Kevin Rechsteiner vor seinem Tiny House
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Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Kevin Rechsteiner und sein Zirkuswagen-Tiny-House

Eva Dorothée Schmid

Der 38-jährige Kevin Rechsteiner hat vor vier Jahren einen Zirkuswagen zum Tiny House umgebaut. Seit drei Jahren lebt er nun auf 18 Quadratmetern. In unserer Serie "Tiny Wohnglück" erzählt er von seinen Erfahrungen und zeigt sein Zuhause.

Was früher ein Zirkuswagen des schweizerischen Zirkus Pippistrello war, ist heute das Zuhause von Kevin Rechsteiner. Der 38-Jährige hat im März 2016 angefangen, den Wagen zu einem Tiny House umzubauen. Bis sein Häuschen ein Jahr später bezugsfertig war, lebte Kevin in einem VW Bus.

Der umgebaute Zirkuswagen steht auf einem Bauernhof in der Nähe von Zürich, auf einer kleinen Wiese mit Sicht auf einen Wald und einen Fluss. Er ist rund acht Meter lang und 2,25 Meter breit, bietet also rund 18 Quadratmeter Wohnfläche. Der Schweizer, der im Kreativ- und IT-Bereich arbeitet und Inhaber einer Multimedia-Agentur ist, hat dort seinen Hauptwohnsitz.

Ohne handwerkliche Vorkenntnisse an den Umbau gewagt

Wie andere Tiny-House-Bauer (wie beispielsweise die Studentinnen Miriam oder Maria) hat sich Kevin ohne handwerkliche Vorkenntnisse an den Umbau gewagt. Er bekam allerdings viele Ratschläge und Tipps von befreundeten Handwerkern. Er hat das meiste selbst gebaut, nur bei der Sanitärinstallation, dem Kamin oder den Fenstern holte er sich Hilfe. Viele Ideen und Tipps hatte er aus dem Internet beziehungsweise von YouTube, wobei es im Jahr 2017 noch nicht so viele Videos zu Tiny Houses gab wie heute.

Geblieben sind von dem ehemaligen Zirkuswagen eigentlich nur die Außenhülle und das Fahrwerk. Den gesamten Innenausbau hat Kevin entfernt, alles neu isoliert, neue Fenster und Türen eingebaut und den ganzen Innenausbau neu gemacht. Zudem hat er neben der Tür ein großes Fenster eingebaut, welches den Raum öffnet.

Für den Umbau hat Kevin viel lokales Holz (Eiche, Fichte) verwendet und fast das gesamte Material von Handwerksbetrieben aus seiner Umgebung bezogen. Er hat sein Tiny House in Etappen gebaut und weiß nicht mehr ganz genau, wie viel es ihn gekostet hat. Er schätzt, dass es inklusive Inneneinrichtung etwa 60.000 Franken gewesen sind, das sind umgerechnet rund 55.600 Euro.

Das Tiny House ist mit dem Traktor transportierbar

Kevin erzählt, dass sein Tiny House schon mehrmals umgestellt wurde und er es sehr einfach mit einem Traktor transportieren kann. Er ist sehr unabhängig von der bestehenden Infrastruktur am Standort. Er kann den Wagen sowohl über eine normale Haushaltssteckdose betreiben als auch über eine Solaranlage. Auch das Wasser kann er sowohl über einen Hausanschluss oder Gartenschlauch beziehen, alternativ auch über einen Wassertank.

Beheizt wird das Tiny House im Winter mit einem kleinen Ofen. Das funktioniere super, sagt Kevin. Er hat eher im Sommer während Hitzephasen ein Problem mit der Wärme. Da können es tagsüber schon mal über 25 Grad im Wagen werden.

Seine Erfahrungen gibt Kevin Rechsteiner auch in seinem Buch "Tiny House - das große Praxisbuch" (at Verlag, 29,90 Euro) weiter, das zudem viele andere Erfahrungsberichte bündelt, Infos zu Planung, Selbstbau und Fertighäusern enthält und mit zahlreichen Bildern viel Inspiration für Tiny-House-Fans bietet. Mehr dazu auf der Seite Tiny-House.ch.

In diesem Video führt Kevin Rechsteiner durch sein Tiny House:

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5 Fragen an Tiny-House-Bewohner Kevin Rechsteiner

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Ich habe in einer großen Loftwohnung gelebt, die mir irgendwann zu groß wurde. Eine kleinere Wohnung hätte mich fast gleich viel Miete gekostet und darum habe ich mir überlegt, wie stark ich reduzieren kann. Ein VW Bus wäre mir zu wenig komfortabel gewesen, aber ein Tiny House, das ich nach meinen Wünschen ausbauen konnte, war perfekt.

2. Welche (rechtlichen) Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Keine. Ich habe einfach mal gemacht und geschaut, was sich ergibt. Ich habe das ganze Projekt sehr öffentlich in meinem Blog beschrieben und darum haben auch die Behörden davon erfahren und ich wurde toleriert.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Da ich schon von dem Loft in den VW Bus stark reduzieren musste, war das räumliche Reduzieren keine große Herausforderung. Ich denke aber, dass das eine Herausforderung sein kann, wenn man zu zweit oder mit Kindern in einem Tiny House lebt.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Die Nähe zur Natur und die Möglichkeit, neue Technologien (Solar- oder Windstrom, Wasseraufbereitung und so weiter) zu testen. Auch die Erfahrung, dass es gar nicht so viel Wohnraum braucht, ist bereichernd.

Wenn man ein Tiny House selber baut, merkt man, mit wie viel Selbstverständlichkeit man durch die Welt geht. Fließendes Wasser und eine Heizung bekommen eine andere Bedeutung, wenn man das selber installiert hat und weiß, was dahintersteckt.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir noch einmal ein Tiny House bauen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Vermutlich alles! Ich hatte vor meinem Tiny House-Bau keine handwerkliche Erfahrung. Vieles im Tiny House (zum Beispiel die Holzverbindungen) sind nicht "schön" gemacht, weil mir die Erfahrung fehlte. Heute könnte ich das alles besser. Es sind aber vor allem ästhetische Sachen, die ich anders machen würde. Nach drei Jahren im Tiny House funktioniert eigentlich alles immer noch problemlos und es gab keine Pannen.

Kevin Rechsteiners Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen

Zuerst reduzieren, dann weiterschauen. Oft überlegt man sich schon viel zu viele Schritte, wie alles sein könnte. Es geht aber in erster Linie darum, einen ersten Schritt zu machen. Reduzieren kann man auch in der bestehenden Wohnung beziehungsweise im Leben. Alles andere wird sich ergeben. Da braucht es dann nur noch ein bisschen Vertrauen.

Ihr wollt noch von anderen Tiny House-Bewohnern lesen? Auf unserer großen Übersichtsseite findet ihr alle Teile unserer Serie:

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