An einem Baumstamm wachsende Pilze
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Nachhaltiger Baustoff: Werden Häuser in Zukunft aus Pilzen gebaut?

Michael Penquitt

Der Baustoff der Zukunft besteht aus Pilzen. Davon sind einige Forscherinnen und Forscher überzeugt. Das steckt dahinter.

Die Schlümpfe haben es uns vorgemacht: Die blauen Winzlinge aus der bekannten Comic-Reihe und Fernsehserie wohnen bekanntermaßen in ausgehöhlten Pilzen im Dorf Schlumpfhausen. Könnten Wohnhäuser aus Pilzen nun auch für uns Menschen Realität werden?

Es klingt verrückt. Schließlich haben Pilze, die auf dem Teller landen, nichts mit stabilen Baumaterialien wie Stahlbeton oder Holz gemein. Bevor ihr jetzt aber an riesige Pilzfrüchte mit Hüten denkt, in die man einige Öffnungen für Fenster und Türen hineinfräst: Für den Bau von Häusern findet ein anderer Teil des Pilzes Verwendung.

Die "Wurzeln" des Pilzes als Wundermaterial

Der größte Teil eines auf dem Erdboden wachsenden Pilzes versteckt sich nämlich unter der Erde. Dort breitet sich das weit verzweigte Myzel aus, ein Geflecht aus feinsten Pilzfäden, die den gesamten Boden durchziehen. Wenn ihr zum Beispiel einen Speisepilz pflückt, bleibt das Myzel im Boden und wächst weiter.

Einige Forscherinnen und Unternehmer sind davon überzeugt, dass dieser bisher ungenutzte natürliche Rohstoff für vielfältige Zwecke eingesetzt werden kann. Von Bekleidung über Möbel und Einrichtungsgegenstände bis hin zum Bau und der Dämmung von Gebäuden: Das Pilzgeflecht erweist sich als echter Allrounder.

Nachhaltiger Baustoff für die Bauindustrie der Zukunft?

Dass die Wissenschaft permanent auf der Suche nach alternativen Baustoffen ist, hat gute Gründe: Die klassischen Rohstoffe, aus denen unsere Häuser bestehen, gehen langsam zur Neige. Beispiel Sand: Dieser ist für die Herstellung von Beton unersetzlich. Doch nicht jeder Sand eignet sich für die Betonproduktion, Wüstensand ist beispielsweise zu fein. In manchen Entwicklungs- und Schwellenländern ist bereits von Sandkriegen die Rede.

Pilze hingegen haben Eigenschaften, die dem nachhaltigen Baustoff von morgen gut zu Gesicht stehen würden. Im Gegensatz zu Holz wächst die Myzelstruktur schnell und kann leicht in die gewünschte Form gebracht werden. Das Baumaterial lässt sich vor Ort ohne großen Energieaufwand züchten, womit auch die Transportkosten entfallen. Die Nährstoffe für die Herstellung finden sich in pflanzlichen Abfallprodukten der Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie. Die Pilzsporen werden zum Beispiel Kaffeesatz, Stroh, Buchenspänen oder gehäckselten Maishülsen beigemischt. Innerhalb weniger Wochen durchziehen die Myzelienfäden das gesamte Substrat und formen eine feste Struktur.

Vielfältige Anwendung der Pilzmyzelien

Die Festigkeit und Flexibilität des fertigen Materials liegt dabei in den Händen der Produzenten. Je nachdem, wie die Nährstoffzufuhr, der Lichteinfall, die Feuchtigkeit und die Temperatur verändert werden, kann der Stoff später dünn wie Papier oder hart wie Beton werden.

Erste Unternehmen arbeiten bereits mit dem Material, wenn auch noch nicht in der Bauindustrie. Das italienische Unternehmen Mogu produziert und vertreibt Wandpaneele sowie Bodenbeläge aus Myzelien. Auch die Start-Ups Ecovative Design und Mycotech testen unterschiedliche Anwendungen für das Pilzmaterial, von veganem Leder über kompostierbare Verpackungen bis hin zu Lampenschirmen. Für Aufsehen sorgte Mycotech bereits 2017, als das Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie und der ETH Zürich auf der Seoul Biennale of Architecture and Urbanism den Mycotree vorgestellt hat.

Damit bewiesen die Forscher, dass Pilzmyzelien auch für den Bau stabiler Konstruktionen verwendet werden können. Bis aber ganze Häuser aus dem Material entstehen, wird sicher noch einige Zeit vergehen.

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