Älterer Mann sitzt in Sessel in Haus und liest ein Buch
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Wohnen | News

Neue Studie regt an: Könnten Senioren Wohnraum für Jüngere schaffen?

Katharina Schneider

Katharina Schneider

In Deutschland herrscht Wohngungknappheit – das ist nichts Neues. Eine Studie schlägt nun vor, dass Senioren ihre großen Wohnungen aufgeben sollen, um mehr Wohnraum zu schaffen. Den älteren Menschen müssten aber aktiv Alternativen angeboten werden.

Der Wohnungsmangel in Deutschland ist nach wie vor groß. Bauen, bauen, bauen lautet deshalb die Devise, die Bundesbauminister Horst Seehofer ausgerufen hat. Doch es gibt auch eine andere Möglichkeit, um mehr Wohnraum zu schaffen: Wenn Senioren in kleinere Wohnungen ziehen. Das zumindest legt eine Studie des Immobilienentwicklers Pantera im Auftrag des Forschungsinstituts YouGov nahe. An der Online-Umfrage nahmen im April 2.095 Menschen ab 16 Jahren aus allen Bundesländern teil.

Demnach kennen 73 Prozent der Befragten ältere Menschen, die alleine in Häusern und Wohnungen leben, in denen sie zuvor mit mehren Menschen zusammengewohnt haben. Das werde oft dort beobachtet, wo viele im eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung leben "besonders also in Westdeutschland", sagt Pantera-Chef Michael Ries.

Dabei sind laut Umfrage auch mehr als die Hälfte der Deutschen (53 Prozent) bereit, im Alter in kleinere Wohnungen zu ziehen. Die Umzugsbereitschaft ist dabei in Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen am größten. Im Osten ist sie geringer. Am geringsten ist sie in Brandenburg. Dort würden die wenigsten Senioren eine große zugunsten einer kleineren Wohnung aufgeben.

Alternativen anbieten schafft mehr Wohnraum

Laut Pantera leben alleinlebende Senioren mit Wohneigentum in Deutschland auf durchschnittlich 100 Quadratmetern. In der Regel kommt das dadurch zustande, dass der Lebenspartner verstorben und die Kinder ausgezogen sind – die Menschen aber ihre Wohnung nicht verlassen. "Bietet man diesen Menschen durch passgenau Projektentwicklungen attraktive Alternativen auf kleinerem Raum, kann in den bisher genutzten Immobilien insbesondere für größere Familien neuer Wohnraum entstehen", sagt Ries.

Ältere Menschen müssten "angemessene Angebote zum Umzug in kleinere Wohnungen bekommen", sagt der Pantera-Vorstand. So könnte durch Aus, - An- und Umbauten in frei werdenden Häusern und Wohnungen in Städten wie Hamburg oder Berlin rund eine Million Quadratmeter neuer Wohnraum entstehen. Das größte Potenzial hätten nach Berechnungen Heilbronn, Salzgitter, Bremen und Saarbrücken.

"Bundesweit könnten auf diese Weise insgesamt leicht mehr als zehn Millionen Quadratmeter neuer Wohnraum zur Verfügung stehen", sagt Ries.

Babyboomer wollen Wohnraum nicht aufgeben

Besonders die nächste Rentnergeneration, die sogenannten Babyboomer, sperrt sich laut Umfrage vehement gegen eine Wohnraum-Verkleinerung im Alter. Diese Generation der zwischen 1955 und 1969 Geborenen sei deutlich sperriger als die übrigen Erwachsenen, heißt es in der Studie. Die größte Umzugsbereitschaft hätten demnach Familien mit minderjährigen Kindern.

Also Lösung schlägt Pantera sogenannte "Serviced Apartments" vor: Das sind Wohnungen mit einem bis drei Zimmern und dazu buchbaren Dienstleistungen wie Reinigungs- oder Wäscheservice, Einkaufshilfen oder Notfallüberwachung. Den Umzug in so eine Wohnung können sich 54 Prozent der Befragten vorstellen, 25 Prozent lehnen ihn grundsätzlich ab, jeder Fünfte ist unentschieden. In den Bundesländern, in denen die Umzugsbereitschaft am höchsten ist, ist auch das Interesse an den Serviced Apartments am größten.

Trend geht in Single-Haushalten zu mehr Wohnraum – besonders bei Älteren

Seit Jahren geht der Trend in Deutschland zu einer größeren Wohnfläche – besonders bei Ein-Personen-Haushalten. So lebten im Jahr 2014, als zuletzt eine entsprechende Datenerhebung stattfand, Menschen in Single-Haushalten auf im Schnitt 66,7 Quadratmetern. Das gilt allerdings nicht für Großstädte, wo die Bewohner deutlich weniger Wohnraum zur Verfügung haben als noch vor einigen Jahren.

In Zwei-Personen-Haushalten habe die Wohnfläche pro Kopf aber nur bei 48 Quadratmetern gelegen, heißt es vom Umweltbundesamt. Lebten drei Menschen in einer Wohnung, hatte jeder durchschnittlich nur 30,6 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung.

Auch die Anzahl der Senioren, die alleine leben, ist in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Laut Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung sowie des Statistischen Bundesamtes ist der Anteil der Senioren, die im Eigentum leben, seit 1978 von 40 auf 55 Prozent gestiegen. Menschen über 75 Jahren lebten demnach im Jahr 2002 auf im Schnitt 75 Quadratmetern, 1978 waren es noch 55 Quadratmeter.

Im gleichen Zeitraum ist der durchschnittlich Wohnraum jüngerer Menschen in etwa gleichgeblieben. Er liegt unter 50 Quadratmetern.

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