Heike und Erik vor ihrem Tiny House
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Wohnen | Statement

Heikes und Eriks Tiny Wohnglück: Von 175 auf 35 Quadratmeter

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Vor drei Jahren sind Heike und Erik in ein 35 Quadratmeter großes Tiny House auf einem Campingplatz im baden-württembergischen Rheinmünster gezogen. Warum sie sich nicht mehr vorstellen können, in einer größeren Wohnung zu leben, erzählen sie in unserer Serie Tiny Wohnglück.

Das Tiny House von Heike und Erik muss aussehen wie ein Zelt. Das fordert die baden-württembergische Campingordnung. Da Heike und Erik seit drei Jahren auf einem Campingplatz in unmittelbarer Nähe zum Rhein leben, ist ihr 25 Quadratmeter großes Holzhaus also mit einer rot-weiß-gestreiften Plane verkleidet.

Es steht auf einer etwa 70 Quadratmeter großen Parzelle und ist mit einem Wohnmobil verbunden. Insgesamt hat das Paar so 35 Quadratmeter Wohnfläche. Dazu kommt ein abschließbarer Schuppen für Räder und Werkzeuge. Bevor Heike und Erik in ihr Tiny House zogen, lebten sie auf 175 Quadratmetern.

Gefunden per Suchanzeige

Das Häuschen haben sie nicht selbst gebaut, sondern gebraucht gekauft und umgestaltet. "Das steht schon etwa 20 Jahre hier und ist Marke Eigenbau", erzählt die 57-jährige Heike, die als Business-Feng-Shui-Beraterin arbeitet. Es sei sehr stabil, komplett aus Holz gebaut und gut gedämmt – mit zehn Zentimetern Mineralwolle.

Die Gestaltung sagte dem Paar allerdings nicht wirklich zu. "Als wir es übernommen haben, sah es innen und außen sehr trist aus", sagt Heike. Deshalb hat die Malermeisterin alles selbst gespachtelt und neu gestrichen und auch einen neuen Boden gelegt. Dabei und bei der Einrichtung hat sie sich an Feng-Shui-Prinzipien orientiert.

65.000 Euro hat das Paar für das Haus inklusive Umgestaltung bezahlt. Für das Grundstück inklusive Wasser und Müllgebühren kommen im Jahr 3.800 Euro Pacht hinzu.

Gefunden haben Heike und Erik ihr Häuschen mit Hilfe einer Suchanzeige. Ein Verkäufer habe sich daraufhin gemeldet und die beiden bekamen dann unter rund zwanzig Mitbewerbern den Zuschlag.

Ein Wohnwagen erweitert den Wohnraum

Geschlafen wird im Wohnwagen, der direkt mit dem Tiny House verbunden ist. Dort hat Erik auch sein Homeoffice, die Schränke und Klappen darin dienen als Kleiderschrank, das Badezimmer als Abstellkammer und Garderobe.

Im Häuschen selbst gibt es einen Essplatz, eine Küche und einen Wohnbereich mit Schlafcouch. Außerdem ein Badezimmer, das das Paar etwas vergrößert hat. Beheizt wird das Tiny House mit Gas.

"Wir haben beide auf papierloses Büro umgestellt", erzählt Heike. Deshalb brauchten sie kaum Stauraum. Ein Sideboard mit Schubladen hätten sie aber gekauft, falls doch mal was anfällt, was man verstauen muss. Darin steht der Drucker. "Aber zwei von drei Schubladen sind immer noch leer", sagt Heike. Das liegt vielleicht daran, dass es bei Heike und Erik eine Regel gibt: "Wenn wir etwas neu kaufen, dann muss etwas anderes gehen."

5 Fragen an Tiny House-Bewohnerin Heike

1. Warum seid ihr in ein Tiny House gezogen?

Die Idee ist irgendwie gewachsen, das war ein Prozess. Wir waren immer viel mit dem Wohnmobil unterwegs und es war klar, wir können einen großen Teil unserer Arbeit online machen. Wir wollten deshalb öfter mal drei bis sechs Monate unterwegs sein, und da war klar, dass wir dann keine 175 Quadratmeter große Wohnung mehr brauchen.

Also haben wir zuerst nach einer kleineren Wohnung gesucht. Dann sind wir aber in den Medien auf Wohnwagon gestoßen und haben uns näher mit dem Thema Tiny House beschäftigt. Wir haben vor vier Jahren mal in dem Wohnwagon "Karl" am Tegernsee übernachtet und Ausschau nach einem Grundstück für so ein Tiny House gehalten. Das war schwierig, also haben wir uns auf Campingplätzen umgeschaut und mit Leuten gesprochen, die dauerhaft dort wohnen. Wir waren fasziniert, wie zufrieden sie waren. Ihr Glücklichsein überzeugte uns.

2. Welche Hürden musstet ihr nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Die größte Hürde war, einen Platz zu finden. Es folgte der Prozess des Loslassens. Wir mussten überlegen, was nehmen wir mit. Wir waren zwar noch nie große Aufbewahrer, aber wir hatten 800 Bücher und Ordner aus zwei Büros.

Auf dem Campingplatz, wo wir jetzt leben, kann man keinen Erstwohnsitz anmelden. Für uns passt das, da ich noch eine kleine Mietwohnung als Büro nutze, die wir als Meldeadresse haben. Aber für andere kann das natürlich ein Problem sein.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in eurem Tiny House?

Da fällt mir gar keine ein. Man gewöhnt sich an das neue Leben, es ist ja alles da, wir darben nicht, wir wohnen nur etwas kleiner. Man braucht allerdings mehr Struktur und Regeln, dazu gehört beispielsweise, dass man anklopft, wenn man den Raum betrifft und der andere da gerade arbeitet und vielleicht in einer Konferenz ist.

4. Was gefällt euch am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Wir sind weniger krank, leben gesünder, näher an der Natur, sind viel mehr draußen, kochen auch öfter im Freien, das ist eigentlich ein permanentes Urlaubsfeeling. Außerdem haben wir hier so tolle Nachbarn, das ist ein authentischeres Leben, da kann man sich nicht groß verstellen.

Wir können uns nicht mehr vorstellen, anders zu leben – es sei denn, in einem Tiny House auf einem eigenen Grundstück. Das wäre vielleicht noch die Krönung. Durch ein kleines Haus gewinnt man so viel Lebenszeit, weil man viel weniger putzen und unterhalten muss.

5. Was würdet ihr heute anders machen, wenn ihr euch nochmal ein Tiny House kaufen würdet?

Ich bin Malermeisterin und auf dem Bau aufgewachsen, ich würde das Haus auch in der Art bauen, wie es gebaut wurde. Das einzige, was ich vielleicht noch einbauen würde, ist eine Fußbodenheizung. Man sitzt sonst direkt auf dem Erdreich, das ist von unten schon kalt.

Heikes Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Wenn ihr in eurem Häuschen auch arbeiten wollt, prüft unbedingt vorher, wie gut der Internet- und Telefonempfang ist. Man braucht auch eine ganz klare Struktur, wenn man zu zweit in einem Tiny House lebt, der gleiche Sinn für Ordnung ist hilfreich. Macht vorher mal zwei bis drei Wochen zusammen Urlaub auf so kleinem Raum.

Wer so leben will, muss sich ganz klar überlegen, ob er sich von allem trennen kann und was er mit dem Rest macht, der nicht mit ins Haus passt. Man geht in vieler Hinsicht neue Wege, muss flexibel sein und sich darauf einlassen können, denn das Leben ändert sich ziemlich.

Ihr wollt noch von anderen Tiny-House-Bewohnern lesen? Auf dieser Seite findet ihr alle Teile unserer Serie:

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