Frau bügelt ein blaues Hemd mit einem Dampf-Bügeleisen.
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Wohnen | News

Stimmt es, dass Frauen viel mehr Hausarbeit übernehmen?

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Wer macht heutzutage den Haushalt? Immer noch hauptsächlich die Frau wie vor hundert Jahren? Oder ist das ein Mythos, der längst nicht mehr zutrifft? Lest hier, wie viel Hausarbeit Frauen und Männer heute leisten.

Wer hängt die Wäsche auf? Und wer bügelt die Hemden? Wer putzt das Klo? Oder wer kocht? Früher lautete die Antwort meist: "Die Frau". Aber ist es auch heute noch so, dass Frauen viel mehr Hausarbeit übernehmen als Männer?

Die Antwort ist: Ja, eindeutig. Das zeigen viele Studien zu dem Thema.

Wie viele Stunden Frauen mehr im Haushalt arbeiten als Männer und andere interessante Fakten zur Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau im Haushalt, lest ihr hier.

So viel Zeit arbeiten Frauen und Männer im Haushalt

Einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge leisten Frauen pro Tag vier Stunden und 26 Minuten unbezahlte Arbeit im Haushalt und in der Familie. Sie betreuen Kinder, räumen auf, putzen oder waschen. Männer kommen auf nur eine Stunde und 48 Minuten. Das ist der Durchschnitt in 41 untersuchten Ländern, darunter alle EU-Staaten.

Deutschland liegt dabei mit vier Stunden und 29 Minuten unbezahlter Familien- und Hausarbeit von Frauen pro Tag sogar knapp über dem Schnitt aller untersuchten Länder.

So wenig Männer machen täglich Hausarbeit

Dass Frauen immer noch einen Großteil der Hausarbeit leisten, zeigen auch aktuelle Zahlen von Eurostat und dem Statistischen Bundesamt. Demnach liegt der Anteil der Männer, die täglich kochen oder Hausarbeit verrichten, europaweit bei 34 Prozent. Bei den Frauen trifft dies auf 79 Prozent zu.

In Deutschland liegen die Männer bei 29, die Frauen bei 72 Prozent. Anders sieht es etwa in Schweden aus: Hier betätigen sich 56 Prozent der Männer und 74 Prozent der Frauen täglich im Haushalt.

Wer macht was im Haushalt?

Herkömmliche Hausarbeiten wie Waschen, Kochen oder Putzen werden bei etwa zwei Dritteln der Paare von der Frau erledigt (65 Prozent) und nur zu etwa einem Drittel von beiden gleich oft (32 Prozent). Dass diese Arbeiten häufiger von Männern übernommen werden, ist sehr selten (4 Prozent). Das geht aus der Studie "Beziehungen und Familienleben in Deutschland" hervor.

Etwas ausgewogener ist die Arbeitsteilung beim Einkaufen: Zwar gibt es auch in diesem Aufgabenbereich relativ viele Paare, bei denen die Frau überwiegend zuständig ist (42 Prozent). Allerdings kaufen in fast genauso vielen Partnerschaften beide Partner gleich oft ein (45 Prozent).

Was Reparaturen am Haus, in der Wohnung und am Auto betrifft, sind diese eine klassische Männerdomäne: In mehr als 80 Prozent der Partnerschaften werden diese Tätigkeiten öfter vom Mann als von der Frau erledigt.

Insgesamt lässt sich sagen, dass Frauen trotz aller Tendenzen zur Gleichberechtigung und trotz veränderter Geschlechterrollen nach wie vor den überwiegenden Anteil der Hausarbeit übernehmen. Das gilt insbesondere für die täglich anfallenden Routinearbeiten. Allerdings gibt es auch zahlreiche Partnerschaften, in denen sich Männer und Frauen zu gleichen Teilen an den anfallenden Arbeiten beteiligen.

Wenn Paare Kinder haben, dann verschiebt sich das Ungleichgewicht noch einmal deutlich zuungunsten der Frauen. Hier sind es drei Viertel aller Partnerschaften, in denen die Frauen mehr Hausarbeit erledigen als die Männer.

Jüngere Frauen machen weniger Hausarbeit als ältere

Interessant ist auch, dass Frauen, die in den 1940er Jahren geboren wurden, noch deutlich mehr Hausarbeit geleistet haben als jüngere Frauen. Das geht aus Daten des "Sozio-oekonomischen Panels" (SOEP) zurück, das seit 1985 in jährlichen Intervallen dieselben Personen (ergänzt durch regelmäßige Neuzugänge) befragt.

Demnach haben in den 1940er Jahren geborene Frauen im Laufe ihres Lebens geschätzte 65.000 Arbeitsstunden im Haushalt geleistet. Für die Frauen, die in den 1960er Jahren geboren wurden, waren es nur noch knapp unter 50.000. Im gleichen Zeitraum erhöhten die Männer ihr Pensum von unter 17.000 auf 20.000 Stunden.

Dass die Differenz geringer geworden ist, liegt also vor allem daran, dass die Frauen weniger im Haushalt arbeiten. Es hat eine langsame, aber stetige Veränderung der häuslichen Arbeitsteilung stattgefunden. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen hat sich innerhalb der zwanzig Geburtskohorten von 1940 bis 1960 fast halbiert.

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