspruchte Flächen, vor allem wenn man harte Gesteinskörnungen einsetzt.
  3. Guss-Terrazzo besteht aus natürlichen Komponenten, die anders als Kunststoffe, keine Giftstoffe ausdünsten. Es handelt sich (in der traditionellen Variante) um einen 100 Prozent ökologischen Bodenbelag.
  4. Terrazzoboden ist pflegeleicht. Er lässt sich leicht mit Schmierseife reinigen.
  5. Ein echter Terrazzo ist UV-beständig.
  6. Es handelt sich um einen fugenlosen Bodenbelag: Das ist zum einen aus optischen Gründen vorteilhaft, zum anderen erleichtert es die Reinigung.

Nachteile von Terrazzoboden

Der traditionelle Terrazzoboden wurde ab den 1970er-Jahren von anderen Bodenbelägen verdrängt, weil er auch einige Nachteile hat.

  1. Der größte Nachteil von Guss-Terrazzo ist die zeitaufwändige Verarbeitung, die diesen Bodenbelag sehr teuer macht. Diesen Nachteil haben Terrazzo-Platten nicht, diese habe allerdings durch die Fugen ein etwas anderes optisches Erscheinungsbild. Auch Terrazzoböden der neuesten Generation sind schneller hergestellt und günstiger.
  2. Bei zementgebundenen Böden wie traditionellem Terrazzo ist es immer möglich, dass Risse auftreten. Bei einem klassischen Walzterrazzo können diese Risse allerdings so verschlossen werden, dass man sie kaum mehr erkennt.

Kosten eines Terrazzobodens

Echter Terrazzo gehört sicherlich zu den kostspieligeren Bodenbelägen. Die Preise beginnen bei 150 Euro pro Quadratmeter. Der im Vergleich zu anderen Bodenbelägen hohe Preis liegt vor allem in der aufwändigen Herstellung und "Verlegetechnik" vor Ort, die spezielles Gerät, viel Erfahrung und einige Tage (bei zementgebundenem Terrazzo) bis hin zu Monaten (kalkgebundener Terrazzo) Arbeit erfordert.

Außerdem hängen die Kosten von den verwendeten Zuschlägen ab. Diese können sich je nach Material sehr unterscheiden, so ist beispielsweise Marmor deutlich teurer als Flusskiesel. Für das Geld bekommt man allerdings auch einen praktisch unverwüstlichen, jahrzehntelang haltbaren Bodenbelag.

Die Kosten für Gussasphalt-Terrrazo liegen zwischen 85 und 160 Euro pro Quadratmeter. Terrazzo-Platten sind nochmal deutlich günstiger. Sie kosten pro Quadratmeter zwischen 25 und 30 Euro, das Verlegen schlägt mit etwa 50 bis 60 Euro zu Buche.

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