Beispiel eines Balkonkraftwerkes auf einem Balkon
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Modernisieren | Ratgeber

Balkonkraftwerk: Vorteile, Nachteile und Kosten der Mini-PV-Anlage

Dirc Kalweit

Modul aufstellen, Stecker rein, fertig. Balkonkraftwerke versprechen die eigene Stromgewinnung auf einfachste Art. Aber wie funktioniert eine solche Mini-Photovoltaik-Anlage? Und was gibt es bei Installation und Betrieb zu beachten?

Über eine Mini-Photovoltaik-Anlage, auch als Balkonkraftwerk, Plug and Play Solaranlage oder Mini Solaranlage bekannt, könnt ihr euren eigenen Strom erzeugen und auch verbrauchen. Wie das genau funktioniert, was es kostet und vor allem welche rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen es gibt, das erfahrt ihr hier.

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Die Idee ist so simpel wie bestechend: Kleine Solarmodule, die zum Beispiel am Balkon befestigt sind, produzieren Strom. Der wird über einen ganz normalen Stecker ins heimische Stromnetz eingespeist – und dann verbraucht.

Technisch gesehen funktioniert das tadellos. In den Niederlanden, Österreich und der Schweiz beteiligen sich die Bürger schon seit längerem an der dezentralen Stromversorgung. Das liegt vor allem an den dort geltenden, vereinfachten Regelungen für die Gewinnung und Einspeisung von Strom aus solchen Mini-PV-Anlagen.

Unterschiedliche Interessenlagen bei Balkonkraftwerken

Hierzulande fristen Balkonkraftwerke (noch) ein Nischendasein. Ein Grund dafür sind die unterschiedlichen Interessensgruppen mit teils widersprüchlichen Positionen. Da wären zum einen die großen Netzbetreiber. Sie bekommen Geld für jede verbrauchte Kilowattstunde Strom. Reduziert sich dieser Verbrauch durch Eigenstrom, dann verdienen sie weniger. Dazu gesellt sich unter anderem noch der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V). Er hat Bedenken in Bezug auf den sicheren Betrieb solcher Anlagen.

Demgegenüber steht zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Sie war am Normungsverfahren für den Betrieb von Balkonkraftwerken beteiligt und will die dezentrale Energieversorgung vorantreiben. Dafür betreibt die DGS eine eigene Webseite, die sich mit allen Fragen rund um Mini-PV-Anlagen beschäftigt.

Wir versuchen an dieser Stelle, euch möglichst neutral das Für und Wider solcher Balkon-Solaranlagen darzulegen und die wichtigste Fragen zu beantworten.

Aus welchen Komponenten besteht ein Balkonkraftwerk?

Eine der wichtigsten Eigenschaften eines Balkonkraftwerks ist der simple Aufbau. Eine solche Anlage besteht nur aus dem Solarmodul, einem Wechselrichter (der die Gleichspannung aus dem Modul in eine Wechselspannung umwandelt) und dem Stecker. Dazu kommt maximal noch das Material zur Montage (zum Beispiel an Balkonen), es gibt aber auch Modelle, die ihr einfach aufstellen könnt.

Wie funktioniert eine Mini-Solaranlage?

Denkbar einfach. Das Solarmodul (oder auch mehrere, die untereinander verbunden werden) wandelt – wie bei fest verbauten Photovoltaikanlagen auch – die Sonnenenergie in Strom um. Dabei handelt es sich um Gleichstrom (DC). Ein Wechselrichter wandelt diesen in Wechselstrom (AC) um. Dieser Strom ist jetzt sozusagen "gebrauchsfertig". Steckt ihr den verbundenen Netzstecker in eine Steckdose, dann wird der vom Solarmodul gewonnene Strom in das hauseigene Stromnetz eingespeist. Deshalb ist oft auch von "Plug and Play Solaranlagen" die Rede.

Dabei gilt: Haushaltsgeräte ziehen sich immer erst den Strom des Solar-Gerätes, dann erst den Netzstrom.

Beispielinstallation eines Balkonkraftwerkes an einer Fassade
Die Solarmodule der Mini-PV-Anlage lassen sich fast überall installieren. © indielux

Was kostet ein Balkonkraftwerk, welche Modelle gibt es?

Solarmodule für den Balkon sind schon ab rund 300 Euro zu haben. Ob sie dann auch etwas taugen, ist eine andere Frage. In der Marktübersicht der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) listet der Verein rund 80 Modelle inklusive Hersteller, Preise und Leistungsdaten auf.

Die Modelle, die die von der DGS festgelegten Sicherheitsstandards erfüllen, kosten zwischen 400 und 1.000 Euro.

Weitere Marktübersichten zu Balkonkraftwerken findet ihr auch auf folgenden Seiten:

Der Klapptisch als Kraftwerk

Mittlerweile beschränkt sich die Idee der mobilen Solarmodule nicht mehr allein nur auf die Nutzung auf dem Balkon oder Flachdächern. Peter Frerkes vertreibt über die Webseite Solarklapptisch eigens von ihm produzierte Tische für Garten und Camping. Das Besondere daran: Die Tischplatte selbst ist eines der Mini-PV-Module, wie sie auch bei den Balkonkraftwerken zum Einsatz kommt.

Wird die Kaffee- oder Grilltafel abgeräumt, speichert das Modul wie gewohnt die Sonnenenergie. Und auch hier lässt sich der gewonnene Strom über einen Stecker einspeisen und sofort nutzen. Die Tische gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Größen, die Preise liegen zwischen 850 und rund 1.100 Euro

Wie viel Strom kann ein Balkonkraftwerk produzieren und wie viel Geld spart man damit?

Laut Holger Laudeley, Gründer von Laudeley Betriebstechnik und überzeugter Vertreter der dezentralen Stromversorgung, erzeugt eines seiner Module rund 250 bis 280 Kilowattstunden pro Jahr. Ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt verbraucht rund 3.000 Kilowattstunden im Jahr (Quelle: Stromvergleich.de) Wer ein Balkonkraftwerk installiert, muss also knapp zehn Prozent weniger Strom vom Netzbetreiber beziehen. Oder anders gesagt: Bei einem Strompreis von rund 30 Cent pro Kilowatt spart ihr im Jahr circa 80 Euro.

Wie lange hält eine Mini-PV-Anlage?

Das hängt natürlich vom Hersteller ab. Holger Laudeley beispielsweise gibt auf seine Module 30 Jahre, auf den Wechselrichter zehn Jahre Garantie.

Darf ich ein Balkonkraftwerk einfach so betreiben?

Ab jetzt wird es knifflig. Denn die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb einer Mini-PV-Anlage (oder auch "steckerfertige Solaranlage") sind größtenteils geklärt – und doch auch wieder nicht.

Ein Mini-PV-Modul darf offiziell betrieben werden, wenn zwei Grundvoraussetzungen erfüllt sind:

  1. Die Leistung des Moduls oder der Module beträgt nicht mehr als 600 Watt.
  2. Der Stromzähler ist ein Zähler mit Rücklaufsperre.

Letztere ist wichtig, weil die Einspeisung des selbst gewonnenen Stroms sonst den Zähler verlangsamt oder sogar unter Umständen rückwärts laufen lässt. Bei den alten, so genannten Ferraris-Zählern (schwarzes Gehäuse, silberne Drehscheibe mit roter Markierung) kann das passieren. In diesem Fall müsst ihr über den Netzbetreiber (nicht über den Energieanbieter) einen Austausch des Zählers beantragen.

Und da können die Problem schon anfangen. Denn die Netzbetreiber stellen sich häufig quer, wenn es um die Installation privater Balkonkraftwerke geht. Aber muss ein Netzbetreiber das überhaupt wissen? Es stellt sich die Frage, ob so ein Balkonkraftwerk überhaupt anmeldepflichtig ist.

Mit den Balkonkraftwerken soll die Energiewende von unten gelingen. © Energieagentur Kreis Konstanz

Muss ich die Mini-PV-Anlage anmelden?

Es gibt im Prinzip zwei Institutionen, die für ein Balkonkraftwerk zuständig sind – jedenfalls in der Theorie:

Anmeldung bei der Bundesnetzagentur

Photovoltaik-Anlagen werden in Deutschland bei der Bundesnetzagentur angemeldet und ins Marktstammdatenregister eingetragen. Das gilt auch für "ortsfeste Steckdosen-Solarmodule". Dagegen gibt es für "nicht ortsfeste Einheiten" keine Registrierungspflicht. Das Dumme ist nur: Es ist bisher überhaupt nicht geklärt, wann ein Steckdosen-Solarmodul ortsfest ist und wann nicht...

Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, der kann seine Anlage gebührenfrei im Markstammdatenregister eintragen.

Anmeldung beim Netzbetreiber

Die so genannte "Niederspannungsanschlussverordnung" (NAV) fordert bei Eigenanlagen, die in das öffentliche Netz einspeisen, eine Anmeldung beim Netzbetreiber. Aber: Ob das steckbare Solargerät überhaupt eine Eigenanlage ist, auch dafür gibt es keine verbindliche Regelung.

Trotzdem ist es ratsam, den Netzbetreiber zu informieren. Wenn ihr gegebenenfalls den Zähler tauschen müsst, muss das sowieso passieren. Dafür reicht laut DGS ein formloses Anschreiben. Infos zum Meldeverfahren inklusive Musterbrief findet ihr auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS).

Einige Netzbetreiber bieten ein eigenes Meldeformular an. Erkundigt euch im Zweifelsfall, über welchen Weg euer Netzbetreiber die Anmeldung annimmt. Letzten Endes kann euch der Netzbetreiber den Betrieb einer Mini-PV-Anlage nicht verwehren.

Wie sicher ist ein Balkonkraftwerk?

Neben der Anmeldung ist auch der korrekte Betrieb einer Mini-PV-Anlage ein Streitthema. Die DGS schreibt auf ihrer Webseite: "Ein bis zwei Photovoltaik-Module können mit einem Wechselrichter über einen Schukostecker direkt an das häusliche Stromnetz angeschlossen werden." Die Gesellschaft verweist dabei auf umfassende Sicherheitsuntersuchungen, die in Zusammenarbeit mit renommierten Partnern vorgenommen wurden und die in die Sicherheitsstandards der DGS übernommen wurden.

Der VDE widerspricht dem. Auch er hat eine Seite mit FAQs zu steckerfertigen PV-Anlagen eingerichtet. Dort heißt es klipp und klar: "Der Anschluss der Anlagen darf nur über eine spezielle Energiesteckvorrichtung (...) erfolgen".

Bei Parteien berufen sich bei ihrer Argumentation auf die Neuregelung der Installationsnorm VDE 0100-551. Das zeigt, dass Normen längst nicht so eindeutig sind, wie wir uns das als Endverbraucher vorstellen.

Das Label für sichere Stromerzeugungsgeäte der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie
Mit diesem Label kennzeichnet die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie aus ihrer Sicht sichere Stromerzeugungsgeräte.

Fazit: Lohnt sich für mich der Kauf eines Balkonkraftwerks?

Zwei Millionen Mini-Module entsprechen laut einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks zum Thema Balkonkraftwerk einem Kohlekraftwerk. Die Masse macht es, und eine Energiewende von unten wird von vielen propagiert, die die Fokussierung auf Stromtrassen und Windparks zu einseitig finden.

Der Kauf einer Mini-PV-Anlage für den Balkon amortisiert sich über den Daumen so nach sechs bis acht Jahren. Die kinderleichte Installation ist ein echter Pluspunkt. Dagegen stehen die Sicherheitsbedenken. Allerdings ist (bisher) noch kein Fall bekannt, in dem eine steckerfertige Solaranlage zu elektrischen Unfällen geführt hat.

Um euch die Entscheidung zu erleichtern, hier nochmal zusammengefasst die Vorteile und Nachteile von Mini-PV-Anlagen:

Vorteile von Balkonkraftwerken

  • einfache Installation
  • überschaubare Investitionskosten
  • Strom wird sofort zur Verfügung gestellt
  • Mini-PV-Anlagen sind portabel, das heißt, bei einem Umzug könnt ihr sie einfach mitnehmen
  • eignen sich auch für Mieter, nicht nur für Eigentümer

Nachteile von Balkon-Solaranlagen

  • Mini-PV-Anlagen amortisieren sich erst nach mehreren Jahren
  • die inhaltlich-technische Auslegung der zugrunde liegenden Norm ist noch nicht eindeutig geklärt
  • Verbrauch des selbst produzierten Stroms kann nicht geregelt werden. Wird mehr Strom produziert, als man selbst gerade verbraucht, dann wird dieser ohne Vergütung ins öffentliche Netz eingespeist.

Ihr habt noch viele Fragen zu dem Thema und wollt mehr wissen? Weitere Infos und Tipps aus der Praxis zum Thema Balkonkraftwerk gibt es in diesem Video:

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