Schuhe im Treppenhaus auf Schuhregal
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Wohnen | Expertentipp

Schuhe im Treppenhaus stehen lassen: Darf mein Nachbar das?

Antonia Eigel

Dürfen Schuhe ins Treppenhaus oder nicht? Entweder habt ihr selbst ein Schuhregal vor der Haustür stehen oder ihr gehört zu der Fraktion, die sich täglich über das Schuhchaos vom Nachbarn aufregen. Wir sind der Frage eines Wohnglück-Nutzers auf den Grund gegangen.

Folgende Frage wurde an die Wohnglück-Redaktion herangetragen: "Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus mit acht Parteien. Da kommt es schon mal vor, das jemand kurzzeitig etwas im Hausflur abstellt. Alles auch gar kein Thema, solange er oder sie es wieder wegräumt. Einige unserer Nachbarn parken neuerdings aber auch ihre Schuhe vor der Haustür. Manche haben sogar Schuhregale aufgestellt, die viel Platz einnehmen, zumal die Schuhe oft auch vor den Regalen 'herumfliegen'. Wir wollen nicht die meckernden Nachbarn aus dem dritten Stock sein, würden aber gern wissen: Dürfen unsere Nachbarn aus rechtlicher Sicht überhaupt ihre Schuhe im Treppenhaus abstellen?"

Die Wohnglück-Experten antworten:

Die Antwort auf die Frage, ob Schuhe im Treppenhaus erlaubt sind oder nicht, lautet: Ja und Nein. In der Regel ist das Abstellen von Schuhen im Hausflur verboten. Es gibt jedoch eine Ausnahme, die Vermieter häufig dulden: Es schneit oder regnet draußen. Dann dürfen die nassen Treter vorübergehend vor der Tür auf der Fußmatte zum Trocknen abgestellt werden. Doch was ist in genanntem Fall jetzt richtig?

Gerichtsurteile zum Thema "Schuhe im Treppenhaus"

Bereits 1988 entschied das Oberlandesgericht Hamm gegen die Klage eines Wohnungseigentümers und erlaubte den Hausbewohnern, dass diese ihre Schuhe zeitweilig auf der Fußmatte zum Trocknen abstellen dürfen (15 W 168/88). In einem anderen Urteil vom Amtsgericht Köln wurde entschieden, dass eine Mieterin ihren Schuhschrank in der Nische im Hausflur stehen lassen durfte, weil die Voreigentümerin es ihr erlaubt hatte und die Benutzung des Hausflures nicht behindert wurde (222 C 426/00).

Entsteht vor der Haustür aber ein dauerhaftes Sammelsurium aus 15 bis 20 paar Schuhen, dann ist das nicht erlaubt, so Rechtsberaterin Susanne Niehues-Ungethüm vom Mieterschutzbund im Interview mit Deutschlandfunk Nova. Auch das Schuhregal ist laut ihrer Aussage im Treppenhaus oder Hausflur grundsätzlich nicht gestattet, wenn die Brandschutzverordnung missachtet wird.

Brandschutz: Treppenhaus ist Flucht- und Rettungsweg

Treppenhäuser und Hausflure gehören generell zur Mietsache. Sie stehen also allen Hausbewohnern grundsätzlich als Gemeinschaftsfläche zur Verfügung. Das heißt jedoch nicht, dass jeder dort sein Gerümpel abstellen darf, denn: Das Treppenhaus muss im Notfall als Flucht- und Rettungsweg nutzbar sein. Ist der Hausflur oder das Treppenhaus vollgestellt, kann das einen Feuerwehr- oder Noteinsatz erschweren. Ein Urteil dazu fällte das Landgericht Hamburg (333 S 11/15).

Außerdem: Dass das Treppenhaus als Flucht- und Rettungsweg freigehalten werden muss, ist für gewöhnlich auch in der Hausordnung geregelt. Versperren Schuhe, Schuhregale oder andere Gegenstände dauerhaft den Flucht- oder Rettungsweg, wird hier womöglich gegen die gültige Hausordnung verstoßen. Es gibt deutschlandweit jedoch keine festgelegte Mindestbreite für Rettungs- oder Fluchtwege. Hierfür lohnt sich ein Blick in die Bauordnungen der Länder. Meistens gilt für Wohnhäuser jedoch eine lichte Breite von:

  • 80 Zentimetern im Treppenhaus
  • 1 Meter im Hausflur

Schuhregale können außerdem zu einer noch größeren Brandlast im Flur beitragen und somit eine Gefahr darstellen.

Was gilt für Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator?

Auch Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren, die im Hausflur von Mehrfamilienhäuser geparkt werden, sind häufig Streitthema vor Gericht. Laut eines Urteils des Landesgerichts Berlin sind Mieter jedoch dazu berechtigt, Kinderwagen im Treppenhaus abzustellen, wenn Vermieter oder Hausverwaltung keine anderen Abstellmöglichkeiten zur Verfügung stellen und dem Mieter der Transport des Kinderwagens in die Wohnung nicht zumutbar ist (63 S 487/08). Als Diebstahlschutz, ketten viele ihre Kinderwagen im Hausflur an. In diesem speziellen Fall war das Anketten jedoch unzulässig, da sich so die beiden Flügel der Hauseingangstür nicht mehr öffnen ließen.

Ist der Hausbewohner Besitzer eines Rollstuhls oder Rollators und kann diesen nicht mehr aus eigenen Stücken in die Wohnung tragen, dürfen sie im Hausflur stehen bleiben, sofern sie nicht zur Unfallgefahr werden oder Fluchtwege blockieren. Der Vermieter kann dann allerdings verlangen, dass der Mieter seinen Rollator oder Rollstuhl zusammenklappt, sofern möglich.

Fazit zu Schuhen im Treppenhaus

Ob die Schuhe nun im Treppenhaus oder Hausflur stehen dürfen oder nicht, muss grundsätzlich im Einzelfall geprüft und entschieden werden, denn eine eindeutige Aussage dazu gibt es nicht. Blockieren die Schuhe oder das Schuhregal aber Flucht- und Rettungswege und sind dazu eine Stolpergefahr, solltet ihr das Thema definitiv einmal ansprechen. Im Notfall wendet euch an den Vermieter, sprecht eure Nachbarn direkt an oder wendet euch an den örtlichen Mieterschutzbund.

Unser abschließender Hinweis: Ihr habt auch eine Frage und benötigt den Rat unserer Wohnglück-Experten? Kein Problem: Schreibt uns über den Facebook-Messenger oder nutzt unser Kontaktformular und wir stehen euch nach Möglichkeit mit Rat und Tat zur Seite.

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