Ein Paar arbeitet abends im Homeoffice
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Wohnen | Ratgeber

Homeoffice in Corona-Zeiten: Wer zahlt meine höheren Stromkosten?

Michael Penquitt

Für viele verlagert sich der Arbeitsmittelpunkt seit Monaten nach Hause. Aber wer übernimmt in Corona-Zeiten eigentlich die höheren Stromkosten? Wir verraten es euch.

Mit Beginn des Frühlings hat sich der Alltag vieler Menschen im Corona-Jahr 2020 nicht wie gewohnt nach draußen an die frische Luft verlagert. Ganz im Gegenteil: Seit Mitte März verbringen wir ungewöhnlich viel Zeit zu Hause. Büroangestellte arbeiten im viel beschworenen Homeoffice, der Schulunterricht findet im besten Fall am heimischen Schreibtisch statt. Und auch Arbeiterinnen und Arbeiter, die aufgrund der Corona-Pandemie in Kurzarbeit sind oder arbeitslos wurden, verbringen wohl einen Großteil ihrer Zeit zu Hause.

Diese veränderten Gewohnheiten werden sich aller Voraussicht nach auf der Betriebskostenabrechnung und der Stromrechnung niederschlagen. Denn mehr Zeit zu Hause heißt auch: Der Fernseher ist länger an als sonst, wir stehen länger am Herd, verbrauchen mehr Wasser. Und wenn ihr zu denen gehört, die die Büroarbeit von zu Hause aus erledigen, fressen auch euer Computer und mögliche Peripheriegeräte Strom, den unter normalen Umständen der Arbeitgeber bezahlt.

Mit wie viel höheren Kosten müsst ihr am Ende rechnen? Und habt ihr eine Möglichkeit, das Geld von eurem Arbeitgeber wiederzubekommen?

Höhere Energiekosten: Das sind die Prognosen

Das Vergleichsportal Verivox hat kürzlich die voraussichtlichen Stromkosten der Arbeit im Homeoffice berechnet. Wer an einem Laptop arbeitet, hat dabei vielleicht mit einer unbequemen Sitzposition zu kämpfen. Den Geldbeutel schont das mobile Gerät aber. Pro Arbeitstag liegen die Stromkosten hier im Schnitt bei etwa 15 Cent. Zum Vergleich: Ein Desktop-Computer verbraucht mitsamt des angeschlossenen Bildschirms Strom im Wert von rund 50 Cent am Tag. Mit jedem zusätzlich angeschlossenen Gerät und leistungsstärkerer Ausstattung steigt der Stomverbrauch darüber hinaus.

Auch das zusätzliche Zubereiten von Mahlzeiten schlägt zu Buche. Laut Verivox kostet ein mittleres Kochfeld, das eine Stunde lang auf höchster Stufe läuft, knapp 50 Cent. Der exakte Verbrauch hängt aber von der Energieeffizienz des Herds oder des Ofens ab. Zusammengefasst: "Die zusätzlichen Stromkosten durch das Homeoffice dürften in der Regel bei unter einem Euro pro Arbeitstag liegen", so Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. "Diese Kosten bekommen die Arbeitnehmer in den meisten Fällen nicht erstattet."

Welche Kosten übernimmt der Arbeitgeber?

Diese Berechnungen beziehen sich auf nur eine Person. Solltet ihr zu zweit eure Werktage im Homeoffice verbringen, könnt ihr die Kosten grob verdoppeln. Und wer Kinder hat, sollte auch deren Verbrauch einbeziehen. Haben sie in den vergangenen Monaten mehr Zeit vor dem Fernseher verbracht? Letzterer ist der, je nach Energieeffizienz und Laufzeit, vielleicht größte Stromfresser im Haushalt. Und womöglich verwendet ihr einige Geräte häufiger als sonst: Läuft die Waschmaschine bei euch aktuell jeden Tag mit einer halben Ladung statt, wie üblich, zwei Mal die Woche mit voller Tonne, weil ihr ja gerade sowieso zu Hause seid?

Die Stromkosten werden in diesen Fällen noch ein wenig höher ausfallen, als es die dargelegte Kalkulation schätzt. Für eventuelle Kostenerstattungen kommen aber nur die Aufwände in Frage, die beruflichen Zwecken dienen. Abgesehen von Stromkosten können das auch Kosten fürs Internet, Büroartikel oder sonstige Ausstattung sein. Grundsätzlich ist der Arbeitgeber dafür zuständig, die erforderlichen Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen.

Ist das nicht umsetzbar und ihr müsst die Einrichtung eures Arbeitsplatzes zunächst aus eigener Tasche bezahlen, habt ihr den Anspruch auf Erstattung der Kosten durch den Arbeitgeber. Wenn ihr jedoch die betreffenden Ressourcen auch privat nutzt, wird die Sache schon komplizierter: Könnt ihr genau bestimmen, wie viel der Computer beruflich und wie viel er beruflich benutzt wird? Wie viel des Stroms, den ihr zu Hause verbraucht, entfällt anteilig auf eure berufliche Tätigkeit? Die Berechnung der tatsächlich entstandenen Kosten ist meistens kaum möglich. Im Zweifelsfall habt ihr euch die Mühe komplett umsonst gemacht, weil der Arbeitgeber eine Beteiligung ablehnen kann.

Berufsbedingte Kosten von der Steuer absetzen

Bleibt noch die Möglichkeit, euer Homeoffice von der Steuer abzusetzen. Im Moment bleibt abzuwarten, ob es für das von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen bestimmte Corona-Jahr 2020 neue Regelungen geben wird. In der Regel gelten aber zwei Bedingungen.

Erstens, im Betrieb steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Wenn schon die politisch Verantwortlichen dazu aufrufen, bei Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten, werden die Finanzämter bei der Steuererklärung im kommenden Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu angehalten, diese Bedingung in vielen Fällen als erfüllt anzusehen.

Zweitens muss es sich bei dem Heim-Arbeitsplatz um ein separates Arbeitszimmer handeln, das nahezu ausschließlich zu diesem Zweck genutzt wird. Einen Laptop auf den Esstisch zu stellen reicht nicht aus. Euer Arbeitszimmer muss als Arbeitsort eingerichtet sein.

Wenn diese Voraussetzung erfüllt sind, könnt ihr bis zu 1.250 Euro pro Jahr als Werbungskosten geltend machen. Darunter fallen unter anderem Miete, Grundsteuer, Strom- sowie sonstige Nebenkosten. Diese müsst ihr anteilig in Bezug auf die Gesamtfläche eurer Wohnung oder eures Hauses berechnen. Der Maximalbetrag wird dann fällig, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt eurer beruflichen Tätigkeit darstellt. Das muss nicht das ganze Jahr über der Fall sein, sodass ihr als Büroangestellte in Corona-Zeiten gute Chancen auf eine hohe Rückerstattung der Kosten durch das Finanzamt habt.

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