Taube sitzt neben Plastikraben
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Taubenschreck & Taubenabwehr: So könnt ihr Tauben effektiv vertreiben

Antonia Eigel

Antonia Eigel

Wenn sich Tauben häuslich auf Balkon oder Fensterbrett eingerichtet haben, wird man sie so schnell nicht wieder los. Mit einem Taubenschreck soll es klappen. Wir erklären, was dahinter steckt und welche Taubenabwehr wirklich funktioniert.

Für viele Menschen sind Tauben die Ratten der Lüfte. Nicht zuletzt, weil sie sich gerne auf Fenstersimsen, Balkonen oder Terrassen niederlassen und dort alles verunreinigen. Wer die Tauben wieder loswerden will, stößt im Netz auf zahlreiche Abwehrsysteme. Sie heißen Taubenschreck, Taubenabwehr oder Taubenschutz und dienen alle demselben Ziel: Hier sollen die Tauben nicht mehr landen.

Doch nicht alle Methoden und Modelle sind auch wirklich effektiv oder aus Tierschutzgründen erlaubt. Welche Möglichkeiten Experten, Tierschutzverbände und Biologen empfehlen und welcher Tauben-Schreck nichts bringt, erfahrt ihr in diesem Ratgeber.

Taubenschreck: Sicherheit des Systems muss gewährleistet sein

Auch tierfreundliche Taubenabwehrsysteme können zur Gefahr und sogar zur Todesfalle für Tauben und andere Vögel werden, wenn diese nicht richtig montiert werden. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV) hat deshalb wichtige Tierschutzaspekte bei der Installation von Taubenabwehrsystemen zusammengefasst.

Was ihr vor der Installation immer prüfen solltet:

  • Besteht die Gefahr, dass sich ein Tier am Taubenabwehrsystem verletzen kann?
  • Kann die Taubenabwehr zu Schäden oder Spätschäden führen?
  • Kann das Taubenabwehrsystem zu vermeidbaren Schmerzen oder übermäßigen Schreckreaktionen führen?

Weitere Gefahren könnt ihr der Broschüre Tierschutzaspekte bei der Installierung von Taubenabwehrsystemen vom BGVV entnehmen. Wer sich die Montage eines Taubenabwehrsystems nicht selbst zutraut, solltet sich immer Hilfe vom Fachmann holen.

Was zeichnet ein gutes Taubenabwehrsystem aus?

Die Suche nach einem geeigneten Taubenabwehrsystem oder Taubenschreck kann ganz schön anstrengend sein. Denn das Angebot im Netz ist riesig, die richtige Auswahl zu treffen gestaltet sich schwierig. Ein gutes Taubenabwehrsystem sollte im besten Fall folgende Eigenschaften haben:

  • kostengünstig
  • optisch unauffällig
  • wirksam
  • auf Dauer effektiv
  • harmlos für Mensch und Tier

Doch welche Taubenabwehr erfüllt all diese Kriterien? Die fünf bewährtesten und tierfreundlichsten Taubenabwehrsysteme inklusive Vor- und Nachteilen haben wir für euch zusammengefasst.

1. Vogelnetze zur Taubenabwehr

Tauben kehren von Natur aus immer wieder zu denselben Nistplätzen zurück. Wird der Weg zu ihrem Lieblingsort jedoch versperrt, suchen sie sich gezwungenermaßen ein neues Plätzchen. Das wirkungsvollste "Taubenvergrämungssystem" ist laut Umweltbundesamt deshalb eine Vernetzung, die den Landeplatz vollkommen absperrt.

Solche Vogelnetze sind in der Regel aus Kunststoff und können vertikal oder horizontal gespannt werden. Bei korrekter Anwendung gelten sie als die sicherste und wirtschaftlichste Methode. Sie werden deshalb auch häufig eingesetzt, um denkmalgeschützte Gebäude oder Kirchen vor Tauben zu schützen. Neben vielen Vorteilen gibt es aber auch einige Nachteile:

Vorteile von Netzen:

  • gute Abwehrwirkung
  • langlebig
  • optisch unauffällig
  • eignen sich für große Flächen

Nachteile von Netzen:

  • Je nach Gebäude ist die Montage anspruchsvoll.
  • Je nach Gebäude muss das Netz in der Bausubstanz verankert werden.
  • Eine regelmäßige Wartung ist zwingend notwendig.

Eine fachgerechte Montage und regelmäßige Wartung ist auch aus Tierschutzgründen wichtig. Sind die Netze nicht richtig angebracht, gibt es Lücken oder größere Öffnungen, dann können sich Tauben und andere Vögel in den Netzen verheddern. Werden sie nicht rechtzeitig befreit, können sie daran sogar zugrunde gehen. Zudem sollte auch die Maschenweite so ausgelegt sein, dass sich die Tiere nicht im Netz verfangen können. Als Richtwert gelten fünf mal fünf Zentimeter.

Doch Tauben sind nicht dumm und gewöhnen sich relativ schnell an die Abwehrsysteme, auch an Vogelnetze. Bei waagerechten Netz-Verspannungen, zum Beispiel über Innenhöfen, kann es also schon mal vorkommen, dass sich die Tauben gemütlich darauf niederlassen und sich dort sogar ganz wohl fühlen.

Tauben fliegt vor Taubennetz
Damit sich die Tauben nicht in den Netzen verfangen, müssen sie regelmäßig auf Lücken oder Löcher überprüft werden. © Getty Images/iStockphoto

2. Gitter gegen Tauben

Auch Gitter haben sich als gutes Abwehrsystem gegen Tauben erwiesen. Sie sind zwar etwas auffälliger als Netze, mindestens aber genauso effektiv und bei korrekter Montage auch unproblematisch. Die Gitter sind in der Regel aus Edelstahl und werden mithilfe eines Rahmens fixiert. Das Material ist dazu besonders langlebig.

Wollt ihr ein solches Gitter auf dem Balkon montieren, sprecht vorher mit eurem Vermieter. Bei der Montage müssen manchmal Löcher in die Fassade gebohrt werden, ähnlich wie bei der Befestigung von Katzennetzen.

3. Taubenspikes

Spikes, Taubenspikes, Vogelspikes: Auch sie gehören zu den am weitesten verbreiteten Abwehrsystemen gegen Tauben und andere Vögel. Die Spikes sind in der Regel aus Metall und auf einer Metall- oder Kunststoffbasis befestigt. Solche Spikesysteme sind deshalb praktisch, weil sie auf fast jedem Fassadenteil angebracht werden können. Die wichtigsten Vorteile und Nachteile von Taubenspikes im Überblick:

Vorteile von Taubenspikes:

  • langlebig
  • günstig
  • harmlos, wenn die Spitzen abgestumpft sind

Nachteile von Taubenspikes:

  • optisch auffällig
  • nur mittlere Abwehrwirkung
  • Abfallsammler (zum Beispiel Laub oder Nistmaterial von Vögeln)

Auch wenn die Spikes vielleicht sehr furchterregend aussehen, hindert es Tauben oft nicht daran, sie zu überwinden. Bereiche, die zunächst als Nist- und Schlafplatz dienten, sollten laut Biologe und Taubenexperte Daniel Haag-Wackernagel von der Universität Basel durch verlässlichere Maßnahmen geschützt werden. In den Spikes verfängt sich außerdem oft Laub oder anderer Abfall, der das Abwehrsystem unwirksam macht. Die Tauben verwenden es stattdessen einfach als Nistmaterial.

Taubenspikes gibt es auch aus kurzlebigerem Kunststoff oder mit geschliffenen Metallspikes. Der Tierschutz lehnt geschliffene Metallspikes jedoch ab, da sich die Tauben an ihnen verletzen können. Haag-Wackernagel fand zudem in Tests heraus, dass Taubenspikes mit geschliffenen Spikes keine bessere Abwehrwirkung erzielten als harmlosere Spikes.

4. Spanndrahtsysteme als Taubenabwehr

Eine weitere Möglichkeit zur Taubenabwehr bieten Spanndrahtsysteme. Dabei handelt es sich um dünne Edelstahlseile, die von A nach B gespannt werden, zum Beispiel über Dachrinnen, Kanten, Fensterbänke oder Attiken. Die federnde Wirkung der Drahtseile soll verhindern, dass die Tauben Halt finden und sich niederlassen.

Dennoch wird ihnen nur eine eingeschränkte Wirksamkeit zugeschrieben. Liegen die Drähte zu weit auseinander, können sich die Tauben dazwischen setzen. Sind die Drähte nicht mit Kunststoff ummantelt, können sich die Tiere beim Davonfliegen sogar an den Drähten verletzen. Experten empfehlen nur ummantelte Spanndrahtsysteme von mindestens 0,7 Millimeter einzusetzen.

5. Tauben mit Elektroschock verjagen

Was brutal klingt, ist in der Viehzucht gang und gäbe. Man spricht hier auch von dem Viehhüterprinzip oder Weidenzaunprinzip. Berühren die Tauben den Draht, löst der Stromstoß eine Schreckreaktion bei den Vögeln aus.

Es gibt bei der elektrischen Taubenabwehr zwei geläufige Systeme:

  • Stangen-Elektrosysteme
  • Profil-Elektrosysteme

Solche Systeme eignen sich zur Vogel- und Taubenabwehr an schmalen Bauelementen wie Vorsprüngen, Brüstungen, Dachgauben oder Fensterbrettern. Doch Vorsicht beim Kauf: Elektrosysteme gegen Tauben und andere Vögel dürfen dem Tier keine Schmerzen verursachen. Sie dürfen laut Haag-Wackernagel nur mit Spannungen arbeiten, die für die Tiere unbedenklich sind. In Tests fand man heraus, dass die Grenze bei circa 7.000 Volt bei 0,1 Ampère bei 10 KΩ Widerstand liegt. Hier zeigten die Tauben keine sichtbare Schmerzreaktion.

Diese Vergrämungsmaßnahmen lehnt der Tierschutz ab

Das Angebot an Taubenabwehrsystemen- oder Produkten ist riesig. Nicht alle davon sind auch wirklich tierfreundlich. Von einigen Methoden raten wir euch deshalb dringend ab, auch wenn sie von Händlern und Schädlingsbekämpfern als harmlos und besonders effektiv verkauft werden.

Diese Abwehrmaßnahmen verstoßen gegen den Tier- und Artenschutz.:

  • giftige Fressköder
  • chemische Abwehrsprays
  • Vogelabwehrpasten

Vogelabwehrpasten sind dabei besonders fies. Die klebrige silikonartige Vogelabwehrpaste wird auf die Stellen aufgetragen, auf denen sich Tauben gerne niederlassen. Was harmlos aussieht, ist für die Taube und andere Vögel jedoch lebensgefährlich. Denn die Paste verklebt Gefieder und Schnabel, so Taubenvergrämungs-Experte Bernhard Biebel im Interview mit dem Bayrischen Rundfunk. Das macht sie flugunfähig und sie können keine Nahrung mehr aufnehmen, was letztendlich zum Tod führt.

Auch andere Kleintiere können in die Falle tappen. Die klebrigen Pasten sind also höchstbedenklich, zumal sie gegen das Bundesartenschutzgesetz und Tierschutzgesetz verstoßen. Mehr Infos zu den einzelnen Paragraphen erhaltet ihr auf der Website des Nabus.

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Warum Ultraschall und Taubenschreck-Raben nichts bringen

Hinter dem Begriff "Taubenschreck" verstecken sich viele verschiedene Möglichkeiten, Tauben zu "verschrecken". Dabei unterscheidet man grob in drei Kategorien:

  • Distanzabwehrsysteme: Tauben und Vögel sollen durch visuelle, akustische oder magnetische Systeme auf Distanz gehalten werden. Zum Beispiel mit Ultra- oder Infraschall, Glitzerbändern, Lärm, Lautsprechern mit Greifvögel-Schreien, Rauch, Lichtern, Vogelscheuchen oder Raben.
  • Geruchsabwehrsysteme: Gemeint sind geruchsintensive Wirkstoffe (Repellentien) auf Basis von chemischen Abwehrmitteln, wie zum Bespiel in Taubenabwehrsprays.
  • Kontaktabwehrsysteme: Sie erfordern eine "negative Interaktion" mit den Tauben, sodass diese nicht mehr zurückkehren wollen.

Taubenschreck und die Tauben sind weg? Ganz so einfach ist es leider nicht. Meist haben sich solche Abwehrsysteme in der Praxis als unwirksam erwiesen. Zwar können solche Taubenschrecke in der Anfangsphase noch wirksam sein. Die Tauben gewöhnen sich jedoch relativ schnell daran und ignorieren sie mit der Zeit einfach.

Taube sitzt auf Plastikraben
Eine Taube hat es sich auf einem Plastikraben gemütlich gemacht. © GETTY IMAGES/ISTOCKPHOTO

Taubenabwehr auf dem Balkon: Mieter- oder Vermietersache?

Ihr habt ein extremes Taubenproblem auf dem Balkon oder am Fenster und wollt deshalb ein Netz anbringen? Sprecht dazu unbedingt mit eurem Vermieter, denn dieser muss eventuell Sorge dafür tragen und die Kosten übernehmen. Sind Fensterbänke oder Balkon stark durch Taubendreck verunreinigt, könnt ihr sogar die Miete mindern. Das geht aus einem Gerichtsurteil des AG Altenburg hervor (5 C 857/04).

Fazit: Was hilft gegen eine Taubenplage, was nicht?

Die richtige Montage von Taubenabwehrsystemen ist aus Tierschutzgründen wichtig, damit die Tiere sich nicht verfangen und verletzen.

  • Vogelnetze und Gitter zählen zu den effektivsten Taubenabwehrsystemen, da sie den Nistplatz der Tauben vollflächig versperren und sie dort nicht mehr landen können.
  • Spikes vertreiben die Tauben nur bedingt, sammelt sich Laub zwischen ihnen an, wird das Abwehrsystem sogar zum Nistplatz. Scharfkantige Metallspikes können dazu die Tiere verletzten. Von dieser Variante möchten wir euch aus Tierschutzgründen unbedingt abraten.
  • Auch Spanndrahtsysteme können zur tödlichen Fallen werden. Hier ist wichtig, dass die Drähte nicht zu dünn sind und eine Kunststoffummantelung haben.
  • Der Tierschutz lehnt Abwehrsysteme ab, die für Tauben giftige Inhaltsstoffe enthalten oder Vogelabwehrpasten, an denen die Tiere kleben bleiben und verenden können.
  • Nicht effektiv sind außerdem eine Vielzahl an Distanz-, Geruchs- und Kontaktabwehrsystemen. Sie können zwar anfangs wirken, werden für Tauben aber uninteressant.

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