Ehepaar bereitet Kaffeetafel in einem Einfamilienhaus vor.
© Sebastian Berger

Modernisieren | Homestory

Plötzlich Bauherren: Wie ein Schild das Leben dieses Paars veränderte

Andreas Förstel

Andreas Förstel

Vom Bauhaus zur Schreinerwerkstatt – und alles nur wegen eines kleinen Schildes. Die ursprünglichen Baupläne von Diana und Frank Wild wurden von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Wir erzählen hier ihre Geschichte – natürlich mit Happy End.

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Muss aber gar nicht schlecht sein, wie diese Geschichte eine Pärchens aus Mittelfranken zeigt, das sich sein Traumhaus ursprünglich ganz anders vorgestellt hatte ...

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Planänderung: Alte Schreinerei statt modernem Bauhaus

Schwabach, ein 40.000-Einwohner-Städtchen in Mittelfranken mit einem gut erhaltenen historischen Altstadtkern, ist die Heimat von Frank Wild. Bei den Hinterhoftagen öffnen hier einmal im Jahr viele der historischen Gebäude ihre Pforten. Die leerstehende Schreinerei auf dem Pinzenberg, die Frank Wild mit seiner Frau Diana bei dieser Gelegenheit 2017 wiederentdeckte, war ihm noch aus seiner Kindheit gut bekannt. "Das war eine richtige Meister-Eder-Werkstatt, in der wir oft vorbeischauten", erinnert er sich.

Durch ein Hinweisschild auf dem Gelände erfuhren Diana und Frank Wild, dass das Anwesen zum Verkauf stand. Und von einem Moment auf den anderen änderte das die Pläne der beiden. Denn eigentlich waren sie auf der Suche nach einem Grundstück, um neu zu bauen. Ein moderner Kubus im Bauhaus-Stil sollte es werden. "Aber dann haben wir uns sofort in die alte Schreinerwerkstatt verliebt", erzählt Diana Wild. "Ich habe uns hier gleich mit der Familie an der festlichen Weihnachtstafel gesehen."

Ansicht einer umgebauten Schreinerwerkstatt aus der Vogelperspektive.
Das neue Flachdach zwischen den alten Dachgiebeln machte das Dachgeschoss erst nutzbar; über vier Lichtkuppeln flutet viel Tageslicht bis ins Erdgeschoss. © Sebastian Berger

Wie verbindet man Altstadtflair mit Wohnkomfort?

Von dieser Vision motiviert, mussten die Wilds nicht lange überlegen. "Ein Gebäude mit einer solchen Atmosphäre, mitten im historischen Altstadtgürtel und mit eigenem, über 300 Quadratmeter großem Garten – das war eine einmalige Gelegenheit", erinnert sich Frank Wild. Das Paar entwickelte schnell konkrete Vorstellungen, wie aus der ehemaligen Schreinerei ihr neues Zuhause werden sollte – und setzte sie mit Engagement, Kreativität und Beharrlichkeit um.

Die ersten Entwürfe, die Frank Wild mit einem 3-D-Computerprogramm erstellte, waren außen wie innen bereits ein genaues Abbild des Hauses, wie es sich heute präsentiert. Zwei Prämissen standen von Anfang an fest: Der Charakter der 1899 errichteten und im Laufe der Jahre immer wieder umgebauten Schreinerei sollte weitgehend erhalten bleiben. Gleichzeitig wollten die Wilds den gleichen Wohnkomfort schaffen, den sie in ihrem Bauhaus-Neubau gehabt hätten. "Beides in einem Gebäude zu verwirklichen, das sich wirklich in einem maroden Zustand befand, war eine Riesenherausforderung", erzählt Frank Wild.

Wohnbereich mit Stahl-Glas-Konstruktion in einer umgebauten Schreinerwerkstatt.
Eine Stahl-Glas-Konstruktion trennt den großzügigen Wohnbereich im Erdgeschoss vom Treppenhaus. Die sichtbaren alten Stahlträger mussten von dicken Farbschichten befreit werden. © Sebastian Berger

Zweiter Vollzeitjob: Der Bauherr als Bauleiter

Zumal es neben den normalen Unwägbarkeiten, die eine Sanierung mit sich bringt, viele Besonderheiten zu berücksichtigen galt: Die Anforderungen des Denkmalschutzes (das Gebäude steht unter Ensembleschutz) und die energetischen Vorgaben für die KfW-Förderung mussten erfüllt werden. Und weil in zwölf Metern Tiefe unter dem Gebäude alte Katakomben und Kellergewölbe verlaufen, wollte sogar das Tiefbauamt mit einbezogen werden.

Als der ursprünglich vorgesehene Bauleiter angesichts der Komplexität der Aufgabe das Handtuch warf, sprang Frank Wild kurzerhand selbst ein. "Das war anderthalb Jahre lang quasi ein zweiter Vollzeitjob", erinnert er sich. "Auch weil wir viele aus der Reihe fallende Ideen hatten, von denen wir die Handwerker erst überzeugen mussten."

Ausgebautes Obergeschoss in einer vollsanierten Schreinerwerkstatt.
Ein Vorhang verwandelt den Relax-Raum im Obergeschoss im Nu in ein Gästezimmer. © Sebastian Berger

Neue alte Fassade: Kompliment vom Denkmalschutzamt

Die alte Klinkerfassade beispielsweise sah "verheerend" aus, berichtet Diana Wild. "Das war ein richtiger Schandfleck." Ein Großteil der Klinkersteine musste ersetzt werden. Weil die Fassade allerdings nicht wie frisch saniert aussehen sollte, machten sich die Wilds auf die Suche nach alten Reichsformat-Ziegelsteinen in der für die Region typischen Struktur und Farbe.

"Schließlich haben wir eine alte Scheune gefunden, die abgerissen werden sollte, und von dort mehr als 4.000 Backsteine geholt", erzählt Frank Wild. Diese wurden dann in der Fassade und auch innen verbaut. "Das schönste Kompliment kam vom Denkmalschutzamt, das uns fragten, welcher Teil der Fassade neu und welcher noch alt sei."

Auf der Innenseite der sanierten Außenwände sorgt eine acht Zentimeter starke, diffusionsoffene Dämmung dafür, dass die von der Gas-Brennwertheizung und dem Kamin gelieferte Wärme auch im Haus bleibt.

Badezimmer mit Werkbank als Waschtisch in einer umgebauten Schreinerwerkstatt.
Die zum Waschtisch umfunktionierte Werkbank ist ein Eyecatcher. Zum Industriestyle passen die schwarzen Armaturen, Schraubzwingen dienen als Handtuchhalter. © Sebastian Berger

Ein ganz spezieller Dachausbau

Zu den 150 Quadratmetern im Erdgeschoss kam im neuen Dachgeschoss noch mal die gleiche Wohnfläche hinzu. Allerdings war der Umbau des Dachs bei der Sanierung der alten Schreinerei eine besondere Herausforderung – für den die Wilds eine kreative Lösung fanden.

Die beiden nebeneinanderliegenden Dachstühle und ein dritter, um 90 Grad versetzter waren nicht miteinander verbunden, das Dachgeschoss daher nicht nutzbar. Frühere Umbaupläne sahen vor, alle Dachstühle abzutragen und durch ein neues, über das ganze Gebäude reichendes Satteldach zu ersetzen. Die Wilds allerdings wollten die alte Dachform erhalten und hatten eine andere Idee: Sie setzten eine Art Kubus mit einem Flachdach zwischen die bestehenden Dachstühle, der diese verbindet.

Dadurch entstand unterm Dach noch mal die gleiche Wohnfläche wie im Erdgeschoss. Lichtkuppeln, die sich mit einem Motor öffnen und schließen lassen, eine Schleppgaube zur Gartenseite sowie ein Lichtband zum Hof sorgen für Tageslicht. Der moderne Kubus hebt sich deutlich von den alten Dächern ab – eine Lösung, die auch dem Denkmalschutzamt gefiel.

Innenausstattung: Originaler Charme plus Industriestyle

Vom Frühjahr 2018 bis Ende 2019 dauerte der Umbau. Auch innen bewahrten die Wilds, wo immer möglich, den alten Charakter der Schreinerei. Ein wohnlicher Industriestyle prägt die großzügigen Räume. Altes Inventar aus der Schreinerei wurde wiederverwertet und um passende Tür- und Fenstergriffe, Armaturen und Leuchten ergänzt – viele Details, denen anzumerken ist, dass sie liebevoll und mit Bedacht ausgewählt wurden.

Große bodentiefe Fenster öffnen den Küchen- und Wohnbereich zum Garten. Schlaf-, Arbeits- und ein multifunktionales Gäste- und Rückzugszimmer sowie das Bad befinden sich unterm Dach. Auf die Frage nach dem besonderen Wohngefühl in ihrem neuen Zuhause schwärmen Diana und Frank Wild von den Lichtstimmungen. "Manchmal sitzen wir nur auf dem Sofa und schauen zu, wie die tief stehende Sonne ins Haus fällt und über den Dächern von Schwabach untergeht."

Spannend, so ein altes Gebäude umzubauen. Wenn ihr euch für denkmalgeschützte Häuser interessiert, dann möchten wir euch auch diesen Artikel ans Herz legen:

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