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Nachhaltiges Holz: Was die Öko-Siegel FSC, PEFC und Naturland wirklich aussagen

Albert Linner

Level: Für Alle

Holz ist nicht gleich Holz. Für Verbraucher gibt es mittlerweile zahlreiche Öko-Siegel, die Holz aus nachhaltiger Produktion auszeichnen. Wir stellen euch die wichtigsten vor.

Klimafreundlich, natürlich, nachhaltig – Holz erlebt als Baustoff eine Renaissance, insbesondere nachhaltiges Holz ist gerade extrem gefragt. Doch nicht nur die Baubranche setzt verstärkt auf Holz, auch Massivholzmöbel liegen im Trend.

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Das liegt auch daran, dass der Umweltschutz immer stärker in den Fokus rückt: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, seine Verarbeitung verbraucht im Vergleich zu anderen Materialen wenig Energie. Der Baustoff der Zukunft für viele Experten.

Trotzdem: Holz ist nicht gleich Holz. Raubbau, Plantagenwirtschaft, einseitige Anpflanzung – nur weil Holz ein Naturprodukt ist, ist es damit nicht gleich nachhaltig. Damit der Verbraucher weiß, welches Holz er mit seinem grünen Gewissen vereinbaren kann, gibt es mittlerweile zahlreiche Öko-Siegel, die Holz aus nachhaltiger Produktion auszeichnen.

Die wichtigsten Öko-Siegel für nachhaltiges Holz im Überblick

Fünf ganz unterschiedliche Zertifizierungs-Systeme: Wer dahinter steht, was sie genau bewerten, wer sie empfiehlt.

1. FSC – Forest Stewardship Council

Siegel des Forest Stewardship Council (FSC)

Eines der verbreitetsten Zertifizierungssysteme für Holz wird vom Forest Stewardship Council (FSC) vergeben. Der FSC, eine unabhängige Nichtregierungsorganisation, gründete sich 1993 auf der Weltklimakonferenz in Rio de Janeiro, heute hat er seinen Sitz in Bonn. Der FSC ist weltweit in mehr als 80 Ländern tätig und weist alle erdenklichen Holzarten aus – vorausgesetzt, sie entsprechen den strengen Kriterien.

Die Anforderungen an die FSC-Auflagen sind vergleichsweise streng. Dazu gehören neben der umweltfreundlichen und nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern auch die sozialen Bedingungen, unter denen das Holz produziert wird.

Für die Forstwirtschaft hat der FSC zehn international verbindliche Prinzipien und 56 Kriterien entwickelt. Ob diese Regeln eingehalten werden, wird von unabhängigen Gutachtern sichergestellt. Ein Zertifikat ist für fünf Jahre gültig, anschließend erfolgt eine neue Prüfung. Unter anderem wird untersucht, ob der Erhalt der biologischen Vielfalt gewährleistet wird und ob Wasserressourcen erhalten bleiben. Dazu kommen spezielle länderspezifische Kriterien, wie der Schutz indigener Völker.

Es gibt drei Varianten des FSC-Siegels:

FSC 100%: Die Produkte bestehen komplett aus Holz aus FSC-zertifizierten Wäldern.

FSC Mix: Mindestens 70 Prozent des Holzes für ein Produkt sind aus FSC-zertifizierten Wäldern oder Post-Consumer-Recycling-Material. Das heißt, das im Produktionsprozess keine Abfälle entstanden sind. Die restlichen maximal 30 Prozent des Produkts kommen aus kontrollierten Quellen.

FSC Recycled: Das komplette Produkt besteht aus recyceltem Material, mindestens 85 Prozent davon aus Post-Consumer-Recycling-Material.

In Deutschland sind derzeit rund 1,36 Millionen Hektar Wald FSC-zertifiziert, weltweit sind es über 200 Millionen Hektar. Rund 2240 deutsche Unternehmen verfügen über eine Zertifizierung ihrer Produktkette nach FSC-Standards. Das Siegel wird von großen Umweltverbänden wie WWF, Nabu und Bund unterstützt. Greenpeace hingegen ist im Frühjahr 2018 aus dem FSC ausgetreten. Dennoch empfiehlt die Umweltschutzorganisation FSC als "einzig glaubwürdiges Siegel für ökologische Waldwirtschaft".

2. PEFC – Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes

Siegel des "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes" (PEFC)

Das gemeinsam mit dem FSC-Siegel wichtigste Zertifizierungssystem für nachhaltiges Holz ist das PEFC-Siegel. Es wird vom weltweit tätigen "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes" (PEFC) vergeben und 1997 als speziell europäisches System eingeführt. Nach eigenen Angaben ist das PEFC die weltweit größte unabhängige Organisation für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Der übergeordnete PEFC-Council hat seinen Sitz im schweizerischen Meyrin.

Weltweit sind mehr als 258 Millionen Hektar Wald mit dem Öko-Siegel PEFC zertifiziert. In Deutschland sind es rund 7,3 Millionen Hektar, was zwei Drittel des heimischen Waldes entspricht. Die Kriterien für das PEFC-Siegel sind unter anderem der Aufbau von standortgerechten Mischbeständen, der Erhalt eines angemessenen Totholzvorrats, das Unterlassen von Kahlschlägen, die Schonung des Bodens beim Einsatz von Maschinen und die Vermeidung von Pestiziden und Tier- und Pflanzenarten.

Ein großer Unterschied zum FSC-Siegel ist, dass die Vergabe hier auf Basis einer Selbstverpflichtung vergeben wird. Auch werden Regionen pauschal bewertet und die regelmäßigen, unabhängigen Kontrollen, die der FSC durchführt, finden hier nicht statt. Außerdem bleiben Pestizideinsätze möglich – sie sind nur falls möglich zu vermeiden. Daher ist nach Auffassung vieler Umweltverbände wie WWF, Greenpeace, Nabu und BUND das PEFC-Siegel nicht dazu geeignet, den Wald dauerhaft zu schützen.

3. Öko-Siegel Naturland

Holz Öko-Siegel Naturland

Das Öko-Siegel Naturland übertrifft teilweise noch die Anforderungen des FSC-Siegels. Es wird vom Verband für ökologischen Landbau, der in den 80er Jahren gegründet wurde, vergeben. Die Zertifizierungsaspekte wurden 1995 von Naturland und den Umweltverbänden BUND, Greenpeace und Robin Wood entwickelt. Das Öko-Siegel zertifiziert ausschließlich Betriebe und ist nur in Deutschland zu finden. Es kann vorkommen, dass ein Produkt ein Naturland- und FSC-Siegel trägt.

Ähnlich wie beim FSC werden die Betriebe regelmäßig von unabhängigen Inspektoren geprüft. Die Prüfung erfolgt mindestens alle fünf Jahre. Das liegt daran, dass Naturland Mitglied im FSC ist. Bei allen Naturland-zertifizierten Betrieben gilt: Die FSC-Standards müssen eingehalten werden.

Derzeit bewirtschaften deutschlandweit 18 kommunale und private Waldbetriebe eine Waldfläche von über 53.000 Hektar nach den Naturland-Richtlinien.

4. Rainforest Alliance

Siegel der Rainforest Alliance

Die Rainforest Alliance wurde 1987 gegründet und hat ihren Sitz in New York. Das Öko-Siegel verspricht, dass sich mit dem Kauf der ausgezeichneten Produkte ein gesünderer Planet unterstützen lässt und sich die Lebensqualität für Menschen in landwirtschaftlicher Gemeinschaften verbessert. Die Organisation zertifiziert Produkte in 37 Ländern, darunter in erster Linie Kaffee, Schokolade und andere Lebensmittel.

Bereits 1989 führte die Rainforest Alliance das Smart Wood Programm ein, das sich auf nachhaltiges tropisches Holz konzentriert. Dabei arbeitet die Organisation bei ihrem Öko-Siegel für Holz nach FSC-Kritierien. Der Rainforest Alliance wird vorgeworfen, nicht ausreichend strenge Standards zu besitzen und der Industrie zu nahe zu stehen.

5. Nature Plus

Siegel der Nichtregierungsorganisation Natureplus

Die Nichtregierungsorganisation Natureplus hat es sich zum Ziel gemacht, nachhaltiges Bauen zu fördern. Mitglieder im 2001 gegründeten Verein sind Fachleute aus der Baustoff-Industrie, dem Handel, der Bauwirtschaft sowie Umweltschutzverbände wie der BUND.

Ausgezeichnet werden Baustoffe, die zumindest zu 85 Prozent aus nachwachsenden und mineralischen Rohstoffen bestehen. Bei nachwachsenden Ressourcen wie Holz ist die Voraussetzung für das Öko-Siegel, dass sie aus nachhaltigem Anbau stammen. Für die Zertifizierung von Holz bedeutet das zum Beispiel den weitgehenden Verzicht von Pestiziden, die Vermeidung von Rohstoffen aus Plantagenwirtschaft, kein Einsatz von Holz aus Raubbau und eine möglichst hohe Unterstützung von nachhaltiger Forstwirtschaft.

Unser Fazit zu nachhaltigem Holz

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte darauf achten, dass Holz mit dem Öko-Siegel FSC oder Naturland ausgezeichnet ist. Beide werden von den großen Umweltschutzverbänden empfohlen.

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