Mit Bauschaum montiertes Fenster
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Bauen | Pro/Contra-Liste

PU-Schaum: Gibt es eine ökologische Alternative zu Bauschaum?

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

200 Millionen Dosen PU-Schaum werden jährlich in Europa verkauft. Bauschaum ist bei Handwerkern beliebt. Doch der Montageschaum ist ökologisch und gesundheitlich eher bedenklich. Alles zu Vorteilen, Nachteilen und umweltfreundlicheren Alternativen.

Montageschaum auf Basis von Polyurethan (PU oder PUR) kam in den 1970er-Jahren auf den Markt und ist sehr verbreitet. 200 Millionen Montageschaumdosen gehen jedes Jahr in Europa über den Ladentisch. Auf Fingerdruck dichtet PU-Schaum neu eingesetzte Türen, Fenster oder Rollladenkästen gegen den Rahmen ab und füllt ebenso rasch und praktisch kleinere Hohlräume in Ecken und Wänden. Doch das Material hat durchaus auch gravierende Nachteile. Deshalb stellt sich die Frage, welche Alternativen es zu Bauschaum gibt.

Nachteile von PU-Schaum

Das praktische Material hat allerdings auch Schattenseiten.

  • Polyurethan-Bauschaum enthält Isocyanate (MDI), die gesundheitsschädlich sind und sogar im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Gefahr besteht vorwiegend während der Verarbeitungsphase. Außerdem enthält Bauschaum teilweise Treibmittel wie HFKW, das die Ozonschicht schädigt. Wenn darauf verzichtet wird, dann muss ein ebenfalls problematisches Flammschutzmittel zugesetzt werden.
  • Zudem wird PU-Montageschaum aus Erdöl hergestellt. Zur Fertigung eines Kubikmeters Polyurethan werden rund 70 Liter Erdöl benötigt. Die Herstellung der Grundstoffe ist sehr energieaufwendig.
  • Durch die Klebewirkung des Schaumes entstehen bei der Verarbeitung innige und nur mit hohem chemischen oder mechanischen Aufwand lösbare Materialverbünde, die eine sortenreine Entsorgung erschweren. Das Recycling von PUR-Altschäumen ist sehr aufwendig und wirtschaftlich unrentabel.
  • PU-Schaum wird insbesondere durch UV-Strahlung über die Jahre brüchig.
  • Zudem ist er luft- beziehungsweise gasdurchlässig. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt aber bei Energiesparhäusern luftdichte Bauanschlussfugen vor. Diese bekommt man nur, wenn man den Bauschaum mit Abdichtungsfolien kombiniert. Die Alternative sind Multifunktions-Dichtungsbänder.

Aus baubiologischer und innenraumhygienischer Sicht ist der Einsatz von PU-Schaum nicht gerade empfehlenswert.

Vorteile von PU-Schaum

Von den ökologischen Problemen mal abgesehen, hat Bauschaum eine Reihe von Vorteilen. Nicht umsonst ist PU-Schaum so verbreitet und beliebt.

  • Sein Einsatz trägt nachhaltig zur Verbesserung der Wärmedämmung von Gebäuden bei. Das Material hat eine niedrige Wärmeleitfähigkeit und sehr gute Isoliereigenschaften.
  • PU-Schaum ist einfach anzuwenden, vor allem bei verwinkelten Hohlräumen, wo man mit der Hand nicht so leicht hinkommt.
  • Bauschaum härtet schnell aus.
  • Montageschaum ist günstig.
Handwerker montiert Türe mit PU-Schaum
PU-Schaum ist bei Hand- und Heimwerkern sehr beliebt. © Getty Images/iStockphoto

Ökologische Alternativen zu Bauschaum

Bauschaum ist billig und bequem, ökologisch aber bedenklich. Sein Einsatz sollte möglichst vermieden – und wenn das nicht geht – zumindest minimiert werden. Das sind die ökologischeren Alternativen:

Ausstopfen als Alternative zu Bauschaum

Bevor PU-Schaum in den 1970er-Jahren auf den Markt kam, hat man Fugen mit Hanf, Werg (bei der Verarbeitung von Hanf oder Flachs abfallende Faser) oder Mineralwolle ausgestopft. Das ist auch heute noch möglich, mit einem geringen Mehraufwand. Dafür kann man zum einen Materialien aus künstlichen Mineralfasern (KMF) oder auch Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen verwenden. Schafwolle, Hanf oder Jute genügen von Natur aus der Baustoffklasse B2 (normalentflammbar).

Spritzkork statt PU-Schaum

Eine Alternative zu PU-Schaum ist lösemittelfreier Dispersions-Spritzkork. Er eignet sich zur Schall- und Wärmedämmung von Anschlussfugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk sowie für Anschlussfugen bei Türen und Trennwänden. Darüber hinaus könnt ihr Spritzkork zur Verfugung im Randbereich von Kork-, Parkett- und Laminatbelägen verwenden. Allerdings solltet ihr bei Spritzkork immer darauf achten, dass er keine Lösungsmittel enthält.

Rundprofile aus Polyethylen als Alternative

Statt Bauschaum können zur Abdichtung auch geschlossenzellige Rundprofile aus Polyethylen verwendet werden, Die Rundschnüre sind formstabil, verrottungsfest und frei von Treibmitteln wie HFKW. Zudem saugen sie kein Wasser auf.

RAL-Montage von Fenstern und Türen

Die Methode, Fenster ausschließlich mit Bauschaum einzubauen, entspricht nicht mehr dem Stand der Technik, da Bauschaum nicht luftdicht ist. Die sogenannte Montage nach RAL, die dem Stand der Technik entspricht, benötigt nicht zwangsläufig Bauschaum. Es kann auch Multifunktionsdichtband eingesetzt werden, zudem kann man die Fenster mit Acryl und Kompribändern abdichten.

Spezielle Fensterschrauben halten den Rahmen im Mauerwerk – Bauschaum wird damit als haltgebendes Element überflüssig.

Ökologischerer Bauschaum ohne Isocyanate

Wenn ihr auf Bauschaum zurückgreifen wollt, dann solltet ihr ökologischerer Produkte wählen. Aufgrund der gesundheitsgefährdenden Eigenschaften von Isocyanaten sind auf dem Markt mittlerweile auch isocyanatreduzierte und isocyanatfreie Bauschäume erhältlich. Bei isocyanatreduzierten Schäumen beträgt der Gehalt an freiem MDI weniger als ein oder 0,1 Prozent.

Daneben gibt es gänzlich isocyanatfreie Bauschäume. Anstelle von Isocyanatgruppen schäumen sie auf Silan-Basis. Solche isocyanatfreien Bauschäume sind beispielsweise:

  • Montage-Schaum illbruck JF 100
  • illbruck FM812 Pistolenschaum Öko
  • Soudal SMX Montageschaum
  • Würth Ecosafe PURLOGIC® EASY WHITE

Gesundheitlich weniger gefährliche Produkte erkennt ihr auch an dem EC1-Plus-Siegel. Allerdings handelt es sich um ein industrieeigenes Gütezeichen, welches lediglich bescheinigt, dass nach 30 Tagen keine Ausdünstungen von VOCs abgegeben werden.

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