Frau erfasst digtial die Zählerstände des Stromverbrauchs.
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Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Smart Meter: Was können & kosten intelligente Stromzähler?

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Künftig soll der Stromverbrauch nicht nur erfasst, sondern auch genau aufgeschlüsselt werden. Möglich machen das sogenannte "Smart Meter". Die digitalen Stromzähler sind allerdings nicht unumstritten. Ein Pro und Contra.

Mithilfe von Smart Metern soll die Digitalisierung des Strommarktes vorangetrieben werden. Das stößt nicht nur auf Zustimmung. Wir klären auf, was es mit den intelligenten Stromzählern auf sich hat, wer sie einbauen muss, was das kostet und welchen Nutzen die digitalen Messstationen bringen sollen.

Was ist ein Smart Meter?

Smart Meter dürft ihr nicht verwechseln mit einem simplen digitalen Gerät zur Messung der Verbrauchswerte. Reine digitale Stromzähler werden in den kommenden Jahren nach und nach überall eingebaut und sollen bis 2032 die analogen Stromzähler ersetzen.

Ein Smart Meter ist dagegen ein digitales Messgerät mit erweiterten Funktionen. Mit ihm werden die Verbrauchsdaten von Strom, Gas, Wasser und Fernwärme erfasst. Am meisten verbreitet sind Smart Meter für Strom. Im Gegensatz zu den üblichen, analogen Messgeräten (ihr kennt vielleicht den schwarzen Drehstromzähler) und auch den neuen digitalen Geräten ermittelt ein Smart Meter aber nicht nur den Verbrauch, sondern auch die tatsächliche Nutzungsdauer – also wann ihr welche Menge verbraucht habt.

Diese Daten könnt ihr als Verbraucher selbst einsehen (entweder über das Gerät selbst, häufig aber auch über eine App). Vor allem werden die Daten aber über eine Schnittstelle, das sogenannte Gateway, an den Energie-Dienstleister übermittelt.

Wer muss einen Smart Meter einbauen?

Um die Energiewende voranzutreiben, hat die Bundesregierung für den Einbau drei unterschiedliche Varianten erarbeitet, nämlich den verpflichtenden, den optionalen und den freiwilligen Einbau:

Der Pflichteinbau gilt für:

  • Verbraucher ab einem Jahresstromverbrauch von 6.000 Kilowattstunden
  • Verbraucher, die ein verringertes Netzentgelt für eine steuerbare Verbrauchseinrichtung nach §14a EnWG (zum Beispiel eine Wärmepumpe oder eine Wallbox) vereinbart haben
  • Erzeuger (zum Beispiel Haushalte mit einer PV-Anlage) von 7 bis 100 Kilowatt installierter Leistung

Optionaler Einbau bedeutet:

Der zuständige Messstellenbetreiber (das ist in der Regel der Netzbetreiber vor Ort) hat die Möglichkeit, den Einbau bei folgenden Fällen zu beauftragen:

  • für Verbraucher mit einem Jahresstromverbrauch unter 6.000 Kilowattstunden
  • für Erzeuger zwischen ein und sieben Kilowatt installierter Leistung (Neuanlagen)

Als Stromkunde müsst ihr den "optionalen Einbau" dulden, eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es nicht.

Freiwilliger Einbau heißt:

Ihr könnt mit eurem Messstellenbetreiber den Einbau eines Smart Meter vereinbaren. Allerdings habt ihr keinen Anspruch auf den Einbau.

Für die allermeisten Haushalte sind Smart Meter (noch) nicht verpflichtend. Laut dem Portal Co2online liegt der durchschnittliche Stromverbrauch eines 4-Personen-Haushalts inklusive elektrischer Warmwasseraufbereitung bei jährlich 5.000 Kilowattstunden.

Wer mehr als 6.000 Kilowattstunden verbraucht und damit verpflichtet ist, einen intelligenten Stromzähler einzubauen, bekommt drei Monate vor dem Einbau Post vom Netzbetreiber. Darin kündigt er den Zählerwechsel an. Mindestens zwei Wochen vor dem Einbau gibt es dann einen genauen Termin.

Smart Meter von Discovergy
Nicht sexy, aber intelligent: Smart Meter von Discovergy. © Discovergy

Was kosten Einbau und Betrieb eines Smart Meters?

Die Rahmenbedingungen für die Installation von Smart Metern und damit auch die Frage der Kosten regelt das Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG). Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat die derzeit gültigen Preisobergrenzen für den Einbau und Betrieb veröffentlicht. Diese Grenzen muss der zuständige Messstellenbetreiber zwingend einhalten.

Wird ein analoger Zähler dabei nur durch eine moderne, digitale Zähler-Variante ersetzt, darf euch das mit maximal 20 Euro pro Jahr berechnet werden. Bei intelligenten Smart Metern sind die Preisobergrenzen dagegen gestaffelt. Danach gilt:

Preisobergenzen beim Pflichteinbau

  • Jahresverbrauch (in kWh)
  • max. Kosten pro Jahr
  • steuerbare Verbrauchseinrichtung (zum Beispiel Wärmepumpe)
  • 100 Euro
  • 6.000 bis 10.000
  • 100 Euro
  • 10.000 bis 20.000
  • 130 Euro
  • 20.000 bis 50.000
  • 170 Euro

Gesetzliche Preisobergenzen beim Pflichteinbau von Smart Metern.

Verbraucht ihr also mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr, müsst ihr einen Smart Meter einbauen. Das kostet euch dann jährlich 100 Euro.

Preisobergenzen beim optionalen Einbau

  • Jahresverbrauch (in kWh)
  • max. Kosten pro Jahr
  • bis 2.000
  • 23 Euro
  • 2.000 bis 3.000
  • 30 Euro
  • 3.000 bis 4.000
  • 40 Euro
  • 4.000 bis 6.000
  • 60 Euro

Gesetzliche Preisobergenzen beim optionalen Einbau von Smart Metern.

Preisobergenzen beim freiwilligen Einbau

"Bei einem freiwilligen Einbau", darauf weist das BMWi hin, "gelten die Preisobergrenzen nur, wenn der grundzuständige Messstellenbetreiber den Einbau vornimmt." Mit "grundzuständiger Messstellenbetreiber" ist wie gesagt meist der Netzbetreiber vor Ort gemeint. Anders ausgedrückt: Installiert bei einem freiwilligen Einbau ein anderes Unternehmen als der Netzbetreiber vor Ort das Gerät, dann gelten die Preisobergrenzen nicht mehr.

Die Kostenfrage ist einer der Knackpunkte beim Pro und Contra zu Smart Metern. Zum Vergleich: Laut der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzb) fallen jetzt im Durchschnitt jährlich zwölf Euro für den Messstellenbetrieb und die Messung an. Das ist deutlich weniger als bei einem Smart Meter (und auch weniger als bei einem rein digitalen Zähler) und trotzdem noch zu viel. Denn: Laut vzb sind diese Kosten aufgrund des Alters der Messanlagen längst abgeschrieben. Trotzdem wird das auf eure Stromrechnung weiterhin aufgeschlagen.

Ein anderer, wichtiger Aspekt: Nach den Erkenntnissen des vzb muss bei etwa einem Viertel aller Haushalte für die Installation des intelligenten Zählers mit Gateway auch der Zählerschrank getauscht werden. Davon sind vor allem Bauten vor 1965 betroffen. Diese Umbau kann ganz fix ins Geld gehen, diese Kosten muss dann der Hausbesitzer tragen.

Hilft mir ein Smart Meter beim Sparen von Energiekosten?

Wann habe ich wo wie viel verbraucht? Wo es jetzt nur eine Jahresabrechnung mit den Gesamtkosten gibt, können die modernen, smarten Geräte Verbräuche genau aufschlüsseln – und so Kostentreiber identifizieren.

Allerdings kommen auch die optimistischsten Studien nur auf ein Einsparpotential von maximal zehn Prozent. Bei dem oben erwähnten 4-Personen-Haushalt wären das also 500 Kilowattstunden. Nimmt man dafür einen durchschnittlichen Preis von 30 Cent pro Kilowattstunden, dann ergibt sich daraus eine Ersparnis von rund 150 Euro.

Wer aber sowieso schon sparsam mit dem Haushaltsstrom umgeht und auf Energieeffizienz achtet, der wird nur sehr, sehr schwer auf diesen Wert kommen.

Mehrere Drehstromzähler nebeneinander in einem Kellerraum
Bis 2032 sollen alle alten Stromzähler durch digitale Systeme ersetzt werden. Ein Teil davon sind Smart Meter. © Getty Images/iStockphoto

Smart Meter: Die Vorteile

Was bringen Smart Meter? Diese Vorteile werden immer wieder genannt:

  • Monatliche statt jährliche Abrechnung: Durch die Übertragung der Daten entfällt die jährliche Abrechnung. Das bewahrt so manchen vor hohen Nachzahlungen und hilft, Energiefresser schneller zu finden.
  • Energiekosten sparen: Über Smart Meter lassen sich flexible Stromtarife nutzen. Ist der Strom zum Beispiel nachts billiger, wird genau dann das E-Auto aufgeladen.
  • Zukunftssicher: Die Auslastung des Netzes und die dezentrale Steuerung der Stromversorgung sind eine der größten Herausforderungen bei der Stromversorgung. Durch Smart Meter lässt sich diese besser regeln, zukünftig können so auch private Stromerzeuger besser eingebunden werden.

Smart Meter: Die Nachteile

Die intelligenten Messsysteme haben aber auch viele Kritiker. Die sehen vor allem folgende Nachteile:

  • Datenerfassung: Der Anbieter erhält ausführliche Daten zum Nutzungsverhalten seiner Kunden. So lassen sich sehr feine Profile erstellen.
  • Kosten/Nutzen: Die Kosten für Installation und Betrieb eines Smart Meters übersteigen in den meisten Fällen die Einsparungen.
  • Flexible Tarife: Günstiger Nachtstrom, der über das smarte Messsystem bezogen wird, kommt nur für die allerwenigsten Anwendungsfälle in Frage.

Fazit: Lohnt sich der Einbau eines Smart Meters?

Ob sich der Einbau eines Smart Meters lohnt, ist (leider) gar nicht mal die Frage. Denn selbst bei der "optionalen" Variante ist ein Widerspruch gar nicht möglich. Die Netzbetreiber scheinen um diese Problematik zu wissen und sind nur sehr zögerlich dabei, den Einbau von Smart Metern voranzutreiben.

Andererseits scheint eine intelligente, vernetzte Steuerung des Stromverbrauchs (und auch der Erzeugung) wichtig, um die Ressource Strom in Zukunft möglichst effektiv einzusetzen. Ein Zukunftsszenario, das uns allerdings jetzt schon Geld kostet. So ist dann auch das Fazit des Verbaucherzentrale Bundesverband ernüchternd: "Ein direkter finanzieller Nutzen, der die zusätzlichen jährlichen Kosten aufwiegt, ist für Sie als Verbraucher nicht zu erwarten."

Wie seht ihr das? Sind Smart Meter wichtig, um die Energiewende voranzutreiben? Oder doch eher eine verdeckte Erhöhung des Strompreises? Diskutiert dazu gerne mit uns auf Facebook!

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