Glasfaltwand von Solarlux
© Solarlux

Modernisieren | Ratgeber

Barrierefrei Umbauen: So werden Türen und Fenster barrierefrei

Dirc Kalweit

Ihr wollt Fenster und Türen tauschen, um möglichst barrierefrei zu wohnen? Wir zeigen euch, welche Vorgaben ihr bei einem solchen Umbau einhalten müsst, was euch einzelne Maßnahmen ungefähr kosten und woher ihr Fördermittel bekommt.

Barrierefrei Wohnen ist keine Frage des Alters. Gut zugängliche und erkennbare Türen und Fenster erleichtern uns allen den Wohn-Alltag. Was ihr beim Kauf oder Umbau in Sachen Barrierefreiheit bei Türen und Fenstern beachten solltet, was einzelne Maßnahmen kosten und wo ihr Fördermittel erhaltet, das erfahrt ihr in diesem Artikel.

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Barrierefreiheit, das hört sich irgendwie nach Alter an, nach weit in der Zukunft. Stimmt – aber nicht nur. Auch kleine Kinder freuen sich über schwellenlose Übergänge. Wer mal mit gebrochenem Bein mit Krücken durch die Wohnung gehumpelt ist, hat sich sicher auch über die schmalen Durchgänge geärgert.

Und neben der Mobilität geht es bei der Barrierefreiheit auch um die Sichtbarkeit, also ums reine Sehen. Wer auch im Alter noch gut zu Fuß ist, dem fehlt es vielleicht an Sehkraft. Auch das kann eine Barriere sein.

Barrierefrei zu bauen oder zu modernisieren ist eine Zukunfts-Investition, die sich in punkto Komfort sofort rentiert. Wir haben uns mal den Teilbereich Fenster und Türen herausgegriffen und listen hier die barrierefreien Möglichkeiten, Kosten und Förderungen auf.

Welche Vorschriften gelten für barrierefreie Türen?

Die Anforderungen an eine durchgängig barrierefreie Wohnung listet die DIN 18040, Teil 2, genau auf. Dabei gelten für Türen die folgenden Vorschriften:

  • Lichte Breite von mindestens 90 Zentimetern.
  • Lichte Höhe von mindestens 205 Zentimetern.
  • Die Türleibung darf nur eine Tiefe von maximal 26 Zentimetern haben.
  • Vor Drehflügeltüren und Türen mit gegenüberliegender Wand muss es Bewegungsflächen von 150 x 150 Zentimetern geben.
  • Für Drücker und Griffe gilt:
    • eine Höhe von 85 Zentimetern (in Ausnahmefällen 105 Zentimeter).
    • ein Mindestabstand von 50 Zentimetern zu anderen Bau-, Ausrüstungs- und Ausstattungselementen
  • Für die Beschilderung gilt ein Höhe zwischen 120 und 140 Zentimetern.
  • Für Rollstuhlfahrer muss der Spion in einer Höhe von genau 120 Zentimetern liegen.
  • Innerhalb von Wohnungen ist eine Mindestbreite von 80 Zentimetern ausreichend, wenn keine spätere Rollstuhlnutzung geplant ist. Die Tür gilt bei dieser Breite dann als "barrierefrei". Soll die Tür nach der DIN auch für Rollstuhlfahrer nutzbar sein, dann ist eine Breite von 90 Zentimetern vorgeschrieben.

Für alle Höhenangaben gilt immer die Angabe "über OFF", das heißt "über Oberfläche Fertigfußboden". Untere Türanschläge und Schwellen sind nicht zulässig. Manchmal sind Schwellen aber aus technischen Gründen nicht zu vermeiden, dann dürfen sie aber nicht höher als zwei Zentimeter sein.

Noch ein Tipp für die Drückergarnituren: Egal ob innen oder außen, achtet darauf, dass die Griffe möglichst leicht und gut zu fassen sind. Es gibt das ein oder andere Designermodell, das zwar toll aussieht, in Sachen Nutzerfreundlichkeit aber zu wünschen lässt. Beachtet auch den 50-Zentimeter-Abstand zu anderen Bauteilen. Wer sich jetzt schon beim Aufschließen die Finger am Türgriff klemmt, den wird das im Alter doppelt nerven.

Sonderfall Terrassentür

Beim Übergang von der Wohnung auf den Balkon oder die Terrasse solltet ihr neben der Breite der Terrassentür auch den Übergang beachten. Für einen schwellenlosen Zugang gibt es spezielle Schienen. Um Zugluft und Wärmeverlust zu vermeiden und das Eindringen von Regenwasser, Sand und Ungeziefer zu verhindern, gibt es verschiedene Dichtungssysteme.

Magnet-Türdichtungen beispielsweise verfügen über einen Magneten an der Türunterseite und einen zweiten, der in die Bodenschiene eingelassen ist. Dieser hebt sich, wenn die Tür geschlossen wird, und dichtet sie perfekt ab. Öffnet ihr die Tür, sinkt der Magnet nach unten und gibt so den Durchgang frei.

Bobbycar steht auf einem barrierefreien Übergang vom Wohnraum zur Terrasse
Moderne Türschienen (hier von Allumat) ermöglichen einen schwellenlosen Übergang vom Wohnraum nach draußen. © Alumat

Welche Vorschriften gelten für barrierefreie Fenster?

Die genormte Griffhöhe bei Türen ist deshalb so wichtig, um das Herunterdrücken der Garnitur im Sitzen zu erleichtern. Gleiches gilt auch für Fenster. Mindestens eines davon muss pro Raum leicht zu öffnen sein. Nutzt ein Rollstuhlfahrer die Wohnung, muss der Fenstergriff in einer Greifhöhe von 85 bis 105 Zentimetern (über OFF) angebracht sein. Alternativ könnt ihr auch automatische, elektrisch betriebene Fensteröffner einsetzen (das gilt natürlich auch für Türen).

Zur Barrierefreiheit gehören aber nicht nur rein mechanische Aspekte. Auch der Blick durch das Fenster nach draußen ist eine Form von Barrierefreiheit. Damit auch Rollstuhlnutzer einen Ausblick haben, denkt bei euren Planungen eventuell über tiefer liegende Fenster mit einer Brüstungshöhe von maximal 60 Zentimetern nach. Oder entscheidet euch in Teilen gleich für die bodentiefe Variante.

Was kosten barrierefreie Türen und Fenster?

Wie bei "normalen" Türen und Fenstern kommt es natürlich auch bei den barrierefreien Varianten auf Modell, Material und Ausfertigung an. Daneben solltet ihr noch die Kosten für die Umbauten beachten. Wir haben hier mal einige unverbindliche Kostenbeispiele aufgeführt:

  • Türverbreiterungen einschließlich Türblatt und Zarge, einfache Ausführung in zwölf Zentimeter starken Wänden, mit Montage in Mauerwerk einschließlich Sturz ab circa 850 Euro, in Beton ab circa 700 Euro, in Leichtbauwänden ab circa 400 Euro
  • Einbau von Schiebetüren inklusive Türblatt/Zarge, einfache Ausführung in zwölf Zentimeter starken Wänden, mit Montage in Mauerwerk ab circa 1.000 Euro, in Beton ab circa 850 Euro, in in Leichtbauwänden ab circa 700 Euro
  • Drehflügeltür-Antrieb für Innentüren, ohne Montage, ab circa 350 Euro
  • Elektrischer Schiebetürantrieb für circa 200 Euro, komplett mit Tür (ohne Montage) ab circa 2.000 Euro
  • Automatische Fensteröffner, ohne Montage, ab circa 60 Euro

Aber wie gesagt: Das sind nur grobe Richtwerte zur Orientierung. Konkrete Preise erfragt ihr am besten bei einem Anbieter vor Ort.

Glasfaltwand von Solarlux
Halb Tür, halb Fenster: Die Glasfaltwände von Solarlux lassen sich in jeder gewünschten Weite über die gesamte Front öffnen. © Solarlux

Welche Fördermittel gibt es für barrierefreie Türen und Fenster?

Ihr wollt euer Haus oder eure Wohnung modernisieren und dabei gleich barrierefrei umbauen? Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhaltet ihr unter Umständen Fördermittel für euer Vorhaben. Die KfW stellt dabei das Geld entweder in Form eines direkten Zuschusses oder eines günstigen Darlehens zur Verfügung:

Investitionszuschuss 455-B "Altersgerecht Umbauen"

Wenn ihr Barrieren in eurem Wohnraum reduzieren wollt, dann bekommt ihr dafür von der KfW einen Zuschuss von bis zu 6.250 Euro – und das völlig unabhängig von eurem Alter. Den Zuschuss könnt ihr auch für den Kauf von umgebautem Wohnraum nutzen. Die kompletten Förderbedingungen der KfW findet ihr hier.

Der Investitionszuschuss ist eines der beliebtesten und daher am meisten abgefragten Programme der KfW. Die Mittel dafür sind gedeckelt. Ist der Fördertopf innerhalb eines Jahres leer, müssen erst im Folgejahr wieder neue Mittel freigegeben werden. Wenn der Zuschuss für euch infrage kommt, solltet ihr euch mit dem Antrag beeilen.

Kredit 159 "Altersgerecht Umbauen"

Alternativ zu den Zuschüssen könnt ihr bei der KfW auch einen Kredit für die Umbaumaßnahmen zur Barrierereduzierung beantragen. Die Kreditsumme beträgt bis zu 50.000 Euro, der effektive Zinssatz 0,78 Prozent (Stand: Februar 2020). Aber: Die eigentliche Finanzierung erfolgt über Partnerbanken, und für die wird eine Finanzierung nur ab bestimmten Mindestsummen interessant. Wenn ihr also Türen und Fenster erneuern wollt und dafür 20.000 Euro veranschlagt, dann kann es euch passieren, dass ihr keinen Finanzierungspartner findet. Die Partnerbanken der KfW sind nämlich nicht dazu gezwungen, den Kredit zu vermitteln ...

Wenn ihr euch für die Kreditvariante entscheidet, dann prüft also, ob sich mit einer höheren Summe nicht gleich noch weitere Umbaumaßnahmen realisieren lassen. Und schaut euch auf jeden Fall auch auf dem freien Kreditmarkt um.

Wichtig: Egal ob Zuschuss oder Kredit, den Antrag für beides müsst ihr bei der KfW vor Beginn der Umbauarbeiten stellen.

Zuschuss der Pflegekasse

Auch bei der Pflegekasse könnt ihr unter Umständen im Rahmen der Pflegeleistungen einen Zuschuss für eine so genannte "Wohnraumanpassung für Pflegebedürftige" erhalten. Zu dieser Wohnraumanpassung zählen unter anderem auch der Abbau von Stolperfallen in Wohnräumen und die Verbreiterung von Türen. Der Zuschuss für Pflegebedürftige beträgt dabei maximal 4.000 Euro. Aber: Ändert sich der Pflegebedarf und werden unter Umständen weitere Umbauten benötigt, kann die Pflegekasse eventuell neue Zuschüsse gewähren.

Zum genauen Prozedere, den Leistungen und Pflichten müsst ihr eure Pflegekasse befragen.

Lohnt sich für mich die Investition in barrierefreie Türen und Fenster?

Ob sich die Investition in barrierefreie Türen und Fenster lohnt, ist so pauschal nicht zu beantworten. Bei Altbauten müsst ihr – auch mit den Fördermitteln – doch einiges an Geld investieren. Ob sich das rechnet, ist auch eine Frage des persönlichen Anspruchs an den Wohnkomfort und der Lebenssituation.

Als Einzelmaßnahme an sich ist die Verbreiterung von Türen oder der barrierefreie Einbau von Fenstern wahrscheinlich zu kostenintensiv. Wenn ihr aber sowieso größere Umbauten vorhabt, dann bezieht das Thema "Barrierefreiheit" aber auf jeden Fall in eure Planungen mit ein. Es erhöht nicht nur den Wohnkomfort, sondern angesichts des demografischen Wandels auch den spätere Wiederverkaufswert eurer Immobilie.

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