Tiny House Little Home in Hannover
© Christian Behrens

Wohnen | News

Tiny House-Ärger: Stadt Hannover schleppt Minihaus einer Obdachlosen ab

Eva Dorothée Schmid

Ein Tiny House in einer Parkbucht an einer öffentlichen Straße? Das geht in Deutschland nur mit einer Sondererlaubnis. Die hatte eine obdachlose Frau nicht. Die Stadt Hannover ließ ihr Minihaus deshalb abschleppen.

Ein Tiny House darf man in Deutschland nicht einfach so irgendwo abstellen. Das musste auch Erika H. in Hannover erleben. Die obdachlose Frau bewohnte mehrere Monate lang ein so genanntes Little Home, das am Rand einer Stichstraße im Stadtteil Ricklingen stand.

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Das Little Home ist ein etwa drei Quadratmeter großes, mobiles Tiny House mit Matratze, Regal, WC und Kochmöglichkeit. Da die 60-Jährige für die Nutzung des Straßenraums keine Sondererlaubnis hatte, verfügte die Stadt die Räumung des Standortes.

Für ein Tiny House auf einer öffentlichen Straße ist eine Sondererlaubnis nötig

Dagegen klagte die Obdachlose vor Gericht. Dieses lehnte ihren Eilantrag allerdings ab, da für das dauerhafte Abstellen einer solchen Unterkunft eine Sondererlaubnis nötig sei, die von der Stadt nicht erteilt worden ist. Weil der Verkehr in nächster Nähe um das Minihaus fließe, sei die öffentliche Sicherheit zudem nicht gewährleistet. Auch sei nicht geklärt, wie Abfälle und Abwasser beseitigt werden sollen, so das Gericht. Daraufhin ließ die Stadt Hannover das Tiny House im Oktober 2019 schließlich abschleppen.

Seitdem steht das Minihaus auf einem städtischen Bauhof. Gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts hat die Obdachlose Beschwerde eingelegt. Das Verfahren endete kürzlich mit einem Vergleich. Bis Ende Mai 2020 kann das Tiny House auf dem Bauhof stehen bleiben. Erika H. kann die Zeit bis dahin nutzen, um einen geeigneten Stellplatz zu finden.

Minihäuser für Obdachlose

Die Wohnbox war Erika H. ursprünglich vom Kölner Verein "Little Home" kostenlos überlassen worden. Der Verein verschenkt seit mehr als zwei Jahren Minihäuser an obdachlose Menschen. Nach eigenen Angaben hat er mit Hilfe von Spenden 128 Little Homes gebaut und in 16 Städten aufgestellt.

Erika Hs. Minihaus stand ursprünglich befristet auf dem Grundstück einer katholischen Kirche. Als die Frist endete, weigerte sich die obdachlose Frau, mit dem Häuschen an einen anderen Standort umzuziehen. Daraufhin schoben Polizisten das Haus in eine Parkbucht an den Rand der Straße. Erika H. begründete ihre Klage gegen die Räumungsverfügung der Stadt damit, dass nicht sie, sondern "unbefugte Dritte" das Haus an der Straße abgestellt hätten.

Der Obdachlosen wurden allerdings alternative Standorte angeboten, sie wollte aber mit ihrem Tiny House nicht umziehen.

Zwei weitere Little Homes unter einer Schnellstraßenbrücke räumte die Stadt Hannover ebenfalls ab, weil sie ohne Genehmigung im öffentlichen Raum standen. Deren Bewohner waren allerdings vorher schon anderswo untergekommen und hätten die Minihäuser kaum noch genutzt, heißt es.

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