Außenansicht Garten Nedorn
© Christoph Theurer

Bauen | Homestory

Kleines Grundstück optimal genutzt: Großzügiger Neubau auf wenig Fläche

Claudia Duria

Level: Für Alle

Wie man ein kleines Grundstück optimal nutzt, zeigt der Neubau von Leonie und Olaf Nedorn unweit der Starnberger Sees. Das Geheimnis: Garten und Architektur wurden von Beginn an zusammen geplant.

"Wir wollten Räume, in denen gelebt werden darf, und kein minimalis­tisches Ausstellungsstück – einen Ruhepol in anstrengenden Zeiten." So skizziert Olaf Nedorn sein Familiendomizil südlich vom bayerischen Starnberg. So überrascht es nicht, dass das Gebäude zur Straße eher unspektakulär daherkommt und trotzdem seine ganz eigene Note hat.

Nur 380 Quadratmeter Grundstücksfläche

Schmal und hoch steht es da. Ihm fehlt alles Laute. Obwohl streng geometrisch, fügt sich die Architektur perfekt in die dörfliche Nachbarbebauung. Zur Straßenseite prägen schwarze Fens­terrahmen die Putzfassade, zum Garten öffnen Glaselemente den Neubau über die komplette Giebelseite.

Aussenansicht eines Hauses mit Satteldach
Die Bauordnung schrieb ein Satteldach vor. Das Haus im Dorfkern überrascht durch seine reduzierte Architektur und das Farbkonzept in Schwarz und Beige-Grau. © Christoph Theurer

Obwohl die Baulücke nur 380 Quadratmeter groß war, bewarben sich über 500 Interessenten. Kein Wunder – bis zum See sind es nur wenige Gehminuten, und die Schule ist gleich um die Ecke. Leonie und Olaf Nedorn wollten mit ihren beiden Kindern schon länger aus ihrer Dreizimmerwohnung in München-Bogenhausen ausziehen und in der Nähe der Berge etwas Eigenes kaufen.

225 Quadratmeter Wohnfläche auf 3 Ebenen

Architekt Roland Niedermeier aus Kaufbeuren überzeugte die Familie mit seinem designorientierten und gleichzeitig kostenbewussten Entwurf: Er schuf auf dem etwa 15 Meter breiten Grundstück über 225 Quadratmeter Wohnfläche, weil er das Gebäude bis an die Grenze der vorgeschriebenen Abstandsflächen platzierte und drei Ebenen konzipierte.

Die Planung des Grundrisses und die des Gartens gingen von Anfang an Hand in Hand, um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen. Niedermeier überzeugte die Bauherren, an beiden Längsseiten gro­ße Fenster einzubauen. Er wusste, dass immergrüne Pflanzen wie ­Bambus, Lebens- und mehrere Ilex-Bäume perfekten Sichtschutz bieten. Dadurch kann sich die Familie in ihrer lichtdurchfluteten Wohnküche ganz ungestört aufhalten.

Hier sitzt man wie im Wald.

Leonie Nedorn

"Hier sitzt man wie im Wald", sagt Leonie Nedorn lächelnd. "Durch die nahe Nachbarbebauung ging es immer um die Fragen: Wie schafft man Transparenz und Naturbezug und wie kaschiert man was am besten?", ergänzt Olaf Nedorn.

Klare Formen, sinnliche Materialien

Im Inneren präsentiert sich das Satteldachhaus überraschend großzügig. Im Erdgeschoss gibt es bis auf das Gäste-WC keine Innentüren. Die Einrichtung nahm Leonie selbst in die Hand. Man spürt ihr Faible für den legeren skandinavischen Einrichtungsstil sofort. Sie favorisiert klare Formen, die Materialien jedoch sollen immer Wärme und Sinnlichkeit ausstrahlen.

Die Speisekammer ist intelligent in die Küchenfront integriert. Praktisch auch die eingeschobene Wandscheibe zwischen Wohnküche und Diele, die auf zwei Seiten als Rückwand fungiert. Auf der einen Seite liegt die Spüle mit zwei Geschirrspülern, die dafür sorgen, dass bei den Nedorns nie schmutziges Geschirr rumsteht. Auf der anderen Seite im Flur fand ein großer Schrank Platz.

Eine Betontreppe führt von dort ins Obergeschoss mit den Rückzugsräumen der Familie. Das Dachgeschoss nutzt das Paar jetzt als Homeoffice. Später sollen hier mal die Kinder wohnen. Bei Föhn freuen sich alle über den herrlichen Bergblick vom Balkon aus – und die Sonne, die lässt sich hier oben am längsten genießen.

Daten & Fakten

Architekt Roland Niedermeier aus Kaufbeuren nutzte die Baugrenzen des 380 Quadratmeter großen Grundstückes perfekt aus. Zur Straße schuf er einen Parkplatz, nach Südwesten den Garten. An der Längsseite entstand eine Grünzone; sie schützt die Wohnküche hinter dem großen Fenster vor neugierigen Blicken.

  • Wohnfläche: 225 Quadratmeter
  • Bauzeit: 16 Monate, Einzug 2015
  • Bauweise: Ziegelmauerwerk massiv, Holz-/Alufenster
  • Energie-Effizienz: KfW 55
  • Heizung: Gasbrennwerttechnik mit Solarthermie, Fußbodenheizung und Heizkamin im Erdgeschoss
Grundriss eines Neubaus bei Starnberg
Der Grundriss des Hauses der Familie Nedorn. © Dietmar Lochner

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