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Europa in der Klimakrise: Klimaanlagen sorgen für noch mehr Hitze

Michael Penquitt

Level: Für Alle

Bis 2040 wird die Nachfrage nach Klimaanlagen in Europa massiv wachsen. Für das Weltklima bedeutet das nichts Gutes. Doch es gibt noch einen Ausweg.

In vielen Ländern der Welt gehören sie zur Standardausstattung einer Wohnung oder eines Hauses: Klimaanlagen. In Regionen, in denen die Temperaturen im Sommer beinahe in unerträgliche Höhen steigen oder es das ganze Jahr über nicht wirklich kühl wird, werden klimatisierte Räume zu Zufluchtsorten der schweißgebadeten Öffentlichkeit.

Aber nicht nur dort: Auch in den nördlichen Staaten der USA findet sich beinahe kein Haushalt, der nicht mit einer installierten Klimaanlage daherkommt. Sobald sich der Sommer ankündigt, drehen viele die Geräte beinahe schon aus Gewohnheit voll auf.

Klimaanlagen heizen das Klima auf

Europa war diese vielerorts übertriebene Beeinflussung der Raumtemperatur bislang fremd. Schließlich kostet der Betrieb von Klimaanlagen viel Energie, was sich sowohl auf der Stromrechnung als auch in der persönlichen Klimabilanz niederschlägt. Bereits jetzt fließen rund 10 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs in Klimaanlagen und Ventilatoren. Damit setzen Klimaanlagen einen Teufelskreis in Gang, indem sie zu einem weiteren Temperaturanstieg beitragen.

In den kommenden 20 Jahren werden diese Argumente aber immer weniger ziehen, so eine Studie des Euro-Mittelmeerzentrums für Klimawandel. Immer mehr Europäerinnen und Europäer werden sich demnach zu Hause eine Klimaanlage montieren lassen. Bis 2040 wird es eine starke Zunahme neu installierter Klimaanlagen geben. Das ergibt eine Kombination aus prognostizierten Klimadaten und einer repräsentativen Umfrage.

Daran sind in erster Linie zwei Entwicklungen schuld: die Urbanisierung und der Klimawandel. Je dichter gebaut wird, desto länger speichern Betonwüsten die Wärme und geben sie nur langsam ab. Die globale Erwärmung wird zudem dazu führen, dass sich das Stadtklima europäischer Großstädte laut manchen Prognosen bis 2050 um bis zu fünf Grad erwärmen wird. In Berlin würden dann Temperaturen herrschen wie heute beispielsweise in Mailand oder Lyon.

Die richtige Dämmung macht's

Dabei ist Europa gegenüber Klimaanlagen verhältnismäßig skeptisch eingestellt. Lediglich 20 Prozent der Befragten aus Frankreich, den Niederlanden, Spanien, Schweden und der Schweiz können sich vorstellen, eine Klimaanlage zu installieren. In Japan sind es dagegen 90 Prozent der Befragten.

Darüber, wie viele Klimaanlagen tatsächlich in Betrieb gehen werden, sagt das freilich noch nichts aus. Innerhalb Europas wird Spanien das stärkste Wachstum vorausgesagt: Bis zu 50 Prozent aller spanischen Haushalte könnten im Jahr 2040 über eine Klimaanlage verfügen. Die Wissenschaftlerinnen haben mehrere Faktoren ausfindig gemacht, die die individuelle Entscheidung, sich ein solches Kühlgerät zu kaufen, beeinflussen. Allen voran spielen dabei das Alter und die gesundheitliche Verfassung der Bewohner, die Höhe des Einkommens sowie die thermische Dämmung des Wohnhauses eine Rolle.

Letztere ist denn auch die Stellschraube, an der die Politik laut den Fachleuten am ehesten drehen könnte, um diese klimaschädliche Entwicklung noch aufzuhalten. Eine bessere Dämmung mache eine zusätzliche Kühlung weniger notwendig. Dass das funktioniert, zeige Frankreich, wo mittlerweile jede zweite Wohnung gedämmt sei. Spaniens Wohnungen werden hingegen auch 2040 voraussichtlich nur zu einem Drittel entsprechend isoliert sein.

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