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Bauen | Ratgeber

Bauzeitzinsen: So haltet ihr die Zinsen niedrig

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Bauzeitzinsen sind Zinsen, die für eine Baufinanzierung von der Auszahlung bis zum Einzug anfallen, also während der gesamten Bauphase. Wie Banken die Bauzeitzinsen berechnen und was ihr tun könnt, um sie möglichst gering zu halten.

Ein Neubau kostet oft weit mehr als unbedarfte Bauherren annehmen. Es fallen jede Menge Baunebenkosten an, die den Gesamtpreis in die Höhe treiben. Dazu zählen auch die Bauzeitzinsen. Die fordert die Bank während der kompletten Bauphase. Wer weiß wie, kann die Zinsen minimieren.

Was sind Bauzeitzinsen?

Bauzeitzinsen sind alle Zinsen, die während der Bauphase eines Neubaus anfallen. Das heißt von der Auszahlung erster Beträge bis zum Einzug ins Eigenheim. Die Bauzeitzinsen setzen sich aus zwei Zinsarten zusammen:

  • Sollzinsen: Sie müssen für bereits abgerufene Darlehensbeträge gezahlt werden. Die Berechnung erfolgt anteilig auf die in Anspruch genommene Kreditsumme.
  • Bereitstellungszinsen: Sie betreffen die noch nicht ausgezahlte Darlehenssumme und sinken, sobald Teile des Kredits in Anspruch genommen wurden.

Ihr könnt die Bauzeitzinsen bis zum Einzug in monatlichen Raten zahlen. Das kann allerdings eine Doppelbelastung bedeuten, wenn ihr beispielsweise bis zur Fertigstellung eures Eigenheims weiterhin Miete zahlen müsst. Alternativ werden die Zinsen über die Dauer der Baufinanzierung angesammelt und auf die Gesamtsumme addiert.

Verzögert sich der Bau eures Eigenheims oder fallen unerwartete Mehrkosten an, erhöhen sich die Bauzeitzinsen automatisch. In diesem Fall kann eine Nachfinanzierung notwendig werden.

Hinweis: Bauzeitzinsen betreffen ausschließlich Neubauten und gelten nicht beim Kauf eines gebrauchten Objekts, das ihr saniert.

Lest auch: "Baufinanzierung absichern: Sinnvoll oder überflüssig?"

Bauzeitzinsen berechnen: Ein Beispiel

Grundlage für die Berechnung der Bauzeitzinsen ist neben der Kreditsumme der vereinbarte Zinssatz auf euer Darlehen. Auch die Bauzeit wird mit einbezogen. Daraus ergibt sich folgende Formel, an der sich die meisten Banken orientieren:

Bauzeitzinsen = (Kreditsumme / 2 x Sollzinssatz / 100) x Bauzeit in Monaten / 12

Ein Beispiel: Wir gehen von einer Darlehenssumme von 200.000 Euro, einem Zinssatz von 1,4 Prozent und einer Bauzeit von zehn Monaten aus. Die Formel lautet dann wie folgt:

(200.000 Euro / 2 x 1,4 / 100) x 10 / 12 = 1.166,70 Euro

Es ergeben sich rund 1.170 Euro Bauzeitzinsen, die der Bauherr der Bank zusätzlich zum Darlehen schuldet. Bei einer Ratenzahlung fielen 116,70 Euro pro Monat über den Zeitraum der zehnmonatigen Bauphase an.

Tipp: Lest hier, wie ihr das Eigenkapital für Hauskauf oder Wohnungskauf berechnen könnt.

Bauzeitzinsen bei den Baunebenkosten einkalkulieren

Die Bauzeitzinsen zählen zu den Baunebenkosten, die während der Bauphase anfallen. Des Weiteren gibt es Kaufnebenkosten, Nebenkosten, die während der Bauvorbereitung entstehen und Gebühren, die nach der Fertigstellung anfallen. Auch wenn es sich bei den Bauzeitzinsen im Vergleich zu anderen Kostenstellen um eine kleine Summe handelt, sollten Kreditnehmer sie bei ihrer Kalkulation nicht vernachlässigen. Wer bei der Budgetplanung nicht sorgfältig ist, läuft Gefahr, sich finanziell zu übernehmen.

Wie kann man die Bauzeitzinsen gering halten?

Wer neu baut und dafür einen Kredit aufnimmt, kann die Bauzeitzinsen nicht umgehen. Wohl aber könnt ihr sie möglichst niedrig halten. Zum Beispiel, indem ihr eine zinsgünstige Baufinanzierung abschließt. Kreditfinder können euch bei der Suche nach einem passenden Darlehen unterstützen. Mehr zum Thema erfahrt ihr in diesem Ratgeber: "Wie kann ich mir günstige Bauzinsen sichern?"

Eine weitere Möglichkeit: Ihr vereinbart mit der Bank eine bereitstellungsfreie Zeit beziehungsweise bereitstellungszinsfreie Zeit. Diese kann in der Regel bis zu zwölf Monate betragen. In diesem Zeitraum fallen keine Bereitstellungszinsen an, obwohl der Kredit noch nicht vollständig abgerufen ist. So reduzieren sich automatisch auch die Zinsen für die Bauzeit.

Darüber ist es ratsam, die Bauzeit einzuhalten. Verzögerungen beim Hausbau können euch in vielerlei Hinsicht teuer zu stehen kommen und auch die Zinsen in die Höhe treiben. Eine Nachfinanzierung ist dann unumgänglich.

Kann man Bauzeitzinsen von der Steuer absetzen?

Zinsen, die während der Bauphase auf ein Darlehen anfallen, lassen sich unter bestimmten Bedingungen von der Steuer absetzen. Voraussetzung ist, dass der Neubau nach der Fertigstellung als Renditeobjekt und nicht für den Eigenbedarf genutzt wird. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ihr die Immobilie vermieten werdet.

Einnahmen aus der Vermietung fallen unter die sieben Einkunftsarten im Steuerrecht. Dabei handelt es sich um Werbungskosten. Lehnt das Finanzamt dies ab, könnt ihr die Bauzeitzinsen als Herstellungskosten abschreiben.

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