Mann mit Duschkopf in Badewanne
© Getty Images/Nicolas McComber

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Japanisches Badezimmer: 7 Gründe, warum das japanische Bad so beliebt ist

Antonia Eigel

Antonia Eigel

Ein japanisches Badezimmer unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von unseren heimischen Bädern. Was das japanische Bad so besonders macht, was ein Ofuro ist und warum Hightech dabei eine besondere Rolle spielt, erfahrt ihr hier.

Japaner würden vermutlich schmunzeln, wenn sie wüssten, dass wir hier in Europa völlig euphorisch über ihre Badezimmer-Kultur berichten. Und vielleicht fragt auch ihr euch, warum wir einem japanischen Badezimmer einen ganzen Artikel widmen. Doch wer ihn zu Ende liest, wird verstehen, warum wir euch so gerne darüber berichten möchten.

Denn japanische Bäder sind etwas anders, als ihr es aus eurem eigenen Zuhause kennt. Wir nennen euch sieben Gründe, warum japanische Bäder wirklich toll und so einzigartig sind.

1. Funktionale Raumaufteilung im japanischen Badezimmer

Japanische Badezimmer bestehen, anders als in westlicheren Kulturkreisen, in der Regel aus zwei bis drei funktional abgetrennten Räumen. Meistens gibt es einen Trocken- und einen Nassbereich. Im Trockenbereich befindet sich das Waschbecken, Badmöbel und in einem Extraraum die Toilette. Dann gibt es noch einen extra Nassbereich, der durch eine Schiebetür vom Trockenbereich abgegrenzt ist. Das hat den Vorteil, dass mehrere Familienmitglieder gleichzeitig das Bad nutzen können. Was diesen Duschraum so besonders macht, erfahrt ihr im nächsten Punkt.

2. Die Nasszelle im japanischen Badezimmer

Diese besondere Raumaufteilung ist vielleicht auch aus einer Not heraus entstanden. Denn japanische Wohnungen können ganz schön klein sein. Da ist es praktisch, wenn man einen Teil des Badezimmers als komplette Nasszelle nutzen kann und man sich keine Gedanken darüber machen muss, dass man alles beim Duschen nassspritzt. Dieser kleine abgetrennte Dusch- und Waschraum wird in Japan auch Furo oder Ofuro genannt, was übersetzt soviel wie Bad oder Badewanne heißt. Häufig ist dieser Raum von oben bis unten gefliest, nicht selten ist die Wanne und auch der Boden komplett aus Kunststoff. Über Bodenabflüsse kann das Wasser direkt ablaufen.

Warum aber haben die meisten kleinen japanischen Wohnungen dennoch eine kleine Badewanne im Nassraum? Ganz einfach: In Japan hat das Baden eine lange Tradition. Überall im Land gibt es warme Quellen und Bäder, auch als Onsen und Sentos bekannt, die zum Entspannen einladen. Ein Ofuro in der eigenen Wohnung dient also in erster Linie der Entspannung, nicht der Körperpflege. Bevor man ins warme Wasser steigt, wird geduscht und der Körper gereinigt. Neben der Badewanne steht deshalb häufig auch ein kleiner Hocker, auf den man sich zum Waschen setzen kann.

Wenn ihr mehr zu Ofuros wissen wollt, schaut doch mal in unseren Artikel "Ofuro: 7 spannende Fakten über die japanische Badewanne" rein.

Japanisches Badezimmer mit Badewanne und Dusche
Wird die Badewanne nicht benutzt, wird sie mit einer Matte abgedeckt. Geduscht wird direkt neben der Wanne. Hier gibt es häufig eine Sitzbank oder einen kleinen Hocker zum Hinsetzen. © Getty Images/iStockphoto

3. Warmes Badewasser per Knopfdruck

Japanische Badezimmer sind hierzulande auch deshalb so beliebt, weil sie über ganz andere technische Standards verfügen. Zum Beispiel verfügen viele japanische Badewannen über ein extra Bedienfeld, mit dem man die Temperatur des Dusch- und Badewassers manuell einstellen kann. Auf dem Display erscheint dann eine Grad-Anzeige. Das Badewasser wird per Knopfdruck eingelassen. Häufig gibt es sogar ein zweites Kontrollfeld in der Küche. Ein eingebauter Sensor erkennt außerdem, wann die Wanne voll ist. Dass dabei eine programmierte japanische Stimme zu einem spricht, ist gar nicht ungewöhnlich.

In der Badewanne selbst ist häufig auch ein Durchlauferhitzer verbaut. Wird das Wasser mal zu kalt, drückt man einfach einen Knopf und das vorhandene Wasser wird wieder aufgewärmt. So kann man gleichzeitig Wasser sparen. Manche Modelle verfügen auch über einen Telefon-Knopf oder eine Notfall-Taste, über die man in der Küche anrufen kann.

Tradiotionelles japanisches Ofuro mit Badewanne
Bei modernen Ofuros können Wassertemperatur und Wassermenge bestimmt werden. © Getty Images/iStockphoto

4. Japanische Toiletten und Hightech

Wer "japanisches Badezimmer" hört, hat wahrscheinlich nicht zuerst an die sich selbst aufheizende Badewanne gedacht, sondern vielleicht doch eher an japanische Hightech-Toiletten. Denn die sind wahrlich eine Klasse für sich und mittlerweile weltbekannt.

Sie spülen nicht nur automatisch, sie bieten dazu ein echtes Verwöhnprogramm für den, nun ja, Allerwertesten. Neben Klobrillen-Heizung und einem sich automatisch öffnenden und schließenden Deckel gibt es viele weitere Funktionen, die japanische Toiletten aus unserer Sicht zu einem echten Luxusthron machen. Dabei gehören sie in Japan fast schon zum Standard in jedem Badezimmer. Sie versprühen einen wohlriechenden Duft nach dem Geschäft. Eine in der Toilette integrierte Wasserdüse ersetzt ein zusätzliches Bidet und erledigt den unangenehmsten Part beim Toilettengang.

Mittlerweile gibt es solche Modelle auch in Deutschland zu kaufen. Auch deutsche Keramik-Hersteller wie Villeroy & Boch und Duravit haben bereits Dusch-WCs auf den Markt gebracht, die von der japanischen Toilette inspiriert sind.

Ein Duschstrahl kombiniert oszillierende mit rotierenden Bewegungen und sorgt für eine besonders gründliche Reinigung. © Villeroy & Boch

5. Wasser sparen im japanischen Badezimmer

Da man sich vor dem Baden einmal abbraust und schon sauber in die Wanne steigt, nutzt oft die ganze Familie nacheinander dasselbe Badewasser. Wird es zwischendurch kalt, lässt man dann aber kein warmes Wasser nachlaufen. Per Knopfdruck wird der Durchlauferhitzer angeschaltet und das Wasser wieder aufgewärmt.

In Japan wird das benutzte Badewasser nach dem Baden nicht einfach abgelassen, sondern anschließend noch zum Wäsche waschen benutzt. Das schäumt dann doch wie blöde? Im Gegenteil: Statt Schaumbad sind in Japan eher Badewasserzusätze beliebt, die das Wasser nur milchig aussehen lassen und dabei etwas duften. Sie bestehen größtenteils aus Natriumhydrogendcarbonat, das hier besser bekannt ist als Natron. Eine echte Allzweckwaffe im Haushalt, mit der man auch muffige Wäsche wieder frisch bekommen kann. Da ist es doch fast schon logisch, das Badewasser gleich auch noch für die Waschmaschine zu benutzen.

Auch Toiletten-Spülkästen verfügen häufig über eine smarte Wassersparfunktion, die für europäische Toiletten eher ungewöhnlich ist: Ein Spülkasten mit Waschbecken. Das Wasser, mit dem man sich die Hände wäscht, läuft in den Spülkasten und wird später zum Spülen benutzt.

WC-Spülkasten mit integriertem Waschbecken
Besonders umweltfreundlich: In Japan sind WC-Spülkasten mit integriertem Waschbecken weit verbreitet. © Getty Images/iStockphoto

6. Japanische Waschbecken

Natürlich gibt es in Japan auch normale Waschbecken, viele Modelle verfügen aber zusätzlich über einen ausziehbaren Wasserhahn. Die Brause kann man dann an der Ablage oder einer Halterung befestigen. So ist genug Platz im Waschbecken, um sich problemlos die Haare oder Wäsche zu waschen oder sogar ein Baby darin zu baden.

7. Wäsche trocknen im Badezimmer

In Japan ist es nicht ungewöhnlich, die nasse Wäsche im Badezimmer zu trocknen. Durch Platzmangel und auch durch die Regenzeit bietet sich kein Ort besser an, als die Nasszelle. Klingt erst einmal unlogisch, macht aber Sinn. Denn die meisten kleinen japanischen Einbaubäder verfügen über eine Klimaanlage, die entweder heizt oder kühlt und so die Luft trocknet. So wird auch die nasse Wäsche blitzschnell trocken, an regnerischen sowie an schwülen Tagen.

Wer sich im Schnelldurchlauf noch einmal ansehen möchte, warum japanische Bäder so besonders sind, findet in diesem Video eine lustige Zusammenfassung:

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