Tiny House auf Rädern
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170 Tiny Houses für Flutopfer im Ahrtal

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Um die Wohnungsnot nach der Flutkatastrophe zu lindern, haben drei Gemeinden im Ahrtal 170 Tiny Houses bestellt. Die sollen etwa ein Jahr lang günstig an Flutopfer vermietet werden. Danach ist eine weitere Nutzung der Minihäuser geplant.

Kein Strom, keine Heizung und die Wohnung durch das Hochwasser feucht. Die Wohnsituation im Ahrtal ist auch zweieinhalb Monate nach der Flutkatastrophe schwierig. Für den anstehenden Winter haben die drei Gemeinden Altenahr, Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig deshalb 170 Tiny Houses geordert, die Menschen als vorläufige Unterkunft dienen sollen. Damit wird es in diesen Gemeinden die größte Ansammlung von Tiny Houses in Deutschland geben – jedenfalls auf Zeit.

Die Tiny Houses sollen ab Ende Oktober und noch vor Weihnachten nach und nach aufgestellt werden.

64 davon in Altenahr, und zwar im gesamten bebauten Gebiet der Verbandsgemeinde. "So können wir all jenen ein warmes Dach über dem Kopf anbieten, die ansonsten keine Alternative haben", sagt Bürgermeisterin Cornelia Weigand. Sie rechnet damit, dass etliche bedürftige Familien mittelfristig die Tiny Houses nutzen werden, bis ihr eigenes Zuhause wieder bewohnbar ist.

Bad Neuenahr-Ahrweiler bekommt ebenfalls 64 Tinys. Sie sollen in Bad Neuenahr am Gartenschwimmbad Twin, auf der städtischen Fläche "Im Bülland" in Heimersheim sowie auf einer Privatfläche nahe des Bürgerhauses in Ramersbach stehen.

Die Stadt Sinzig erhält 42 Minihäuser, in denen sie etwa 90 Menschen unterbringen will. Wie Bürgermeister Andreas Geron sagte, soll ein Teil der Häuser in der Kernstadt auf dem Grundstück neben dem TÜV aufgestellt werden. Der andere Teil kommt in den Kurpark nach Bad Bodendorf. Es gehe darum, die Menschen, die wegen der Flutkatastrophe derzeit woanders wohnen müssen, in die Region zurückzuholen, damit sie nah bei ihrem Zuhause und ihrer Arbeit sein können, sagt Geron.

Finanziert aus Spendengeldern

Finanziert werden die 170 Minihäuser und die Erschließungskosten durch Spendengelder der Aktion "Deutschland hilft". Jedes der Tiny Houses kostet in der Anschaffung rund 60.000 Euro. Hergestellt werden sie von der Firma Caravanzeit GmbH.

Die Minihäuser messen 8,5 mal 4 Meter, haben rund 30 Quadratmeter Wohnfläche und sind voll möbliert. Sie verfügen über eine Küche mit allen Elektrogeräten, ein Badezimmer mit Toilette und Dusche sowie eine zwei mal vier Meter große überdachte Terrasse vor dem Haus. Sie werden elektrisch oder mit Flüssiggas beheizt. Einige werden auch barrierefrei sein.

Die Mieter der Tiny Houses müssen sich auf eine geringe Monatsmiete einstellen, die die drei beteiligten Kommunen noch vereinbaren. Im Gespräch sind 200 Euro Kaltmiete zuzüglich Nebenkosten.

Gemeinnützige Nachnutzung geplant

Die Mieteinnahmen sollen gemeinnützig verwendet werden. Das gilt auch für Erlöse aus einem möglichen späteren Verkauf der Häuser oder einer Nachnutzung. Guido Orthen, Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, brachte dabei die Idee auf, die Tiny Houses später als gemeinnützig geführtes Feriendorf weiter zu nutzen. Schon deshalb habe man die Hälfte der Häuser in barrierefreiem Format geordert.

Die Beherbergung der Flutopfer ist zunächst für ein Jahr geplant, bei Bedarf auch länger.

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