Hausanbau mit viel Glas
© Eckard Wentorf

Modernisieren | Homestory

Hausanbau: Wie ein gläserner Anbau mehr Platz und mehr Licht schafft

Redaktion

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Ein gläserner Hausanbau verändert alles: die Anbindung zum Garten, den Platz zum Kochen und Genießen – und das Lebensgefühl. Ein Beispiel, wie ihr mit einem Hausanbau euer Wohnglück perfekt machen könnt.

Manchmal reicht der Platz im Haus einfach nicht mehr aus. Das kann an der Familiengründung liegen. Daran, dass ein Büro ins Eigenheim integriert werden soll. Oder dass man für ein besonderes Hobby mehr Platz benötigt. Es kann aber einfach eine zu kleine Küche sein, in die eine Essecke integriert werden soll. Dann ist ein Hausanbau oft die beste bauliche Lösung.

Wie so ein Hausanbau das Wohngefühl und die Möglichkeiten verändern kann, das erzählen Andreas Büttner und Frank Romanowski, die in Hannover eine "Kaffeemühle" um einen Anbau erweitert haben.

Bild von einer Kaffeemühle in Hannover plus die beiden Besitzer.
Die typische Kaffeemühle war für Andreas Büttner (l.) und Frank Romanowski das Traumhaus schlechtin. © Eckard Wentorf

Haus von 1938 erfüllt nicht alle modernen Wohnbedürfnisse

Kaffeemühle – so nennt man im Norddeutschen diesen besonderen Haustyp, der ab den 1920er-Jahren den Jugendstil ablöste und für eine neue Schlichtheit stand. Für Andreas Büttner und Frank Romanowski ist solch eine Kaffeemühle der Inbegriff an Gemütlichkeit.

Beide verbinden mit ihr Erinnerungen an die Großeltern, die beide in solchen Häusern mit quadratischer Grundfläche wohnten. "Wir haben also gezielt nach diesem Haustyp in Hannover gesucht", sagt Andreas Büttner: "Als wir ihn schließlich fanden, war es das hässlichste Gebäude der ganzen Straße. Aber kaum waren wir drin, wussten wir: Daraus kann man etwas machen!"

Peu à peu erneuerten, renovierten und verschönerten sie die wichtigsten Teile der "Kaffeemühle" und schufen hier auch mehr Platz zum Leben. Zuerst wurde das Dachgeschoss ausgebaut und das Dach neu gedeckt. Eine Treppe in die oberste Etage kam hinzu. Das Bad im Obergeschoss wurde mit einem zweiten kleinen Raum zusammengelegt, um mehr Platz zu gewinnen. Die Küche – ursprünglich nur ein schmaler Schlauch – verband man mit der Speisekammer, um den Raum zu erweitern.

Aber letztendlich blieben drei Probleme in dem 138 Quadratmeter großen Haus bestehen. Andreas Büttner: "Die Küche war einfach zu klein, um darin mit Freude zu kochen. Für Gäste gab es keinen geeigneten Platz. Und wenn wir in den Garten wollten, mussten wir immer durch den Keller gehen."

Hausanbau vom Architekten

Zehn Jahre nach dem Einzug ins Haus fiel die Entscheidung: Ein Anbau muss her! Dafür holte sich das Paar den Architekten Martin A. Müller an Bord. Der öffnete das Gebäude zur Rückseite. Martin A. Müller: "Früher waren die Wohnräume ja zur Straße hin orientiert. Dabei liegt hinter dem Haus der eigentliche Schatz: ein wunderschöner Garten."

Sein Entwurf für den Hausanbau überzeugte deshalb auf ganzer Linie. Auch wenn er den Budgetrahmen der Bauherren sprengte. Aber er schaffte nicht nur eine Raumerweiterung mit Essplatz und Loungeecke. Der Hausanbau verbindet durch eine optisch integrierte Treppe außen und innen und holt auch gleich das Grün durch die bodentiefen Fenster ins Haus.

Einziger Haken: Dem gläsernen Kubus stand ein alter Apfelbaum im Weg. Ein knorriges Teil mit Charakter. Der sollte auf gar keinen Fall gefällt werden. Architekt Martin A. Müller fand auch dafür eine Lösung. Nur ein starker Ast des Baumes musste weichen.

Und der bekam ein zweites Leben: Der Tischler, der auch die Innenausbauten wie die Sitzbank und die Holzverkleidung des Essraums fertigte, entrindete und präparierte ihn so, dass er jetzt als Tischbein dient. Er stützt die Tischplatte aus Roseneiche, die aus einem einzigen Stamm entstand. Mit einer zweiten Platte kann der Tisch erweitert werden und bietet dann Platz für zwölf Personen.

Nie hätten sich Andreas Büttner und Frank Romanowski gedacht, dass sie mal so viele Gäste an einem Tisch unterbringen könnten! Dabei wirkt das Raumwunder gar nicht wuchtig.

Kaffeemühle mit modernem Hausanbau
Dank Anbau gibt es jetzt auch einen direkten Zugang zum Garten. © Eckard Wentorf

42 Quadratmeter mehr Wohnfläche durch den Anbau

Mit einem besonderen Trick gelang es dem Architekten, den 42 Quadratmeter großen Anbau leicht und luftig wirken zu lassen: Ein Rahmen, der die Glaswände von außen einfasst, lässt ihn geradezu über dem Boden schweben. Der Rahmen ist mit der witterungsbeständigen Fassadenplatte Trespa Meteon verkleidet. Das ist eine Hochdruck-Schichtpressstoffplatte für den Außenbereich, die aus Faser-Schichten auf Holzbasis besteht. Sie ist mit thermohärtenden Harzen imprägniert und in diesem Fall in einem Schieferton oberflächenbeschichtet.

Der Effekt des Schwebens entsteht auch dadurch, dass das darunter liegende Mauerwerk des Hauses nicht – wie sonst die ganze Fassade – weiß, sondern ebenfalls in einem dunklen Farbton gestrichen ist.

Schnell wurde der Anbau zum Mittelpunkt des Hauses. "Es hat wirklich etwas von Urlaub, hier zu sitzen und ins Grün zu schauen. So, wie wir es uns gewünscht hatten", sagt Andreas Büttner, während Frank Romanowski am Küchenblock mit Töpfen und Pfannen am Herd hantiert.

Ein beliebter Platz ist auch die tiefe Fensternische, die von den sichtbaren Stahlträgern betont wird. "Das gibt unserer guten, alten Kaffeemühle ein bisschen Loftcharakter mit Industriecharme", begeistert sich Andreas Büttner.

Innenansicht des Hausanbaus
Durch den Hausanbau ist in der Küche jetzt genug Platz für bis zu zwölf Essensgäste. © Eckard Wentorf

Das müsst ihr bei einem Hausanbau beachten

Ihr spielt auch mit dem Gedanken, eure Wohnfläche mit einem Hausanbau zu vergrößern? Dann müsst ihr ein paar Dinge beachten:

  • Je größer der Hausanbau wird, desto wahrscheinlicher benötigt ihr eine Baugenehmigung. Gerade bei Eingriffen in die Gebäudesubstanz oder die Baustatik, aber auch bei einer Veränderung des äußerlichen Erscheinungsbildes, muss das Bauamt mit einbezogen werden.
  • Eine Baugenehmigung werdet ihr nur bekommen, wenn ihr trotz Hausanbau den vorgeschriebenen Abstand zum Nachbargrundstück einhaltet. Auch der Bebauungsplan und die Landesbauordnung haben Einfluss auf Größe und Position des Anbaus.
  • Wann und für was eine Genehmigung erforderlich ist, weiß ein Architekt. Zudem könnt ihr auf dem zuständigen Bauamt um Rat fragen.
  • Für Hausanbauten mit normalen Innentemperaturen gelten dieselben Vorschriften wie bei Bestandsgebäuden und es müssen bestimmte Höchstwerte des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) eingehalten werden. Dementsprechend seid ihr als Bauherren verpflichtet, sowohl den Jahres-Primärenergiebedarf als auch den Transmissionswärmeverlust beim Anbau am Haus nachzuweisen.

Manchmal reicht auch ein Wintergarten, um die Wohnfläche zu erweitern. Mehr dazu lest ihr hier:

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