Kind trinkt Wasser aus Wasserhahn
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Modernisieren | Ratgeber

Enthärtungsanlage: Welche Methoden gibt es, um weicheres Wasser zu bekommen?

Level: Für Anfänger

Hartes Wasser ist lästig. Deshalb denken viele, die kalkhaltiges Wasser haben, über den Einbau einer Entkalkungsanlage nach. Es gibt verschiedene Methoden der Wasserenthärtung, die unterschiedlich gut wirken. Ein Überblick.

Wenn Trinkwasser stark kalkhaltig ist, kommt es bei Wassertemperaturen über 50 Grad Celsius zu Ablagerungen auf den Heizstäben von Wasch- und Spülmaschinen, in Heißwasser- und Kaffeebereitern und in der Warmwasser-Hausversorgung. Diese Kalkablagerungen können die Geräte auf Dauer zerstören, weil sich die Heizstäbe zu stark erhitzen.

Ärgerlich ist ganz besonders, wenn sich die Rohre der Warmwasser-Versorgung zusetzen. Davon abgesehen ärgert man sich immer wieder über die Flecken, die kalkhaltiges Wasser auf Armaturen und Fliesen, auf Kunststoff- und Glasabdeckungen hervorruft. Deshalb denken viele mit hartem Wasser über den Einbau einer Enthärtungsanlage nach. Welche Möglichkeiten es gibt und wie wirksam die sind, zeigen wir euch gerne auf.

Was ist hartes Wasser?

Die Härte des Trinkwassers hängt vom enthaltenen Gehalt an Kalzium- und Magnesium-Verbindungen ab. Je höher dieser ist, desto härter ist das Wasser. Im Februar 2007 beschloss der Bundestag die Neufassung des Wasch- und Reinigungsmittel-Gesetzes (WRMG). Darin werden unter anderem die Härtebereiche an europäische Standards angepasst. Statt der bisherigen Kennzeichnung mit "Grad deutscher Härte = °dH", erfolgt die Angabe der Wasserhärte nun in "Millimol Kalziumkarbonat je Liter". Die zuvor mit den Ziffern 1, 2 ,3 und 4 gekennzeichneten Wasserhärten werden nun durch die Begriffe "weich", "mittel" und "hart" dargestellt. "Hartes Wasser" umfasst dabei die alten Härtegrade 3 + 4.

Ein Überblick über die neuen Härtebereiche:

  • "weich": weniger als 1,5 Millimol Kalziumkarbonat je Liter – entspricht 8,4°dH.
  • "mittel": 1,5 – 2,5 Millimol Kalziumkarbonat je Liter – entspricht 8,4 bis 14°dH.
  • "hart": mehr als 2,5 Millimol Kalziumkarbonat je Liter – entspricht mehr als 14°dH.
Kalkflecken am Wasserhahn
Hartes Wasser sorgt für unschöne Kalkflecken auf Amaturen und in Spülbecken. © Getty Images/iStockphoto

Welche Methoden der Wasserenthärtung es gibt

Um die unangenehmen Erscheinungen von hartem Wasser zu verhindern oder abzumildern, werden Geräte zur "Enthärtung" des Wassers angeboten. Mit großem Werbeaufwand werden besonders solche Geräte propagiert, die auf physikalischer Basis arbeiten. Daneben gibt es Ionenaustauscher sowie Dosieranlagen, die dem Wasser gesundheitlich unbedenkliche Phosphat- und Silikatlösungen zusetzen.

Physikalische Wasserenthärtungsanlagen: Viele wirken nicht

Physikalische Wasserenthärtungsanlagen arbeiten mit Permanent- oder Elektromagneten, mit verschiedenen elektrischen Impulsen oder mit elektrischen oder elektrostatischen Feldern. Die Frage, ob diese Geräte tatsächlich Kalkablagerungen verhindern können, haben in der Vergangenheit eine Reihe von Institutionen untersucht:

Dabei wurde in umfangreichen Tests und Versuchsreihen festgestellt, dass ein großer Teil der Geräte, die auf physikalischer Basis arbeiten, so gut wie wirkungslos sind. Sie haben keinerlei Einfluss auf den Kalkgehalt des Wassers. Das gilt vor allem für Geräte, die mit magnetischen oder elektrischen Feldern arbeiten. Sie sind an den Drahtspulen zu erkennen, die um die Wasserrohre gewickelt sind.

Deren elektromagnetische Felder sollen den Verkalkungsprozess von der Rohrwand weg ins fließende Wasser verlagern und die Rohre frei halten. Durch diesen Vorgang bilden sich angeblich Mikrokristalle aus Kalk, die in der Schwebe bleiben und mit dem fließenden Wasser fortgeschwemmt werden. Leider funktioniert dieses Prinzip nicht in jedem Fall, wie die Stiftung Warentest schon mehrmals festgestellt hat.

In allen wirksamen Geräten wird das Leitungswasser direkt an unterschiedlich stromführenden Elektroden vorbeigeführt. Nur dadurch bilden sich im Wasser sehr kleine Kalkkristalle, die weggespült werden. Auf diese Weise wird die unerwünschte Kristallisierung des Kalks an den Rohrwänden um mindestens 80 Prozent verringert. Nur diese Geräte besitzen ein Prüfzeichen des Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Hier findet ihr eine jeweils aktuelle Liste der vom DVGW geprüften Kalkschutzgeräte.

Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass von physikalischen Enthärtungsanlagen – soweit bekannt – keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen für die Gesundheit, Umwelt und die nachgeschaltete Hausinstallation ausgehen.

Warum viele Prüfzeichen nichts über die Wirksamkeit von Enthärtungsanlagen aussagen

Einige Hersteller haben ihre Geräte einer Sicherheitsprüfung bei renommierten Institutionen, zum Beispiel dem TÜV (GS-Zeichen) oder dem VDE, unterzogen. Diese Prüfzeichen besagen aber lediglich, dass die Geräte so konstruiert sind, dass von ihrem Betrieb keine Gefahren ausgehen. Das Zeichen "DIN ISO 9002" bestätigt nur, dass der Hersteller gewisse Qualitätsstandards einhält. Über die Wirksamkeit der Kalkabscheidung geben diese Prüfzeichen keinerlei Hinweise.

Da keine entsprechenden Prüfnormen existieren und nur in wenigen Fällen naturwissenschaftlich nachvollziehbare Grundlagen für die Wirksamkeit vorhanden sind, besitzt auch die Mehrheit der Geräte zur physikalischen/elektrischen Wasserbehandlung kein DIN/DVGW-Prüfzeichen. Nur allein dieses Prüfzeichen garantiert eine zuverlässige Wirksamkeit und eine hygienisch einwandfreie Arbeitsweise.

Ionenaustauscher zur Wasserenthärtung

Ionenaustauscher können erwiesenermaßen Kalk und Magnesium aus dem Wasser entfernen. Sie bestehen aus Kunstharz auf Polystyrolbasis. Der Stoff kommt auch in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz. In einer Wasserenthärtungsanlage fließt das normale Hauswasser über den Ionenaustauscher. Kalk und Magnesium dringen in das Harz ein und werden dort gebunden. Der Rest des Wassers nimmt seinen gewohnten Weg über Wasserleitungen und Boiler bis zum Wasserhahn. Dorthin gelangt nur weiches Wasser.

Das Harz im Ionenaustauscher kann allerdings nur eine begrenzte Menge an Kalk aufnehmen. Dann ist seine Kapazität erschöpft und der Ionenaustauscher muss regeneriert werden. Das heißt, der gebundene Kalk muss aus dem Harz des Ionenaustauschers gelöst werden. Dies passiert im Abstand von wenigen Tagen mit Kochsalz (Natriumchlorid). Gute Wasserenthärter machen das automatisch.

Für diese Enthärtungsanlagen bestehen seit 1989 Prüfnormen und Einbauvorschriften, die strenge Anforderungen an geeignete Anlagen stellen. Achtet beim Kauf darauf, dass die Anlage das DVGW-DIN-Prüfzeichen trägt.

Das Ende der Wirkungsdauer der Geräte ist schwer zu kontrollieren, die Austauschermasse kann verkeimen. Aus diesem Grund müssen Ionenaustauscher ständig überprüft, gewartet und neu eingestellt werden, auch damit es nicht zu einer erhöhten Kochsalz-Konzentration im Trinkwasser kommt, was für die Zubereitung von Babynahrung und natriumarmer Diät unerwünscht ist. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher, den Einsatz von Ionenaustauschern in privaten Haushalten möglichst zu vermeiden.

Kleiner Junge an der Wasseraufbereitungsanlage
So sieht ein Ionenaustauscher der Firma Grünbeck aus. © Grünbeck Wasseraufbereitung

Dosieranlagen zur Enthärtung des Wassers

Diese Geräte zur Wasserenthärtung setzen dem Wasser gesundheitlich unbedenkliche Phosphat- und Silikatlösungen zu. Wie beim Phosphatzusatz in Waschmitteln, der eine ähnliche Funktion hat, muss man die Dosiermenge genau der Wasserhärte, der häufig schwankenden Wasserbeschaffenheit und dem Wasserverbrauch anpassen. Das erfordert die richtige Auswahl und eine ständige fachmännische Überprüfung, Einstellung und Wartung der Anlage. Dafür entstehen natürlich Kosten: Für Wartung und Chemikalien müsst ihr im Jahr mit circa 100 bis 200 Euro rechnen.

Bei sehr hartem Wasser ist dieses Verfahren ungeeignet, weil die zugesetzte Phosphatmenge zu hoch werden würde. Phosphat belastet die Umwelt. Das sollte dadurch gemindert werden, dass nur das in die Warmwasser-Installation und in die Waschmaschine fließende Wasser behandelt wird. Die Behandlung von Kaltwasser ist in der Regel bei allen Geräten überflüssig. Dazu kommt noch ein weiterer Gesichtspunkt: Phosphatdosierungen können bei Temperaturen von mehr als 60 Grad Celsius und längerer Verweildauer des Wassers zu Schlammablagerungen führen.

Da unser Trinkwasser generell nicht steril ist, können diese Ablagerungen einen Nährboden zur Vermehrung der darin enthaltenen Mikro-Organismen bilden. Im schlimmsten Fall kann das die Bildung von Legionellen fördern. Darum auch an dieser Stelle noch einmal ein Hinweis auf das DVGW-DIN-Prüfzeichen. Nur dieses Prüfzeichen garantiert, dass die Anlage nicht nur eine wirksame Enthärtung bietet, sondern auch hygienisch einwandfrei arbeitet. Die Installation sollte nur ein beim Wasserversorger eingetragener Installateur vornehmen, mit dem ihr auch einen Wartungsvertrag abschließen solltet.

Frau wäscht Wäsche in der Waschmaschine
Eine Enthärtungsanlage verhindert, dass die Heizstäbe der Waschmaschine verkalken und sorgt für weichere Wäsche. © Getty Images/iStockphoto

Nachteile von Enthärtungsanlagen

Hartes und damit mineralreiches Wasser hat nicht nur Nachteile, es hat auch positive Effekte. Deshalb hat der Einsatz von Wasserenthärtungsanlagen auch Nachteile.

Mangelhafte Mineralstoffzufuhr

"Kann man mit dem natürlichen Kalkgehalt des Wassers leben?" lautet eine häufige Frage. Die Antwort ist: Der Mensch und die allermeisten Tiere und Pflanzen können es seit Jahrtausenden. Kalzium (Kalk) und Magnesium brauchen wir zum Aufbau der Knochen. Sie sind nicht ungesund für den Menschen. Dass kalkhaltiges Trinkwasser die Verkalkung der Arterien begünstigt, ist ein Irrglaube. Darin sind sich Experten einig. Werden Kalk und Magnesium dem Trinkwasser entzogen, mindert dies die oft ohnehin schon mangelhafte Mineralstoffzufuhr.

Hartes Wasser schützt Rohre gegen Korrosion

Darüber hinaus sorgt eine gewisse Wasserhärte dafür, dass sich im Rohrnetz eine Schutzschicht bildet, die der Korrosion entgegenwirkt. Zu weiches Wasser kann dagegen im schlimmsten Fall sogar Schwermetalle aus den Rohren lösen und das Trinkwasser damit belasten.

Spülmaschinen und neuere Waschmaschinen verfügen bereits über Enthärtungsanlagen

Man sollte auch bedenken, dass Spülmaschinen und neuere Waschmaschinen ohnehin mit Enthärtungsanlagen ausgerüstet sind. Deshalb sind für diese Geräte zusätzliche Wasserenthärtungsanlagen überflüssig.

Wann kommt eine Anlage zur Wasserenthärtung in Frage?

Das Geschäft mit den Wasseraufbereitungsanlagen lebt von der häufig übertriebenen Angst um die technische Installation, die von den Anbietern spezieller Aufbereitungsanlagen aufgebauscht wird. In der Regel ist das Trinkwasser in Deutschland so aufbereitet, dass es nicht zu Schäden im Leitungsnetz kommt. Das von den öffentlichen Versorgungsunternehmen gelieferte Trinkwasser kann gefahrlos verzehrt werden, es ist das am gründlichsten überprüfte und kontrollierte Lebensmittel.

Ihr könnt davon ausgehen, dass in den Härtebereichen "weich" und "mittel" eine Wasserbehandlung in der Regel unnötig oder unangemessen aufwändig ist. Erst bei "hartem" Wasser kann sie im Einzelfall in Frage kommen. Die Wasserwerke können euch genaue Hinweise über die kalkabscheidende Eigenschaft des örtlichen Wassers und die Notwendigkeit einer Nachbehandlung geben.

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