Tiny House-Bewohner Max Green vor seinem Tiny House
© Max Green

Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Tiny House-Bewohner Max Green und sein Tiny House on Wheels

Eva Dorothée Schmid

Tiny House-Bewohner Max Green lebt mit Frau und Kind auf 28 Quadratmetern. Sein Tiny House steht in der Nähe von Berlin auf einem Einfamilienhaus-Grundstück. Max erzählt, welche Herausforderungen und Freuden das Leben im Tiny House mit sich bringt – und was er beim nächsten Minihaus anders machen würde.

Auch in Deutschland kann man legal mit seiner Familie in einem Tiny House leben – Max Green ist das beste Beispiel dafür. Seit eineinhalb Jahren wohnt der 34-Jährige mit seiner Partnerin und seiner 15 Monate alten Tochter in einem Tiny House on Wheels in der Nähe von Strausberg in Brandenburg.

Das 28 Quadratmeter große Minihaus, das ein süddeutscher Tiny House-Hersteller gebaut hat, steht fest mit Baugenehmigung auf einem gepachteten Einfamilienhausgrundstück. Die kleine Familie hat dort ihren Erstwohnsitz. 60.000 Euro hat sie für ihr Minihaus ausgegeben, plus 15.000 Euro für die Einrichtung.

Tiny House mit Badewanne und zwei Loftbereichen

Da das Tiny House auf einem Anhänger steht, ist es nur 2,55 Meter breit und vier Meter hoch. Die Länge beträgt 9,5 Meter. Neben dem relativ großzügigen Badezimmer mit Badewanne gibt es einen offenen Wohn-Küchenbereich und zwei Lofts. Eines dient Max, seiner Partnerin und der kleinen Tochter als Schlafzimmer. Damit die Kleine nicht hinunterfallen kann, ist es mit einem Netz gesichert. Im Schlafloft ist auch der Kleiderschrank untergebracht.

Das andere nutzt Max, der selbstständig als Youtuber und Coach arbeitet und auf seiner Internetseite einen Onlineshop für nachhaltige Produkte betreibt, als Arbeitszimmer. Es ist so gebaut, dass er dort trotz der niedrigen Raumhöhe von 1,40 Metern im Sitzen arbeiten kann – die Beine baumeln dann einfach herunter.

Geheizt und gekocht wird mit Gas, für Strom sorgt eine Solaranlage mit 1,5 Kilowatt Leistung. Von April bis August ist das Tiny House damit stromautark. Es ist wie jedes andere Haus auch ganz normal ans Wasser- und Abwassernetz angeschlossen.

Für Max und seine Familie funktioniert das Tiny Living. Er plant gerade sein zweites Tiny House. Das soll nicht mehr auf Rädern gebaut werden und ein bisschen mehr Platz bieten, wenn seine Töchter – alle zwei Wochen ist seine ältere Tochter aus einer früheren Beziehung zu Gast – älter sind.

5 Fragen an Tiny House-Bewohner Max Green

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Da kamen zwei Dinge zusammen. Meine Partnerin und ich, wir haben gemerkt, dass wir in unserer 81 Quadratmeter großen, teuren Altbauwohnung sowieso nur das Wohnzimmer so richtig nutzen. Eine Bekannte von uns hatte ein Tiny House, der haben wir mal geholfen, das zu rangieren und da fragten wir sie, ob wir da nicht mal übernachten könnten. Gesagt, getan. Danach hat es bei uns Klick gemacht: Wir brauchen nicht so viel Platz und ein Tiny House ist die Lösung.

2. Welche Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Ein Grundstück zu finden und eine Baugenehmigung für unser Tiny House zu bekommen, das war eine große Hürde. Und das Ausmisten vor dem Umzug. Wir haben 80 bis 90 Prozent unserer Sachen verkauft, verschenkt oder weggeworfen. Das kostete viel Zeit und war ziemlich anstrengend – wir waren glaube ich auf 17 Flohmärkten!

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Ordnung halten und nicht zu viele Sachen ansammeln. Sich so zu organisieren, dass alles seinen Platz hat und es nicht zu unordentlich wird.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Dass alles sehr überschaubar ist und dann ist da das Gefühl von Freiheit. Das Haus gehört mir, ich bin in einer Sekunde draußen im Garten. Im Schlafloft mit seinen Fenstern habe ich das Gefühl, auf der Wiese zu liegen. Man ist einfach näher bei der Natur, das tut uns sehr gut.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House bauen würdest?

Ich würde das Tiny House ohne Räder bauen. Da ist man einfach flexibler, was die Größe und Einrichtung betrifft. Um das zulässige Gewicht von 3,5 Tonnen nicht zu überschreiten, mussten wir in Leichtbauweise bauen und das bringt ein paar Nachteile mit sich. So besteht unsere Außenschalung aus Fichte, aber eigentlich hätten wir gerne Lärchenholz genommen, weil das viel langlebiger ist und nicht so oft gestrichen werden muss. Auch die Küchenmöbel sind nicht so robust und langlebig, da muss man immer vorsichtig mit umgehen. Die tragenden Elemente von Möbeln, zum Beispiel in der Küchenzeile, würde ich das nächste Mal aus Hartholz machen.

Max Greens Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Verbringt unbedingt mal eine Nacht oder sogar eine ganze Woche zur Probe in einem Tiny House, vor allem wenn euer Partner noch nicht so von der Idee überzeugt ist, in einem Tiny House zu leben. Und wenn ihr danach sicher seid, dass ein Tiny House was für euch ist, traut euch einfach und schaut, was passiert.

Was die Baugenehmigung betrifft, würde ich empfehlen, von vornherein bei der Gemeinde mit offenen Karten zu spielen und den offiziellen Weg zu gehen. Zum Beispiel mit einem Architekten, der den Bauantrag einreicht, auch wenn das alles sehr bürokratisch ist.

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