Maler streicht Farbrolle in Farbeimer aus
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Modernisieren | Expertentipp

Stimmt es, dass Profis spezielle Wandfarbe zum Streichen verwenden?

Antonia Eigel

Antonia Eigel

Wer schon mal selbst eine Wand gestrichen hat, weiß mit welchen Herausforderungen man sich dabei herumschlagen muss. Wenn die Profis am Werk waren, sieht das Farbergebnis an der Wand oft viel besser aus. Liegt es daran, dass sie spezielle Wandfarben benutzen?

Überlasst ihr das Wändestreichen ausgebildeten Malern oder Malerinnen, ist das Endergebnis in der Regel oft schöner, als wenn ihr selbst Pinsel und Rolle schwingt. Klar, das mag an der Ausbildung liegen. Doch auch die Wandfarben sehen irgendwie hochwertiger aus. Aber woran liegt das? Benutzen Maler spezielle Wandfarbe zum Streichen?

Besondere Wandfarben, die nur den Profis vorbehalten sind, gibt es nicht. Dennoch verwenden Fachbetriebe gerne Farben, die ihr so nicht im Baumarkt findet. Wer für Malerarbeiten im oder am Haus schon mal einen Profi beauftragt hat, dem wird aufgefallen sein, dass viele Betriebe häufiger mit Wandfarben von Farbherstellern wie Sto, Caparol oder Brillux arbeiten. Aber was macht diese Farben besser als so manche aus dem Baumarkt?

Auf die Deckkraft der Wandfarbe kommt es an

Qualitativ hochwertige Wandfarben wie solche von Caparol (Indeko), Brillux oder Sto zeichnen sich meistens durch eine besonders hohe Deckkraft aus. Zwar kosten solche Wandfarben in der Summe etwas mehr, meistens genügt dann aber schon ein Anstrich. Das spart natürlich auch Arbeitszeit.

Die DIN-Norm EN 13 300 teilt die Deckkraft von Farben in vier Klassen ein. Gemessen wird das Kontrastverhältnis in Abhängigkeit zur Ergiebigkeit:

  • Klasse 1: Die beste Deckkraft mit einem Deckvermögen von über 99,5 Prozent.
  • Klasse 2: Die Farbe deckt mit 98 bis 99,5 Prozent ab.
  • Klasse 3: Die Deckkraft der Wandfarbe liegt zwischen 95 und 98 Prozent.
  • Klasse 4: Die Deckkraft der Wandfarbe deckt weniger als 95 Prozent der Wandfarbe ab.

Je niedriger die Klasse, desto besser die Deckkraft und umso hochwertiger die Farbe. Das bedeutet in der Regel auch, dass Wandfarben mit der Klasse 1 einen höheren Pigmentanteil besitzen.

Doch auch günstigere Wandfarben aus dem Baumarkt können gut decken. Das zeigt ein Test von Stiftung Warentest, in dem 33 Wandfarben getestet wurden. Welche Farben am besten abgeschnitten haben, lest ihr in „7 Anfängerfehler beim Streichen – und wie ihr sie einfach vermeidet“.

Dennoch gibt es unter den Baumarkt-Farben ein paar Blindgänger, die weniger und vor allem preiswerte Farbpigmente enthalten und einen höheren Füllstoffanteil besitzen. Besonders bei weißen Wandfarben zeigt sich der Unterschied. So können weiße Wandfarben der Klasse 1 trotzdem schlechter decken, als man vermuten würde.

Übrigens: Wer genauer nachforscht, wird feststellen, dass die Profi-Farbhersteller auch im Baumarkt vertreten sind. Hinter Polarweiss von Schöner Wohnen steckt tatsächlich die Firma Brillux, die eine günstigere Farbe für den Heimwerker-Bereich entwickelt hat.

Ihr seid auf der Suche nach besonderen Farben für euer Zuhause? Dann findet ihr hier eine Übersicht von Farbherstellern, bei denen ihr Wandfarbe online kaufen könnt.

Nassabriebbeständigkeit bei Wandfarben

Auch die Nassabriebbeständigkeit, ebenfalls in der DIN EN 13 300 klassifiziert, kann etwas über die Qualität einer Wandfarbe aussagen. Der Wert gibt einen Hinweis darauf, ob sich eine Wandfläche gut reinigen lässt, ohne dass es zu einer Veränderung auf der Wandoberfläche kommt. Innenfarben werden in 5 Abriebklassen eingeteilt, wobei Klasse 1 der besten und Klasse 5 der geringsten Nassabriebbeständigkeit entspricht:

  • Nassabriebklasse 1: < 5 µm Abrieb bei 200 Hüben
  • Nassabriebklasse 2: ≥ 5 µm und < 20 µm Abrieb bei 200 Hüben (früher: "scheuerbeständig")
  • Nassabriebklasse 3: ≥ 20 µm und < 70 µm Abrieb bei 200 Hüben (früher: "waschbeständig")
  • Nassabriebklasse 4: < 70 µm Abrieb bei 40 Hüben
  • Nassabriebklasse 5: ≥ 70 µm Abrieb bei 40 Hüben

Qualitativ hochwertige Farben, die gut für Feuchträume wie das Badezimmer geeignet sind, besitzen häufig die Nassabriebklasse 1 und 2. Meistens handelt es sich hierbei um Latexfarben.

Weitere Qualitätsmerkmale von guten Wandfarben

Neben der Deckkraft und Nassabriebbeständigkeit gibt es weitere Qualitätsmerkmale, die eine hochwertige Wandfarbe ausmachen:

  • Einhaltung höchster Umweltstandards (zum Beispiel Blauer Engel)
  • TÜV geprüft (lösemittelfrei, weichmacherfrei, emissionsarm)
  • Erfüllt die europäische Norm EN 71/3 (das heißt, sie kann auch bei der Herstellung von Kinderspielzeugen eingesetzt werden)
  • Die Farbe enthält keine Konservierungsmittel und ist allergikerfreundlich.

Auch Naturfarben sind besonders allergikerfreundlich. Mehr dazu lest ihr in "Naturfarbe: Vorteile und Nachteile von ökologischen Wandfarben". Welche Farben sich bei einem Schimmelproblem eignen, erfahrt ihr in "Farbe gegen Schimmel: Wie gut wirkt Silikatfarbe?".

So könnt ihr die Deckkraft von Wandfarbe selbst beurteilen

Eine Wandfarbe, die gut deckt, zeichnet sich durch eine cremige Konsistenz aus. Ist sie beim Umrühren zu flüssig, kann das bedeuten, dass sie zu wenig Pigmente und/oder Füllstoffe enthält. Das bedeutet auch, dass die Farbe nach dem Anstrich schlechter deckt und ihr noch ein zweites Mal streichen müsst.

Tipp: Wenn ihr den Farbeimer öffnet, solltet ihr Wandfarben grundsätzlich immer erst einmal umrühren, bevor ihr mit dem Streichen beginnt. Denn es kann vorkommen, dass sich auf der Oberfläche ein durchsichtiger flüssiger Film aus Lösemitteln gebildet hat. Die schwereren Pigmente setzen sich am Boden ab. Durch das Umrühren verhindert ihr, dass die Farbe an der Wand später streifig oder fleckig wird. Verwendet zum Umrühren keinen runden Stab, sondern besser ein Kantholz. Das verquirlt die Farbe besser.

Ihr wollt euer Haus von außen streichen? Lest hier, welche Fassadenfarbe sich am besten für den Hausanstrich eignet. Euer Zuhause müsst dringend mal modernisiert werden? Überprüfen könnt ihr das mit dem kostenlosen Modernisierungs-Check von Wohnglück.

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