Handweker dämmt ein Dach
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Neue Studie: Wie teuer ist eine energetische Sanierung und wann lohnt sie sich?

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Ein Gutachten zeigt die Kosten und CO2-Einsparpotentiale energetischer Sanierungen von Ein- und Zweifamilienhäusern auf. Und sagt, in welchen Fällen sie sich finanziell überhaupt lohnen.

Auf den Gebäudesektor entfallen rund 30 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen. Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, dann muss unter anderem ein Großteil der rund 16 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser bis 2045 energetisch saniert werden. Ein Gutachten des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zeigt nun, wie teuer eine solche energetische Sanierung ist und in welchen Fällenwann sie sich wirtschaftlich überhaupt lohnt.

Im Gutachten wurden dafür Modellgebäude aus den Bauepochen von 1919 bis 1948, 1958 bis 1968 und 1969 bis 1978 genommen und berechnet, wie teuer es ist, diese auf die KfW-Effizienzhausstandards 55, 70 und 85 zu bringen. Dabei gingen die Forscher nicht nur von bisher komplett energetisch unsanierten Gebäuden aus. Sie berücksichtigten auch bereits erfolgte Dämmmaßnahmen.

Laut Gutachten sind von der gesamten Außenwandfläche der Ein- und Zweifamilienhäuser bis Baujahr 1978 insgesamt 25,5 Prozent bereits nachträglich gedämmt. Bei den Dächern beziehungsweise Obergeschossdecken ist das in 53,3 Prozent der Fälle so. Bei den Kellerdecken sind 13,1 Prozent bereits gedämmt.

Die im Gutachten betrachteten Gebäudetypen repräsentieren rund 41 Prozent der Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland mit Baujahr bis 2009.

Kosten einer energetischen Sanierung

Für Ein- und Zweifamilienhäuser, die vor 1979 erbaut wurden, müssen Eigentümer für ohnehin erforderliche Instandsetzungen und Instandhaltungen mit Kosten von 358 Euro bis 395 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen. Und zwar ganz unabhängig davon, ob sie sich für energietechnische Modernisierungen entscheiden oder nicht.

Für den energietechnischen Standard KfW55 müssen Eigentümer im flächengewichteten Mittel mit energiebedingten Mehrkosten von 471 bis 554 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen.

Beim weniger anspruchsvollen Standard KfW70 betragen die energiebedingten Mehrkosten im Mittel 396 bis 475 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Und beim Standard KfW85 liegen die Mehrkosten für eine energetische Sanierung bei 367 bis 444 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Die "ohnehin erforderlichen Kosten" und die "energiebedingten Mehrkosten" addieren sich dann jeweils. Beim Standard KfW70 betragen sie im flächengewichteten Mittel zum Beispiel 754 bis 870 Euro pro Quadratmeter.

Wer also ein 150 Quadratmeter großes Einfamilienhaus aus der Zeit vor 1979 energetisch so saniert, dass es den KfW70-Standard erreicht, muss im Schnitt mit Kosten von rund 113.000 bis 130.000 Euro rechnen.

Dabei sind die Kosten aufgrund des höheren Maßnahmenumfangs für die bisher noch gar nicht modernisierten Gebäude natürlich generell höher als bei bereits teilmodernisierten Häusern.

Wann lohnt sich eine energetische Sanierung?

Das Gutachten zeigt, dass sich ohne staatliche Förderung keine der untersuchten energetischen Modernisierungen für den Eigentümer rechnet. Das liegt daran, dass die Kosten für die energetische Sanierung so hoch sind, dass sie trotz der eingesparten Energiekosten in einem Zeitraum von 25 Jahren über den Kosten nicht energetisch modernisierter Gebäude liegen.

Dank der staatlichen Förderung rechnet sich aber bei rund zwei Dritteln aller untersuchten Gebäudetypen eine hochwertige Modernisierung schon jetzt. Laut Gutachten erscheinen unter Berücksichtigung der Förderung alle Maßnahmenpakete insbesondere für Gebäude aus der Zeit vor 1948 aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll.

Die Unterschiede bei den Investitions- und Lebenszykluskosten zur Erreichung der Effizienzstandards KfW85, KfW70 und KfW55 sind relativ gering. Deshalb ist es nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht empfehlenswert, eine umfangreiche energetische Modernisierung in möglichst wenigen Schritten zu realisieren.

Nach einer Modernisierung auf den höchsten KfW55-Standard verbleiben nur noch rund acht Prozent der CO2-äquivalenten Emissionen. Bei den KfW-Standards 70 und 85 sind es rund 16 Prozent, also doppelt so viel.

Bei einem Drittel der Gebäudetypen reicht die Förderung dagegen aktuell nicht aus, um die ökologisch sinnvolle energetische Modernisierung auch für den Eigentümer wirtschaftlich zu machen. Diese Förderlücke trifft vor allem auf Gebäude aus den Baujahren 1969 bis 1978 zu.

Damit mehr Eigenheime saniert werden und die Bundesregierung ihre Klimaziele im Gebäudesektor einhalten kann, muss sie die Fördermittel im Bundeshaushalt weiter deutlich anheben, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband.

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