Homeschooling mit Jungendlicher
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Homeschooling für Jugendliche: Mit diesen Tipps klappt's

Sandra Hermes

Keine Schule! Wochenlang! Was sich Millionen Schüler immer erträumt haben, wurde in Zeiten von Corona plötzlich Realität. Statt nervender Lehrer sind da nun anstrengende Eltern. Damit Eltern von Jugendlichen besser durch das Homeschooling kommen, gibt euch unsere Autorin Tipps – direkt aus ihrem Alltag mit zwei Schulkindern im Homeoffice.

Homeschooling bedeutet für Jugendliche vor allem eins: Selbstdisziplin. Einigen fällt das deutlich leichter als anderen. Und die Eltern? Sie können jetzt einen guten Rahmen schaffen, in dem der Unterricht zu Hause – gemeinsam mit den Homeoffice-Herausforderungen – gelingen kann.

Es ist nicht so einfach die Balance zu finden zwischen Struktur und Kreativität, frischer Luft und ausreichend Zeit für tröstenden Medienkonsum. Denn während Grundschulkinder die Extra-Zeit mit den Eltern ja auch genießen, wollen die meisten Teenager in dieser Lebensphase eigentlich nur eins: die Eltern möglichst wenig sehen. Uns ist also klar: Unsere Tipps sollen euch als Hilfe dienen, aber macht euch in diesen Zeiten keinen Stress. Wenn ihr nur die Hälfte umsetzen könnt, seid ihr gut! Richtig gut!

1. Ein ungestörter Arbeitsplatz fürs Homeschooling

Jugendliche befinden sich ohnehin in einer Abnabelungsphase. Neben Mama am Küchentisch sitzen und sich beim Lernen zuschauen lassen, kommt spätesten ab einem Alter von zwölf Jahren nicht mehr in Frage. Der beste Arbeitsplatz für jugendliche Homeschooler ist ein Schreibtisch im eigenen Zimmer.

Problem: Das gemütliche Bett steht meist direkt daneben. Wieso nicht da lernen? Nun, in erster Linie gibt es in der Schule auch keine Betten und Homeschooling ist nun mal derzeit Schule zu Hause und keine Freizeit oder Ferien. Um die gute Stimmung nicht zu sehr auf die Probe zu stellen, könnt ihr aber auch einen wohlwollenden Kompromiss schließen: Schreiben sollten sie am Schreibtisch. Texte können auch mal in horizontaler Stellung konsumiert werden.

2. Jugendliche bei der Orga unterstützen

In Sachen Selbstorganisation gibt es zwei Extreme:

  1. Teenager, die den kompletten Überblick haben, auch beim Homeschooling wissen, was ihre Lehrer von ihnen einfordern und die Aufgaben pünktlich und weitgehend ohne elterliche Hilfe abgeben.
  2. Teenager, die unter Konzentrationsschwierigkeiten leiden, im Materialchaos versinken und nicht mitbekommen, dass man täglich drei statt einer Matheaufgabe auf der Online-Lern-App erledigen sollte.

Ihr habt Nummer 1? Glückwunsch! Ihr könnt euch ganz auf eure eigene Arbeit im Homeoffice konzentrieren. Euer Kind gehört eher in die zweite Kategorie? Dann seid ihr deutlich mehr gefordert. Am besten besprecht ihr morgens, welche Aufgaben auf der Agenda stehen. Geht alle Fächer durch und fragt nach. Macht gemeinsam eine To-Do-Liste, die euer Sohn (seien wir ehrlich, es sind meistens die Söhne ;)) Punkt für Punkt abhaken kann. So behalten alle den Überblick. Und werdet hellhörig, wenn fünf Tage keine Deutsch- oder Matheaufgaben anstanden. Das ist auch im Homeschooling eher unwahrscheinlich. In dem Fall ist das To-Do: E-Mail an den Lehrer oder einen Klassenkameraden schreiben und nachfragen, ob etwas durchgerutscht ist.

3. Für Fragen offen sein

Sensible Kinder haben ganz feine Antennen für die aktuelle Ausnahmesituation. Sie hören Papa im Homeoffice laut ins Telefon rufen und registrieren ganz genau, dass Mama sich Sorgen um ihren Job macht. Ergebnis: Sie behalten ihre eigenen Probleme für sich, um die Eltern nicht noch mehr zu stressen.

Ungut, wenn sie doch eigentlich ein Problem mit Mathe haben oder einfach mal gerne mit jemandem reden würden. Signalisiert euren Kindern, dass ihr für sie da seid. Auch und gerade jetzt. Erklärt ihnen ganz offen, dass euch die Situation tatsächlich gerade stresst und es deshalb auch mal laut werden kann im Homeoffice oder zwischen den Eltern. Aber sagt ihnen, dass sie trotzdem kommen sollen. Vielleicht habt ihr dann nicht sofort für sie Zeit, aber nehmt sie euch eine halbe Stunde später.

P.S.: Die eine oder andere inhaltliche Frage kann auch das Netz beantworten. Zum Beispiel erklärt Lehrer Schmidt auf YouTube Mathe und Planet Schule hilft, wenn es Lücken in Französisch gibt und Hanisauland von der Bundeszentrale für Politische Bildung ist eine ergiebige Recherchequelle für Politik und Erkunde.

4. Im Heimunterricht den Tag strukturieren

Homeschooling funktioniert für alle leichter, wenn die alten Strukturen weitgehend beibehalten werden. Versucht, morgens weiterhin früh aufzustehen und zu frühstücken und teilt mit den Kindern gemeinsam der Vormittag ein. Bei jüngeren Teenagern funktioniert das noch ganz gut mit einem gemalten Stundenplan. Ältere werden sich darauf nicht mehr einlassen und über Mamis Grundschulmethoden nur müde lächeln. Dann muss eine mündliche Vereinbarung reichen.

Morgens ist Schule, nachmittags ist frei, wenn alle Aufgaben erledigt sind. Wenn ihr selbst im Home-Office seid, habt ihr im Blick, ob sich alle dran halten. Schwerer ist es, wenn ein Elternteil oder beide in systemrelevanten Berufen arbeiten und gar nicht mitbekommen, was in der Heimschule passiert. Macht den Jugendlichen klar, dass ihr euch in dieser besonderen Situation auf sie verlassen wollt. Und bittet sie, euch ein kurzes Feedback über WhatsApp zu geben, wenn sie alles erledigt haben.

Alternativ könnt ihr auch die Großeltern einspannen. Denn die fühlen sich ja derzeit nicht nur von der Außenwelt abgeschottet, sondern leiden auch darunter, dass sie sich nicht gebraucht fühlen. Mathe-Nachhilfe oder Französisch-Vokabeln abhören per Skype? Ein Diktat über WhatsApp? Geht alles!

5. Geschwister ins Boot holen

Vielleicht ist euer Homeschooler ja kein Einzelkind. Auf den ersten Blick macht es die Lage noch schwerer, wenn man zwei oder mehr Kinder zu Hause beim Lernen unterstützen sollt. Das muss aber nicht immer so sein. Das Älteste kann euch ja durchaus unterstützen, wenn es um die Matheaufgaben des jüngeren Bruders geht oder jemand die Englisch-Vokabeln der kleinen Schwester abhören muss.

Klasse, wenn sie das freiwillig machen. Wenn nicht, könnt ihr aber auch kleine Vergünstigungen in Aussicht stellen. Ihr kauft im Supermarkt ein Wunschgetränk statt Wasser oder es gibt abends eine Stunde länger WLAN. Ihr wisst am besten, womit sich eure Kinder "bestechen lassen".

6. Für Bewegung sorgen

Fußballtraining abgesagt, Schwimmbäder zu. Für Teenager, die sonst viel Sport machen, sind die derzeit verhängten Maßnahmen auch körperlich schwer auszuhalten. Euer Job: Macht ihnen Vorschläge, welche Alternativen es gibt. Vielleicht gibt es einen Heimtrainer oder ihr sucht im Netz gemeinsam nach Tutorials für Fitness im eigenen Wohnzimmer. Viele Übungen funktionieren nur mit Körpergewicht und ganz ohne eine teure Fitnessausstattung.

Die Basketballer von Alba-Berlin haben gerade auch nichts zu tun und bieten den Kindern jeden Tag eine Sportstunde im Netz an. Neben Übungen für Kitakinder und Grundschüler gibt es auch eine Sporteinheit für Jugendliche.

7. An die frische Luft schicken

Damit die Schüler zu Hause keinen Lagerkoller bekommen, brauchen sie regelmäßig frische Luft. Das lässt sich auch in Corona-Zeiten gut mit der notwendigen Bewegung kombinieren. Da Teamsport nun mal wegfällt, bleibt nur das Draußentraining allein oder zu zweit. Es spricht ja nichts dagegen, sich mit einem Freund zu verabreden und mit genügend Abstand einmal um den Block oder durch den Park zu joggen oder eine kleine Radtour zu machen. Auch Spazierengehen mit einer Freundin ist nicht verboten.

Wenn ihr die glücklichen Besitzer eines Gartens seid, können eure Teenager sich dort auch Bälle zupassen, Federball oder Baseball spielen. Hauptsache, sie waren vor der nächsten Daddel-Einheit einmal draußen.

8. Kreativität fördern

Die Anforderungen der Schulen an ihre Schüler daheim sind ganz unterschiedlich. Einige beschweren sich, dass sie mehr machen müssen als in der Schule. Andere sind um elf Uhr mit allen Aufgaben fertig und gehen davon aus, dass sie dann zocken können. Jetzt seid ihr dran! Stellt klare Regeln auf. Macht deutlich, dass ihr der Meinung seid, dass der späte Nachmittag und Abend reichen, um sich in virtuellen Welten zu tummeln.

Sprecht über mögliche Alternativen. Kreative Beschäftigung, bei denen auch Jugendliche noch was lernen können und die vielleicht sogar der ganzen Familie etwas bringt. Teilt eure größeren Kinder zum Kochdienst ein! Fragt sie, ob sie euch einen Kuchen backen oder bittet sie, ein Fitnessprogramm für jedes Familienmitglied auszuarbeiten.

Solange die Baumärkte noch geöffnet haben, können Gartenbesitzer ihren Teens auch DIY-Projekte vorschlagen. Lasst sie ein eigenes Hochbeet zimmern oder ein Holzpferd für die kleine Schwester bauen. Die Herausforderung für euch: Machenlassen und nicht reinreden. Die Botschaft "Du schaffst das!" hat manchmal erstaunliche Effekte.

9. Pausensnacks nicht vergessen

Lernen ist anstrengend. In der Schule ebenso wie zu Hause. Damit der Blutzuckerspiegel nicht abfällt und die Konzentrationsfähigkeit gleich mit, sind Zwischenmahlzeiten und viel Trinken das Zaubermittel. Schulbrote schmecken ja nach einiger Zeit in der Dose nicht mehr so lecker und werden gerne mal heimlich entsorgt.

Beim Homeschooling seid ihr klar im Vorteil. Gegen frisch geschnittene Äpfel oder einen Joghurt mit Banane ist ja eigentlich nichts einzuwenden, wenn man sie an den Schreibtisch serviert bekommt. Vitamine intus! Check.

10. Mit den Lehrern im Gespräch bleiben

Wie gesagt, einige Kinder haben den Fernunterricht ganz gut alleine im Griff. Bei anderen ist es wichtig, auch selbst den Kontakt mit den Lehrern zu halten, damit keine zu großen Wissenslücken entstehen.

Natürlich gibt es Jahrgänge, in denen es kein Drama ist, wenn die Kinder in dieser Ausnahmesituation weniger Stoff durchnehmen. Anders ist es für diejenigen, die gerade kurz vor ihrer Abschlussprüfung stehen oder deren Noten über die künftige Schulform entscheiden. WhatsApp, E-Mail und Telefonate sind nach wie vor die Wege, wichtige Fragen zu klären, wenn die eigenen Kinder vergessen, Informationen weiterzugeben.

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