Ein Rahmen mit Bienenwaben wird aus dem Bienenstock gezogen
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Wohnen | Ratgeber

Imkern leicht gemacht: So haltet ihr Bienen im eigenen Garten

Michael Penquitt

Bienen im eigenen Garten zu halten hat viele Vorteile und ist davon abgesehen auch eine echte Freude. Wir informieren euch über alles, was ihr zu Beginn als Hobby-Imker wissen müsst.

Seit einigen Jahren wird in der Öffentlichkeit verstärkt über das Bienen- und Artensterben gesprochen. Vor diesem Hintergrund entschließen sich immer mehr Menschen dazu, Honigbienen zu halten. Hobbyimker kann werden, wer einen eigenen Garten besitzt oder, vor allem in Großstädten, Zugang zu einem (flachen) Hausdach hat.

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Bienen fühlen sich, entgegen vielleicht mancher Annahmen, in urbanen Gebieten besonders wohl. Im Gegensatz zu ländlichen Räumen, die häufig landwirtschaftlich betrieben werden, werden Insekten in Städten weitestgehend von Pestiziden verschont und finden dort in der Regel eine größere Blütenvielfalt als auf monokulturell bewirtschafteten Agrarflächen.

Neben einem Beitrag zur Rettung der Artenvielfalt bietet das Imkern noch einige andere Vorzüge. Die Bestäuber eurer Gartenpflanzen sind gleich vor Ort, sodass der Ertrag garantiert ist. Ihr könnt zudem Bienenwachs gewinnen. Und nicht zu vergessen: Ihr erhaltet Honig aus eigener Erzeugung.

Benötige ich eine Genehmigung, um Bienen zu halten?

Bienen zu halten ist kein Hobby, das ihr einfach so nebenher machen könnt. Auch Hobby-Imkern ist mit nicht wenig Aufwand und vor allem einer großen Verantwortung für viele, viele Lebewesen verbunden. In einem Bienenvolk können im Sommer bis zu 60.000 Tiere leben. Die Stachelträgerinnen sind in aller Regel völlig harmlos und friedliebend. Sie stechen lediglich in absoluten Notsituationen zu, um den Bienenstock zu verteidigen. Auch haben sie im Gegensatz zu Wespen kein Interesse an eurem Grillgut oder sonstigen Speisen.

Grundsätzlich ist das Halten von Bienen ohne bestimmte Qualifikation und ohne behördliche Genehmigung erlaubt. Fragt beim örtlichen Veterinäramt aber unbedingt nach, ob ihr gegebenenfalls zusätzliche Genehmigungen für euer Wohngebiet benötigt. Jenes müsst ihr ohnehin spätestens nach dem Erwerb der Bienen kontaktieren, denn ihr seid verpflichtet, eure Bienenvölker offiziell anzumelden.

Die Bienen sollten auch genügend Platz haben, ohne ständig von Menschen gestört werden. Das Grundstück sollte mindestens 200 Quadratmeter groß sein, um auch die Nachbarn nicht allzu sehr zu belästigen. Auch sollte euer Garten dem Bienenvolk eine möglichst große pflanzliche Artenvielfalt bieten. Wenn ihr dann auch noch einen kleinen Teich oder eine Bienentränke einrichtet, habt ihr beste Voraussetzungen für die Bienenhaltung.

Welche Ausstattung brauche ich, um Bienen zu halten?

Natürlich braucht ihr zunächst einen Bienenstock, in dem die Bienen leben und arbeiten können. Dieser besteht heute meistens aus einem Holzkasten mit kleinem Einflugloch. Der Deckel sollte aufklappbar sein. Drinnen befinden sich die Magazine –Holzrahmen, die von oben hineingeschoben werden und in denen die Bienen ihre Waben aus Bienenwachs bauen. Eine solche Beute, wie der Bienenstock im Fachjargon heißt, könnt ihr mit etwas handwerklichem Geschick selber bauen oder ihr kauft sie im Fachhandel. Die Beute sollte unbedingt aus giftfreien Materialien bestehen. Achtet dabei auf den Blauen Engel und weitere Siegel.

Unbedingt notwendig ist auch ein voll funktionsfähiger Imkerschutzanzug einschließlich Imkerhut und Handschuhen. Zudem braucht ihr auch das entsprechende Imkerwerkzeug wie Stockmeißel, Bienenbesen und ein Rauchgerät, um die Bienen zu beruhigen, wenn ihr am Bienenstock arbeitet. Früher haben Imker dafür Imkerpfeifen benutzt, heute werden dafür eher sogenannte Smoker verwendet.

Wenn ihr Honig gewinnen wollt, braucht ihr auch eine Honigschleuder. Das hat am Anfang aber noch Zeit. Anfängern wird empfohlen, sich erst mit den Grundlagen des Imkerns vertraut zu machen und Routinen einzuüben, ehe man sich an die Honigernte macht. Wenn es so weit ist, könnt ihr euch in einem lokalen Imkerverein umhören, ob jemand eine Honigschleuder verleihen möchte.

Last but not least: Bienen lassen sich nicht zähmen. Ein Insektenschutzgitter vor allen Fenstern und Türen im Haus ist ebenso unersetzlich wie der Schutzanzug. Wenn ihr all dieses Equipment neu kauft, können sich die gesamten Anschaffungskosten schnell auf um die 1.000 Euro belaufen. Vieles gibt es aber gebraucht in Imkervereinen oder online zu kaufen. Und dann sind da noch die Bienen selbst.

Bienen im Garten: Auf artgerechte Haltung achten

Bienenvölker könnt ihr bei professionellen Imkern kaufen. Einen verantwortungsbewussten Imker erkennt ihr daran, dass er die Bienen nur zur Schwarmzeit im Mai und Juni anbietet. Das ist die Zeit, in der sich Bienenvölker teilen und Schwärme aussenden, die sich an anderen Orten niederlassen. Die Bienenschwärme sind dabei zunehmend auf die Hilfe der Menschen angewiesen, um am Ende nicht an Orten zu landen, an denen sie kaum Überlebenschancen haben.

Unter anderem durch die Globalisierung sind Bienen unterschiedlichen Infektionskrankheiten und Schädlingen wie der Varroamilbe hilflos ausgeliefert. Eine der größten Herausforderungen der Imkerei ist, die Bienenvölker gesund zu halten. Das gelingt nur, wenn ihr euch im Vorfeld ausreichend informiert und umfangreiche Kenntnisse erwerbt. Diese erlangt ihr durch günstige oder sogar kostenlose Schulungen und Beratungen, die durch Bieneninstitute und örtliche Mitgliedsverbände des Deutschen Imkerbunds angeboten werden. Gut zu wissen: Werdet ihr Mitglied des Deutschen Imkerbunds, werden eure Bienenvölker automatisch versichert.

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Was tun, wenn sich die Nachbarn beschweren?

Bis zu einem bestimmten Maß müssen eure Nachbarn den Bienenflug akzeptieren. Erst bei einer wesentlichen Beeinträchtigung können sie euch die Bienenhaltung untersagen – und auch das nicht immer. Handelt es sich bei der Bienenhaltung um eine ortsübliche Benutzung und sind die Beeinträchtigungen nicht durch wirtschaftlich zumutbare Maßnahmen zu verhindern, müssen Nachbarn diese auch in schwereren Fällen in Kauf nehmen. So steht es im § 906 BGB.

Eine ortsübliche Nutzung liegt zum Beispiel dann vor, wenn auch andere Anwohner Bienen halten und eine umfangreiche Imkereitätigkeit in der Umgebung zu erkennen ist. So hat das Landgericht Bonn in einem Urteil vom 16. Januar 2013 (Aktenzeichen 7 O 181/12) entschieden, dass im vorliegenden Fall kein Unterlassungsanspruch besteht, weil der örtliche Imkerverein 23 Mitglieder hatte und die Bienenhaltung somit als ortsüblich anzusehen war.

Vorsichtig und kooperativ solltet ihr dennoch sein. Bevor ihr euch Bienen zulegt, solltet ihr mit euren Nachbarn sprechen und sie über euer Vorhaben informieren. Wer zum Beispiel eine nachgewiesene Bienenallergie hat, für den stellt ein Bienenstock im Nachbargarten in jedem Fall eine wesentliche Beeinträchtigung dar. Mal abgesehen davon, dass daraus ein Unterlassungsanspruch entstehen kann und ihr das Bienenvolk wieder los werden müsst, wollt ihr sicherlich niemanden in Gefahr bringen. Und wenn die Nachbarn mit der Bienenhaltung in eurem Garten einverstanden sind, gibt es als Dankeschön später ein Glas Honig.

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