Kennt ihr auch die Horror-Nachrichten, dass eine Haussanierung über 100.000 Euro kostet? Hier bekommt ihr einen Überblick über die echten Kosten einer energetischen Sanierung.
Um die Klimaziele zu erreichen, hat die EU die Bestandsimmobilien ins Visier genommen: Es muss saniert werden - und zwar umfassend. Um die Eigentümer bei den immensen Kosten einer energetischen Sanierung zu entlasten, gibt es zahlreiche Förderprogramme.
Doch was bedeutet eigentlich „immense Kosten“ konkret? Dazu gibt es nur wenige belastbare Studien und Aussagen. Da sich die Kosten innerhalb kurzer Zeit nach den Untersuchungen in die eine oder andere Richtung verändern (können), sind die Ergebnisse der Studien nie eins zu eins übertragbar. Aber sie liefern eine gute Orientierung, auch zu den Kostenrelationen einzelner Maßnahmen.
Im Gutachten wurden dafür Modellgebäude aus den Bauepochen von 1919 bis 1948, 1958 bis 1968 und 1969 bis 1978 genommen und berechnet, wie teuer es ist, diese auf die KfW-Effizienzhausstandards 55, 70 und 85 zu bringen.
Hier die Kernaussagen der Studie:
Für Ein- und Zweifamilienhäuser, die vor 1979 erbaut wurden, müssen Eigentümer für ohnehin erforderliche Instandsetzungen und Instandhaltungen mit Kosten von 358 Euro bis 395 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen. Und zwar ganz unabhängig davon, ob sie sich für energietechnische Modernisierungen entscheiden oder nicht.
Für den energietechnischen Standard KfW55 müssen Eigentümer im flächengewichteten Mittel mit energiebedingten Mehrkosten von 471 bis 554 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen.
Beim weniger anspruchsvollen Standard KfW70 betragen die energiebedingten Mehrkosten im Mittel 396 bis 475 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.
Und beim Standard KfW85 liegen die Mehrkosten für eine energetische Sanierung bei 367 bis 444 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.
Die "ohnehin erforderlichen Kosten" und die "energiebedingten Mehrkosten" addieren sich dann jeweils. Beim Standard KfW70 betragen sie im flächengewichteten Mittel zum Beispiel 754 bis 870 Euro pro Quadratmeter.
Wer also ein 150 Quadratmeter großes Einfamilienhaus aus der Zeit vor 1979 energetisch so saniert, dass es den KfW70-Standard erreicht, muss im Schnitt mit Kosten von rund 113.000 bis 130.000 Euro rechnen.
Aussagen und Analysen
Im Mai 2023 errechnete die Deutsche Bank, dass die Kosten für die Komplettsanierung eines Wohnhauses der Energieeffizienzklasse G auf den Standard der höchsten Effizienzklasse A 110.000 Euro übersteigen.
In den Medien hört ihr jedoch auch ganz andere Horrorzahlen, zum Beispiel in der Debatte um die EU-Sanierungspflicht, wonach die schlechten Gebäude bis 2030 den Effizienzstandard E und bis 2033 den Standard D erreichen sollen. Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke bezifferte die Kosten der einzelnen Sanierungsmaßnahmen, die dafür notwendig sind, mit 1.000 bis 1.500 Euro pro Quadratmeter. "Für ein Einfamilienhaus mit 100 Quadratmetern kostet die Modernisierung also bis zu 150.000 Euro", sagt er laut handelsblatt.com.
Übersichtliche Kosten-Tabelle von Wohnglück
In unserem umfassenden Ratgeber-Artikel "Kernsanierung-Kosten" haben wir eine übersichtliche Tabelle integriert. Für diese Aufstellung aller Kosten einer (energetischen) Sanierung haben wir lange und viel recherchiert und dafür mit Expertinnen und Experten gesprochen. Wir versuchen, die Angaben möglichst aktuell zu halten.
Kostenaufstellung auf anderen Portalen
Auch andere Internetportale versuchen sich an einer Kostenaufstellung. Sie arbeiten oft, aber nicht immer mit Beispielhäusern. Vielfach sind die zugrunde gelegten Annahmen, zum Beispiel das Baujahr oder der Effizienzstandard des Hauses für Leser nicht erkennbar. Das gilt auch für den Zeitpunkt, zu dem die Kosten ermittelt wurden. Unsere Recherche im Juni 2023 hat folgendes Bild ergeben:
Eine energetische Sanierung kann richtig teuer sein und viele Immobilienbesitzer finanziell überfordern. Allerdings stellt die Bundesregierung Milliarden an Fördergeldern bereit, die euch unterstützen. Es gibt übrigens auch Sanierungsmaßnahmen, die sehr effektiv sind und nicht so viel kosten.
Alle Kostenrecherchen im Vorfeld können nur zur groben Orientierung dienen. Für euch entscheidend sind immer konkrete Angebote von Dienstleistern vor Ort.