Innenarchitektin steht am Schreibtisch und schaut auf Grundrisszeichnung
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Wohnen | Ratgeber

Was gute Innenarchitekten können und kosten

Joscha Thieringer

Joscha Thieringer

Sicherlich wart ihr auch schon mal in einer Wohnung, in der alles stimmte. Möbel, Wandfarben, Materialien, Deko - einfach alles perfekt. Gute Interior Designer wissen, wie man eine besondere Atmosphäre zaubert. Wir verraten, was gute Innenarchitekten können und kosten.

"Wozu benötige ich eigentlich einen Innenarchitekten? Einrichten kann ich doch auch selbst!" – solche Sätze hört man immer wieder mal. Interior Designer mögen es natürlich nicht, wenn leichtfertig die Daseinsberechtigung einer ganzen Berufsgruppe angezweifelt wird. Oft nur, weil deren Job (noch) nicht verstanden hat.

Interior Designer bedeutet nicht Innenarchitekt

Gut zu wissen: "Interior Designer" ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jemand, der sich so nennt, muss nicht unbedingt studiert oder eine bestimmte Ausbildung genossen haben.

Innenarchitekten sind auch keine Raumausstatter. Und keine Dekorateure. Aber eben auch keine Architekten, obwohl natürlich viele Grundlagen, die ein Architektur-Studium beinhaltet, auch von Innenarchitekten gelernt und angewendet werden. Ein ausgeprägter Sinn für Räume, Licht, Klang, Formen und Materialien gehört selbstverständlich auch zu ihrer Arbeit.

Die Bezeichnung Innenarchitekt ist in Deutschland geschützt. Nach dem Studium der Innenarchitektur (Abschluss Bachelor oder Master) folgt der praktische Teil. "Nach einer zwei- bis dreijährigen Praxiszeit kann die Eintragung in eine Architektenkammer beantragt werden. Erst nach erfolgreicher Kammereintragung darf die Berufsbezeichnung 'Innenarchitektin' oder 'Innenarchitekt' benutzt werden", informiert der Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA).

Wie in anderen Berufen gilt auch hier: Ein Studium bedeutet nicht automatisch, dass Innenarchitekten bessere Arbeit abliefern als unstudierte Interior Designer. Aber durch die Mitgliedschaft in der Architektenkammer ist ein Qualitätsstandard gewährleistet. Was auch in Haftungsfragen hilfreich sein kann.

Wie Innenarchitekten arbeiten

Private Bauherren sparen sich gerne die Beauftragung eines Innenarchitekten. "Ich habe doch einen Architekten, das reicht" – auch diesen Satz kennen Interior Designer. Aber was ist wichtiger: Wie das Haus aufgebaut ist oder wie es sich anfühlt, wenn man sich darin aufhält?

Innenarchitekten stellen die Bewohner in den Mittelpunkt ihrer Planungen.

Eva Brenner, Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur und TV-Star

Viele Architekten planen ein Haus von außen nach innen. Ein guter Interior Designer wirkt aus der anderen Richtung: Sie stellen die Bewohner in den Mittelpunkt ihrer Planungen und sorgen dafür, dass sie sich später auch wohlfühlen.

Eine wichtige Eigenschaft eines guten Innenarchitekten ist daher eine hervorragende Menschenkenntnis. Ihm sollte es äußerst wichtig sein, seine Auftraggeber gut kennenzulernen und genau zu verstehen, was sie bewegt. Es bringt ja nichts, wenn am Ende der Innenarchitekt der Einzige ist, der happy ist.

Was alle Innenarchitekten verbindet, ist sicherlich eine enorme Leidenschaft für Design. Das ist mehr als ein Job. Und genau das solltet ihr den Innenarchitekten, denen ihr euer Projekt anvertrauen wollt, auch anmerken.

Zum Selbstverständnis eines passionierten Interior Designers gehört es dazu, immer im Einsatz zu sein: Sie sind viel unterwegs und scannen die Umgebung ständig nach schönen Dingen. Ihre Projekte profitieren dann hoffentlich von diesen Inspirationen.

Flatlay für Einrichtung
Interior Designer nutzen häufig sogenannte "Flatlays"(flach hinlegen), um zu veranschaulichen, wie ausgewählte Materialien und Farben in puncto Einrichtung harmonieren. © Getty Images/istock/Thurtell

So findet ihr den richtigen Innenarchitekten

Aber wie findet ihr einen Innenarchitekten, der zu euch passt? Legt euch am besten nicht zu früh auf einen fest, sondern nehmt mit mehreren Kontakt auf. Vorgespräche sind – und das wissen längst nicht alle – kostenlos. In diesen Gesprächen können Bauherren ihre Fragen loswerden und den Stil des Innenarchitekten kennenlernen. Lasst euch ruhig abgeschlossene Projekte zeigen und prüft, ob euch der Stil gefällt.

Noch ein Tipp, wenn ihr nach einem Innenarchitekten sucht: Der Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA) hat eine schöne Internetseite, auf der man sich die Mitglieder unter anderem nach Ort oder Postleitzahl anzeigen lassen kann.

Eine weitere Möglichkeit: Wenn ihr euch in einer Räumlichkeit - einem Hotel, einem Restaurant oder vielleicht auch einem Büro - mit einem überwältigenden Ambiente aufhaltet, dann fragt die Mitarbeitenden doch einfach nach den Innenarchitekten. Persönliche Empfehlungen sind oft die beste Art, seine eigenen Innenarchitekten zu finden.

Was ihr von Innenarchitekten erwarten dürft

Was bei einem Bauprojekt eure Nerven schont: Innenarchitekten übernehmen auch einen Teil der Bauleitung und koordinieren Handwerker und Lieferanten. Sie müssen also auch gute Projektmanager sein, die stets die rechtzeitige und optimale Fertigstellung im Blick haben.

Die Aufgaben eines studierten Innenarchitekten lauten bei der Bundesagentur für Arbeit übrigens so: "Innenarchitekten und -architektinnen gestalten Gebäudeinnenräume. Sie entwerfen und planen Inneneinrichtungen. Dabei berücksichtigen sie gestalterische, bautechnische, wirtschaftliche, ökologische, funktionale und soziale Aspekte."

Diese Anforderungen stehen sich manchmal gegenseitig im Wege. Für euch als Auftraggeber bedeutet das: Priorisiert eure Wünsche und teilt eurem Innenarchitekten nach Möglichkeit genau mit, was ihr euch wünscht. Im Idealfall bringt ihr auch schon eine Ideensammlung in Form eines analogen oder digitalen Moodboards mit. Das kann zum Beispiel eine Pinnwand bei Pinterest sein, auf der ihr eure Ideen sammeln könnt.

Beispielhaft einige Leistungen, die Innenarchitekten erbringen können:

  • Beratung und Betreuung der Auftraggeber in allen mit der Planung und Ausführung zusammenhängenden Fragen,
  • aber auch einfache Einrichtungsberatung,
  • Farbberatung und Farbkonzept (zum Beispiel mit Trendfarben),
  • Erstellung der Bauvorlagen,
  • Koordination und Leitung der Planung und Ausführung,
  • Ermittlung der Baukosten und Rationalisierung von Planung und Ausführung.
Moodboard eines Interior Designers
Ein guter Interior Designer visualisiert Einrichtungsideen für seinen Kunden mithilfe eines Moodboards. © Getty Images/iStockphoto/Creativebird

Was kosten Innenarchitekten?

Die meisten Innenarchitekten sind auf Stundenbasis tätig, möglich ist aber auch ein Pauschalhonorar. Die "Honorarordnung für Architekten und Ingenieure" (HOAI) gilt jedenfalls nicht mehr, auch wenn sich noch einige Innenarchitekten daran orientieren.

Stundenhonorare von Innenarchitekten liegen meist zwischen 90 und 150 Euro, oftmals plus Mehrwertsteuer. Bei einem Vor-Ort-Termin bei euch kommen meist Anfahrtskosten hinzu.

Eine einfache Einrichtungsberatung umfasst - je nach Objekt - etwa zwei bis fünf Stunden. Soll ein Neubau oder Umbau vom Innenarchitekten umfassend betreut werden, wird es dementsprechend teurer.

Wichtig: Sprecht vor der Beauftragung offen über euer Budget und lasst euch auf alle Fälle einen Kostenvoranschlag erstellen. Vergleichen lohnt sich auf alle Fälle!

Innenarchitektin sitzt mit Paar an Tisch
Wie viel ein Innenarchitekt oder Interior Designer kostet, hängt auch vom Beratungsumfang ab. © istock/getty images/Anchiy

Fazit: Ihr solltet einen Innenarchitekten beauftragen...

  • wenn das Innendesign eurer Räumlichkeiten besonders wichtig ist.
  • wenn ihr eine Zweitmeinung zu euren eigenen Ideen einholen wollt.
  • wenn ihr über das nötige Budget verfügt (siehe Kosten).
  • wenn ihr ein wenig Vertrauen mitbringt.
  • wenn ihr mit euren Räumlichkeiten eine bestimmte Stimmung erzeugen wollt.
  • wenn ihr selbst zu wenig Zeit (und Talent) für Interior Design mitbringt.
  • wenn ihr komplexe Dinge wie Genehmigungsanträge, Handwerker-Suche, -Beauftragung oder Bauarbeiten-Beaufsichtigung auslagern wollt.

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