Paar beim Finanzierungsgespräch
© Getty Images/iStockphotos/Kristian Sekulic

Kaufen | Ratgeber

Baufinanzierung absichern: Sinnvoll oder überflüssig?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Wer ein Darlehen für eine Baufinanzierung aufnimmt, für den könnte sich eine private Kreditabsicherung lohnen. Eine Übersicht, welche Möglichkeiten es für Darlehensnehmer gibt, um sich gegen eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzusichern.

Todesfall, Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit: Das Leben kann ungeahnte Wendungen nehmen. Hat man dann noch ein Darlehen abzubezahlen, ist die Belastung umso größer. Für genau solche Fälle gibt es spezielle Kreditabsicherungen. Wir erklären, wie genau man seine Baufinanzierung absichern kann, was Zusatzversicherungen kosten und für wen sie sich lohnen können.

Baufinanzierung absichern: Was bedeutet das?

Mit der Absicherung der Baufinanzierung verringert man das Risiko eines Zahlungsausfalls. Sie greift immer dann, wenn der Schuldner Zahlungsschwierigkeiten hat und seine Raten nicht mehr tilgen kann. Die Bank erhält also die Sicherheit, keinen wirtschaftlichen Schaden davon zu tragen. Ihr als Kreditnehmer und eure Familie könnt euch wiederum für Ernstfälle wie einen Todesfall oder eine plötzliche Arbeitslosigkeit wappnen.

Möglichkeiten der Kreditabsicherung gibt es viele: Man kann beispielsweise spezielle Versicherungen abschließen, einen zweiten Kreditnehmer oder einen Bürgen einsetzen.

Wer sollte seinen Hauskredit absichern?

Eine Kreditabsicherung ergibt in vielen Fällen Sinn: Grundsätzlich empfiehlt es sich für Kreditnehmer, ihr Darlehen ab einer Summe von 25.000 Euro und langen Laufzeiten ab zehn Jahren abzusichern. Auch bei einem negativen Schufa-Eintrag und einem niedrigen Einkommen oder wenn weitere Kredite laufen, verlangen Banken meist eine Sicherheit. Lest auch: "Hauskredit trotz Schufa-Eintrag – geht das?"

Zudem gibt es Umstände, die selbst liquide Kreditnehmer in Zahlungsschwierigkeiten bringen können. Dazu zählen beispielsweise eine plötzliche Arbeitslosigkeit, eine Berufsunfähigkeit oder ein Todesfall.

Besonders, wenn man seine Familie vor der Verschuldung schützen möchte, ist eine Kreditabsicherung sinnvoll. Denn stirbt der Kreditnehmer im Extremfall, bedeutet ein laufendes Darlehen ohne Absicherung eine hohe Belastung für die Hinterbliebenen. Sie erben schließlich nicht nur das Vermögen, sondern auch sämtliche Schulden, sofern sie das Erbe annehmen.

Mehr zum Thema: "Deutsche machen immer mehr Immobilienschulden"

Immobilienkredit absichern: Arten und Kosten

Ihr habe viele Möglichkeiten, wenn ihre eure Baufinanzierung absichern wollt. Wir stellen die gängigsten Varianten und einige Nischenprodukte vor.

1. Baufinanzierung mit einer Lebensversicherung absichern

Eine der verbreitetsten Formen der Kreditabsicherung ist die Risikolebensversicherung, die zugleich ein Hinterbliebenenschutz ist. Ein großer Vorteil dieser Art der Absicherung: Man kann die Lebensversicherung unabhängig vom Kredit abschließen. Im Todesfall erhalten die Erben eine zuvor festgelegte Summe, um damit beispielsweise die Beisetzung oder mögliche Schulden zu bezahlen.

Idealerweise schließen in einer Partnerschaft beide Lebenspartner eine Risikolebensversicherung ab. Dann seid ihr rundum abgesichert und es fällt im Todesfall keine Erbschaftssteuer auf die ausgezahlte Summe an. Das gilt auch für nicht verheiratete Paare. Mehr zum Thema: "Erbschaftssteuer auf Immobilien: Freibetrag nutzen, Steuern berechnen"

Die Kosten für eine Risikolebensversicherung variieren und sind unter anderem abhängig von der Laufzeit, dem Alter und Beruf sowie von den Hobbys des Versicherungsnehmers. Im Schnitt werden Preise zwischen 100 und 300 Euro pro Jahr aufgerufen. Eine Lebensversicherung kann aber auch 1.000 Euro im Jahr kosten.

Älteres Paar schaut auf ein Tablet, jüngerer Mann deutet auf ein Detail.
Eine Lebensversicherung abzuschließen lohnt sich in den meisten Fällen – als Kreditabsicherung und als Hinterbliebenenschutz. © Getty Images/iStockphoto/Inside Creative House

2. Restschuldversicherung als Kreditabsicherung

Eine weitere Form der Absicherung ist die Restschuldversicherung. Sie ist an einen bestimmten Kredit gebunden und zahlt die verbleibenden Schulden an die Bank, wenn der Kreditnehmer dies nicht mehr leisten kann. Das kann der Fall sein, wenn eine unverschuldete Arbeitslosigkeit eintritt, eine Scheidung ins Haus steht oder wenn der Schuldner stirbt.

Ein häufiger Kritikpunkt an der Restschuldversicherung: Sie ist kein standardisiertes Produkt. Heißt, jeder Anbieter kann seine eigenen Versicherungsbedingungen aufstellen. Das macht die Wahl für Versicherungsnehmer umso schwerer. Zumal viele Vermittlungsinstitute mit missverständlichen Phrasen dafür werben, um eine möglichst hohe Provision rauszuschlagen.

Außerdem ist eine Restschuldversicherung im Vergleich zu anderen Arten der Absicherung deutlich kostspieliger. Im Schnitt werden zehn Prozent der Kreditsumme verlangt, die man zusätzlich zu den Kreditraten abbezahlt.

Welche Versicherungen braucht man als Immobilieneigentümer wirklich? Alles Wissenswerte erfahrt ihr in diesem Ratgeber: "Versicherungen für Hauseigentümer: Welche Policen sinnvoll sind"

3. Baufinanzierung absichern mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Keine typische Kreditabsicherung, aber dennoch eine sinnvolle Möglichkeit, die Baufinanzierung abzusichern, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie springt dann ein, wenn der Schuldner erkrankt und deshalb nicht mehr in der Lage ist, seinem Beruf nachzugehen. Die Versicherung zahlt in der Regel monatlich 60 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens.

Die Kosten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung schwanken stark. Die Spanne reicht von rund 200 Euro pro Jahr bis weit über 1.000 Euro jährlich. Abhängig ist der Preis unter anderem vom Alter des Versicherungsnehmers, dem gesundheitlichen Zustand und dem Lebensstil. Doch das Investment sollte man in Betracht ziehen, da sind sich Experten einig. Eine Absicherung gegen eine Berufsunfähigkeit kann auch unabhängig von einem Kredit sinnvoll und wichtig sein.

4. Zusätzlicher Kreditnehmer als Kreditabsicherung

Nach dem Motto "doppelt hält besser" kann man seine Baufinanzierung absichern, indem zwei Kreditnehmer den Vertrag mit der Bank schließen. Kommt Partner A in Zahlungsschwierigkeiten, kann Partner B das Darlehen weiter tilgen. Voraussetzung dafür ist, dass beide Schuldner eine gute Bonität und ein geregeltes Einkommen vorweisen können. Lest hier mehr zum Thema: "Bonitätsprüfung: Wie Banken vor der Baufinanzierung eure Bonität prüfen"

5. Immobilienkredit durch eine Bürgschaft absichern

Eine weitere, von Banken in der Regel aber eher selten akzeptierte Absicherung sind Bürgschaften. Dabei dient die Bonität Dritter als Kreditabsicherung. Kommt der Darlehensnehmer in eine finanzielle Schieflage, springt der Bürge ein.

Dafür wird ein sogenannter Bürgschaftsvertrag zwischen Gläubiger, Schuldner und Bürge geschlossen. Anders als bei der Variante, einen zweiten Kreditnehmer ins Boot zu holen, kann der Bürge die Laufzeit seiner Haftung beschränken. Das macht diese Art der Kreditabsicherung für Banken meist unattraktiv.

Baufinanzierung absichern: Vorteile und Nachteile

Ein Baukredit an sich ist schon eine hohe Belastung. Lohnt sich das zusätzliche Investment in eine Kreditabsicherung? Dies sind die Vor- und Nachteile:

Vorteile einer Kreditabsicherung

  • Eine Kreditabsicherung gibt Sicherheit, da der Kredit auch im Ernstfall weiter abbezahlt werden kann.
  • Kreditnehmer können ihre Erben oder Angehörigen im Extremfall vor einer Verschuldung schützen.
  • Kreditabsicherungen wie eine Risikolebensversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung können auch unabhängig vom Kredit eine sinnvolle private Absicherung sein.

Nachteile von Kreditabsicherungen

  • Kreditabsicherungen sind häufig mit zum Teil hohen Zusatzkosten verbunden.
  • Einige Versicherungsprodukte wie die Restschuldversicherung sind nicht standardisiert und werden von Verbraucherschützern als kritisch eingestuft.

Fazit: Lohnt es sich, eine Baufinanzierung abzusichern?

Niemand kann Krankheiten, Unfälle, Beziehungskrisen oder andere Lebenswenden ausschließen. Ein laufender Kredit kann die ohnehin schon belastende Situation erschweren. Wer ein hohes Sicherheitsbedürfnis hat, für sich selbst und seine Angehörigen, fährt gut mit einer zusätzlichen Absicherung.

Unter bestimmten Umständen fordern Banken eine Kreditabsicherung sogar ein. Etwa um eine schlechte Bonität oder ein unregelmäßiges Einkommen auszugleichen oder bei langen Laufzeiten und hohen Kreditsummen. Bei Kleinkrediten wiederum kann meist ein zweiter Darlehensnehmer ausreichen, wenn ihr die Baufinanzierung absichern wollt.

Für welche Möglichkeit und welchen Umfang ihr euch entscheidet, hängt ganz von eurem individuellen Fall und von euren Lebensumständen ab.

Das wird dich auch interessieren

Immer informiert

Für unseren kostenlosen Newsletter anmelden