Junge Frau schaut traurig aus Fenster in ihrer Wohnung
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In Coronakrise: Junge Menschen leiden besonders unter Wohnsituation

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Die Jüngeren leiden während der Coronapandemie mehr als die Älteren. Besonders die Wohnsituation, Geldmangel und schlechtes Internet machen den unter 30-Jährigen zu schaffen. Und: Städter fühlen sich häufiger belastet.

Das Coronavirus hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Statt in Clubs, Bars, Theatern, im Büro oder im Fitness-Studio verbringen wir alle mehr Zeit zu Hause. Eine Tatsache, die besonders für junge Menschen belastend ist.

Knapp ein Drittel der unter 30-Jährigen empfindet die eigene Wohnsituation während der aktuellen Pandemie als Belastung. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag der BHW Bausparkasse vor, aus der die Zeitung "Die Welt" zitiert. Die Umfrage fand zwischen dem 9. und 15. Juli statt.

Demnach empfinden Ältere die Wohnsituation weniger belastend. Bei der Altersgruppe 50+ klagen nur neun Prozent. Auch die Gruppen mit einem geringen Haushaltsnettoeinkommen belastet ihre Wohnsituation aktuell mehr. Bei den Befragten, die im Monat weniger als 1.500 Euro pro Haushalt zur Verfügung hatten, gab nur knapp die Hälfte (49,8 Prozent) an, ihre Wohnsituation überhaupt nicht belastend zu finden. Dafür gaben 20,7 Prozent an, dass die Situation "auf jeden Fall" belastend sei. Am größten ist die Zufriedenheit mit der Wohnsituation bei der Gruppe, die im Monat mehr als 3.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen zur Verfügung hat (81,4 Prozent).

Jüngere leiden mehr unter langsamem Internet

Die Geldnöte betreffen während der Corona-Pandemie auch mehr die Jüngeren. So gaben 35 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an, dass sie beim Wohnen sparen und künftig weniger Geld ausgeben wollen. Außerdem litten die Jüngeren während des Lockdowns häufig unter einem schlechten Internetanschluss. Bei der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen klagte fast die Hälfte (46 Prozent) über eine zu langsame Verbindung zum Netz. Bei älteren Befragten ist die Unzufriedenheit über langsames Internet weniger groß. In der Altersgruppe 60+ liegt sie sogar bei unter sieben Prozent.

Glücklicher scheinen während der Krise die Menschen zu sein, die nicht in dicht besiedelten Gegenden leben. So lag die Unzufriedenheit mit der Wohnsituation in Nordrhein-Westfalen bei 26 Prozent, im bundesweiten Durchschnitt allerdings nur bei 15 Prozent. Auch in Großstädten mit über 500.000 Einwohnern fühlen sich die Menschen stärker eingeschränkt (22 Prozent). Das sind vier Mal mehr als Menschen, die in kleineren Orten mit maximal 20.000 Einwohnern leben (fünf Prozent).

Wohnsituation für Eigentümer weniger belastend

Die Krise hatte auch unterschiedliche Auswirkungen auf Mieter und Eigentümer. So empfanden zwar zwei Drittel der Mieter die Wohnsituation als belastend, aber nur 47 Prozent der Eigentümer. Mieter vermissten außerdem den Kontakt mit ihren Nachbarn mehr (31,3 Prozent) als Menschen, die im Wohneigentum leben (19,8 Prozent). Mieter leiden mehr unter fehlenden Rückzugsmöglichkeiten (16,2 Prozent zu fünf Prozent), vermissen Grün rund ums Haus mehr (14,5 Prozent zu 0,7 Prozent) und haben nicht so häufig Platz für ein Homeoffice (10,2 Prozent zu 3,2 Prozent).

Ein Trend zeichnet sich durch die Studie vor allem ab: Die große Mehrheit der Befragten (71 Prozent) wünscht sich eine "stärkere Förderung des Wohnens auf dem Land". Besonders in Baden-Württemberg ist dieser Wunsch ausgeprägt. Dort wünschen sich das satte 85 Prozent der Menschen.

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