Mann und Frau vergleichen Stromtarife am Laptop
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Wohnen | Ratgeber

Stromanbieter wechseln: Wie und wann der Stromwechsel klappt

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Den Stromanbieter wechseln und mehrere hundert Euro sparen? Dank Vergleichsportalen und Wechseldiensten klappt das inzwischen ganz einfach und erfolgreich. Vorausgesetzt, man kennt die Stolperstellen. Erfahrt hier, wie ihr beim Wechsel vorgeht und was es zu beachten gibt.

Wann habt ihr zuletzt euren Stromanbieter gewechselt? Womöglich ist das schon Jahre her. Vielleicht seid ihr sogar noch beim ortsansässigen Grundversorger unter Vertrag. Das mag bequem sein, ist aber nicht sonderlich smart – zumindest nicht, wenn ihr Geld sparen wollt. Es lohnt sich, regelmäßig einen Blick auf den freien Strommarkt zu werfen. Bis zu 400 Euro Ersparnis sind realistisch, abhängig vom aktuellen Tarif, eurem Wohnort und dem Verbrauch. Wir zeigen euch, wie und wann ihr euren Stromanbieter wechseln könnt.

Stromanbieter wechseln – so geht’s

Ihr wollt euren Stromanbieter wechseln? Das klappt in wenigen Schritten und in der Regel sogar komplett online:

1. Stromverbrauch berechnen

Bevor ein Stromanbieterwechsel stattfinden kann, müsst ihr euren Jahresverbrauch kennen. Der steht auf eurer letzten Stromrechnung. Vergrößert sich euer Haushalt oder verändert sich die Wohnsituation, könnt ihr euren voraussichtlichen Stromverbrauch auch berechnen und so besser einschätzen.

Tipp: Seid ihr mit eurem Stromverbrauch im grünen Bereich? Lest hier, welche Stromkosten pro Monat normal sind.

2. Stromanbieter finden

Informiert euch über die verschiedenen Stromanbieter und ihre Tarife. Einen guten Überblick erhaltet ihr zum Beispiel über Vergleichsportale. Wichtig dabei: Achtet auf das Kleingedruckte. Vermeidet Strompakete, Vorauskasse und Kautionszahlungen. Auch eine möglichst kurze Kündigungsfrist und Vertragslaufzeit sind sinnvoll.

Ihr wollt zu einem Ökostrom-Tarif wechseln? Nicht jeder grüne Strom trägt auch wirklich zur Energiewende bei. Die Verbraucherzentrale rät dazu, nur Anbieter zu wählen, die eines der anerkannten Ökostromsiegel "ok-Power" oder "Grüner Strom" tragen. Diese Label versprechen ein Mindestmaß an Klimanutzen. Zudem schließen sie eine Beteiligung des Stromversorgers an Atomkraftwerken und Steinkohlekraftwerken aus.

Solarstromanlage mit Windrad im Hintergrund
Entgegen dem weit verbreiteten Klischee ist Ökostrom oft sogar günstiger. © Getty Images

3. Stromanbieterwechsel beauftragen

Habt ihr euch für ein Vergleichsportal entschieden, könnt ihr den Wechsel mit wenigen Klicks erledigen. Alternativ kontaktiert ihr selbst den Stromanbieter eurer Wahl. Für einen reibungslosen Ablauf benötigt der neue Energieversorger folgende Daten:

  • Name und Anschrift
  • Bisheriger Stromanbieter und Netzbetreiber
  • Jahresverbrauch
  • Zählernummer

4. Zählerstand übermitteln

Im Rahmen des Anbieter- oder Tarifwechsels müsst ihr euren aktuellen Zählerstand ablesen. Meist fordert euch der neue Stromversorger auf, den Wert zu übermitteln. Macht am besten ein Foto vom Stromzähler. Damit seid ihr auf der sicheren Seite, etwa wenn der ehemalige Anbieter mit der Abschlussrechnung einen zu hohen Betrag fordert.

Elektriker baut Stromzähler ein
Analoge Stromzähler sollen in den nächsten zwölf Jahren komplett durch digitale ersetzt werden. © Getty Images/iStockphoto

5. Kündigung und Ummeldung

Habt ihr eurem neuen Stromanbieter eine Vollmacht erteilt, übernimmt dieser die Kündigung eures bisherigen Vertrags. Ihr müsst nichts weiter tun als abzuwarten. In der Regel erhaltet ihr innerhalb von 14 Tagen eine Kündigungsbestätigung, eine Abschlussrechnung und ein Begrüßungsschreiben eures künftigen Energieversorgers. Darin teilt dieser euch den monatlichen Abschlag mit. Die Ummeldung vom einen zum anderen Netzbetreiber läuft ganz automatisch.

Tipp: In den meisten Fällen verlängert sich ein Stromvertrag automatisch. Am besten setzt ihr euch eine Erinnerung im Kalender. Das gibt euch die Flexibilität, nach Ende der Laufzeit einen erneuten Wechsel vorzunehmen.

Wie oft kann man seinen Stromanbieter wechseln?

Wie häufig ihr euren Stromanbieter wechseln könnt, hängt von euren Vertragskonditionen ab, sprich von der Laufzeit und den Kündigungsbedingungen. Achtet am besten bereits beim Schließen eines Vertrags darauf, dass ihr nicht über mehrere Jahre an einen Anbieter gebunden seid. Versäumt außerdem nicht die Kündigungsfrist, denn meist verlängert sich ein Vertrag automatisch um mindestens ein ganzes Jahr.

Je häufiger ihr wechselt, desto größer ist euer Sparpotenzial. Pro Wechsel sind zwischen 50 und 400 Euro jährliche Ersparnis möglich. Es lohnt sich, seinen Stromverbrauch und -tarif einmal im Jahr genau unter die Lupe zu nehmen. Wechseldienste übernehmen dieses Monitoring für euch, so dass ihr euch um nichts weiter kümmern müsst.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um den Stromanbieter zu wechseln?

Besonders zum Ende des Jahres gibt es einen Run auf Vergleichsportale und die günstigsten Stromanbieter. Mit der steigenden Nachfrage kann es zu höheren Preisen kommen. Es ist deshalb sinnvoll, sich bereits Mitte des Jahres mit einem Versorgerwechsel zu beschäftigen. Plant außerdem genügend Zeit ein und wechselt nicht erst kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist. Ein Puffer von drei Wochen verschafft euch genügend Luft, um mögliche Stolperfallen zu umgehen.

Worauf muss man bei Vergleichsportalen achten?

Es gibt hunderte Stromanbieter auf dem Markt. Den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach. Vergleichsportale erleichtern die Suche nach einem geeigneten Energieversorger und Tarif.

Die beliebtesten Plattformen sind:

Der Wechsel über eines dieser Vergleichsportale ist bequem, doch nicht immer profitabel für euch. Experten von Stiftung Warentest kritisieren die Fülle an verbraucherunfreundlichen Tarifen auf den vorderen Plätzen – mit Konditionen wie Vorauskasse und langen Anschlusslaufzeiten nach dem ersten Jahr. Auch werden die Voreinstellungen vieler Portale bemängelt. Häufig müsst ihr Häkchen setzen oder entfernen, um ein objektives Ergebnis zu bekommen.

Folgende Punkte solltet ihr im Hinterkopf behalten, wenn ihr euren Stromanbieter über ein Vergleichsportal wechseln wollt:

  • Die Preisersparnis bezieht sich in der Regel immer auf den teuren Grundversorgetarif und inkludiert Wechselboni.
  • Der Sparpreis gilt häufig nur ein Jahr: Im Anschluss können versteckte Preiserhöhungen auf euch warten.
  • Viele Tarife verlängern sich nach dem ersten Jahr automatisch um eine besonders lange Vertragslaufzeit.
  • Ein Bonus ist vielfach an Bedingungen geknüpft – achtet auf das Kleingedruckte.
  • Kundenbewertungen werden im Regelfall zu Beginn der Vertragslaufzeit abgefragt und sind demnach wenig aussagekräftig.

Fazit: Vergleichsportale sind eine gute Möglichkeit, den besten und fairsten Stromtarif zu ergattern, solange ihr wachsam seid und das Kleingedruckte checkt. Ein guter Tarif verbindet eine kurze Kündigungsfrist und Vertragslaufzeit mit einer Preisgarantie.

Lohnen sich Stromanbieter-Wechseldienste?

Anders als Vergleichsportale, die euch den einmaligen Anbieterwechsel erleichtern, übernehmen Wechseldienste dies langfristig für euch. Sie behalten sämtliche Tarife im Blick und melden euch regelmäßig um. In diesem Fall wird eine Provision fällig, dafür haben Verbraucher über mehrere Jahre keine Arbeit.

Die Stiftung Warentest hat jüngst neun Wechseldienste getestet, darunter Switchup, Wechselfabrik, Wechselpilot und Energyhopper. Die Testhaushalte sparten zwischen 70 und 400 Euro pro Jahr, abhängig davon, wo sie wohnten und wie hoch ihre bisherigen Stromkosten sowie ihr Verbrauch waren.

Fazit des Tests: Ein Wechseldienst kann sich für alle lohnen, die ihre Energiekosten senken, aber nicht ständig Stromtarife vergleichen möchten. Wichtig sei, darauf zu achten, dass die Ersparnis und die Höhe der Provision korrekt und schnell verständlich dargestellt seien.

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