Paar malert eine Wand
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Modernisieren | Ratgeber

Raucher-Wohnung: Darauf kommt es beim Renovieren der Wände an

Albert Linner

Level: Für Alle

Wer vergilbte Wände einer Raucher-Wohnung renovieren will, steht vor einer echten Herausforderung. Mit normaler Wandfarbe drüberpinseln, hilft nichts. Wir erklären euch, worauf es wirklich ankommt.

Vergilbte Wände, milchige Fensterscheiben und ein unangenehmer Geruch – wer eine Raucher-Wohnung renovieren will, steht vor einer echten Herausforderung.

"Durch das Rauchen setzt sich auf allen Oberflächen (Möbel, Einrichtungen, Beschichtungen, Bodenbeläge, Tapeten) ein gelblicher Nikotinfilm ab, der auch teilweise in den Untergrund eindringt", erklärt Walter Bücher vom Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz das Problem. "Diesen Film kann man meist mit haushaltsüblichen Mitteln nicht oder nur unzureichend entfernen."

Während glatte Oberflächen wie Fenster gründlich gereinigt und nikotinbelastete Möbel und Textilien im Zweifel ausgetauscht werden können, stellt sich für viele die Frage: Was tun mit den verrauchten Wänden, in die das Nikotin tief eingedrungen ist? Wir erklären euch, wie ihr Rauchablagerungen und Schadstoffe aus den Wänden bekommt.

Wände in jedem Fall renovieren

Selbst wer sich nicht an der gelblichen Optik von ehemals weißen Wänden oder dem Geruch stört, sollte dennoch allein schon aus gesundheitlichen Gründen renovieren. Denn die Ablagerungen enthalten krebserregende Stoffe. Wer in eine Raucherwohnung einzieht, ohne zu renovieren, setzt sich ähnlichen Gefahren wie durch Passivrauchen aus.

Normale Wandfarbe hilft in der Raucher-Wohnung nicht

Herkömmliche Wandfarbe ist für die Renovierung einer Raucherwohnung zu wenig. "Da die Nikotinablagerungen, wie auch die meisten Innenfarben, wasserlöslich sind, führt der Gebrauch normaler Innenwandfarben nicht zum Erfolg", sagt Experte Bücher. "Das Nikotin wird von dem in der Innenwandfarbe enthaltenen Wasser wieder angelöst. Wenn es trocknet, gelangt es wieder an die Oberfläche. Neue Anstriche sehen so schnell wieder verqualmt aus."

Nikotinsperre ist die Lösung

Meist hilft nur eine Spezialfarbe, im Handel als "Nikotinsperre" oder "Anti-Nikotin-Farbe" bezeichnet, um die gelblichen Verfärbungen von Wänden und Decke zu beseitigen. Walter Bücher vom Bundesverband Farbe: "Alle Farbenhersteller haben mittlerweile spezielle Beschichtungssysteme im Angebot, die das vorhandene Nikotin mittels speziell formulierter Sperrgrundierungen binden. Diese werden dann mit auf die Grundierungen abgestimmten Innenwandfarben beschichtet.“

Diese Spezialfarben sind im Baumarkt teurer als herkömmliche Wandfarben, erfüllen aber in der Regel ihren Zweck. Vorsicht ist indes geboten, wenn die Wand schon einmal von Schimmel befallen war. Noch vorhandene Schimmelsporen werden dann mit eingesperrt und können dem Mauerwerk dauerhaften Schaden zufügen.

Ein Maler streicht eine Wand weiß.
Mit Anti-Nikotin-Farbe werden auch Raucherwände wieder weiß © Luis Alvarez / Getty Images

Vorsicht vor giftigen Lösungsmitteln

Beim Kauf solltet ihr im Baumarkt darauf achten, dass diese besonderen absperrenden Farben keine Lösungsmittel enthalten. Das war früher überwiegend der Fall, doch die enthaltenen Lösemittel können selbst noch monate- oder jahrelang schädliche Emissionen freisetzen. "Die meisten absperrenden Beschichtungssysteme sind mittlerweile aber wasserbasiert", erklärt Bücher. "Die lösemittelhaltigen Versionen werden meist nur noch bei besonders hartnäckigen Fällen eingesetzt."

Tapeten entfernen

Tapeten saugen Nikotin und andere Schadstoffe ebenso auf wie verputzte Wände. Einfach drüber tapezieren oder malen löst das Problem also nicht. Hier bleibt euch tatsächlich nichts anderes übrig, als die Tapete komplett zu entfernen.

Ozonbehandlung?

Ist der Rauchgeruch besonders hartnäckig, rät Experte Bücher zu "darauf spezialisierten Firmen, die mit Hilfe von Ozon und seiner oxidierenden Wirkung Gerüche neutralisieren." Wichtig ist dabei aber eine fachgerechte Ausführung, da Ozon unter Umständen auch gesundheitsschädlich sein kann. Das solltet ihr also den Spezialisten überlassen.

Fazit

Wände und Decken einer Raucher-Wohnung selbst zu renovieren, ist eine Herausforderung, dank speziell entwickelter Beschichtungssysteme aber möglich - wenn man etwas tiefer in die Tasche greift. Bei besonders starker Verschmutzung oder großen Räumen macht es indes mehr Sinn, professionelle Gebäudereiniger zu beauftragen.

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