Haus mit Yakisugi-Fassade in Japan
© Dana Buntrock/japanese_craft_construction (Flickr) [CC BY 2.0]

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Yakisugi: Holzveredelung durch Verkohlen erobert Deutschland

Eva Dorothée Schmid

Level: Für Alle

In Japan wird seit Jahrhunderten karbonisiertes Holz für Fassaden verwendet. Jetzt erobert sogenanntes Yakisugi-Holz auch Deutschland. Und das hat einen guten Grund: Verkohltes Holz sieht nicht nur interessant aus, es ist auch besonders langlebig und ökologisch.

Holzveredelung durch Verkohlen? Was ziemlich unglaublich klingt, ist eine uralte Methode, die Holz tatsächlich haltbarer machen kann. In Japan ist die Holzbearbeitung mit Feuer verbreiteter als hierzulande. Dort heißt sie je nach Region Yakisugi oder Shou Sugi Ban. Aber auch in Deutschland bieten immer mehr Hersteller karbonisiertes Holz an und wurden für ihre Produkte bereits mit dem Designpreis Red Dot Award ausgezeichnet.

Wir erklären euch die Shou Sugi Ban-Methode, ihre Vorteile und Einsatzgebiete und nennen euch europäische Hersteller von Yakisugi-Holz.

Was ist Yakisugi?

Das oberflächliche Ankohlen von Holz ist eine der ältesten Holzschutzmaßnahmen überhaupt. Schon im Altertum hat man Holz angekohlt, um es haltbarer zu machen. Das zeigen beispielsweise Funde bei Ausgrabungen etwa in Pompeji oder von Pfahlbauten. Slawen und Wikinger nutzten Feuer, um das Holz für ihre Bauwerke und Boote resistenter zu machen. Manche Bauern verkohlen heute noch Weidepfähle, bevor sie diese in die Erde setzen.

In Japan ist die Methode der Karbonisierung von Holz unter dem Namen Yakisugi seit dem 18. Jahrhundert verbreitet. Dort wird traditionell nur Sugi-Holz verwendet, also japanische Zeder (Cryptomeria japonica). Yaki bedeutet "gegrillt, verkohlt". Yakisugi heißt also "verkohlte Zeder". Das Holz erhält durch die spezielle Verkohlungsmethode sein unverwechselbares Aussehen und eine große Langlebigkeit.

Der zeitgenössische japanische Architekt Terunobu Fujimori arbeitet viel mit Yakisugi-Holz. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Gebäude mit Fassaden aus karbonisiertem Holz, wie durch Verkohlen behandeltes Holz hierzulande eher genannt wird, weil nicht nur Zeder verwendet wird. Ein Beispiel dafür ist das Naturerlebniszentrum Müritzeum in Waren.

Müritzeum mit Yakisugi-Fassade
Beim Naturerlebniszentrum Müritzeum in Mecklenburg-Vorpommern hat der Architekt die Fassade mit karbonisiertem Holz verkleiden lassen. © Müritzeum/Klaus Steindorf-Sabath

Vorteile von karbonisiertem Holz

Ästhetische Gründe

Je nach Art des Holzes und Tiefe der Verbrennung lässt sich durch die Yakisugi-Methode eine Vielzahl interessanter Oberflächen kreieren. Die für jedes Stück Holz einzigartige Maserung und Faserstrukturen werden durch das Verkohlen zusätzlich hervorgehoben. Fassaden aus Yakisugi-Holz heben sich deshalb optisch von gewöhnlichen Fassaden stark ab. Sie können als architektonisches Gestaltungselement dienen.

Natürlicher Holzschutz

Durch das Verkohlen werden die Zellen im Holz verdichtet. Auf diese Weise wird das Holz resistent gegen Schimmel, Wasser, Fäulnis, Verwitterung und Insekten. So wird der vermeintliche Brandschaden zum effektiven Schutz für den Außenbereich, der eine Behandlung mit giftigen chemischen Holzschutzmitteln überflüssig macht.

Yakisugi benötigt wenig Pflege

Yakisugi benötigt im Allgemeinen keine vorbeugende Pflege durch Nachölen. Lediglich wenn man will, dass die Farbe über die Jahre gleich bleibt, bedarf es einer Pflege.

Einsatzgebiete von Yakisugi-Holz

Yakisugi-Holz wird in zwei Bereichen eingesetzt: Für Fassaden und im Innenbereich.

Während es für den Außenbereich nach dem Verbrennen nicht zwangsläufig weiter behandelt werden muss, benötigt karbonisiertes Holz im Innenraum eine spezielle Behandlung – zum Beispiel durch eine Polyurethan-Beschichtung. Ansonsten würde die Ascheschicht abfärben.

Einige Hersteller von karbonisiertem Holz tragen aber auch bei Fassadenholz eine Ölbeschichtung auf, um die Rußschicht zu fixieren. Das verhindert, dass bei Berührung Ruß gelöst wird und reduziert daher Flecken und erleichtert die Montage.

Gebürstetes Yakisugi-Holz

Das Yakisugi-Holz kann auch noch ein oder zweimal gebürstet werden. Es erhält dann eine andere Optik. Ungebürstetes Yakisugi-Holz wird außerhalb Japans oft auch “Alligatorhaut” oder “Seidenholz” genannt.

Bei einmal gebürsteten Yakisugi-Holz bekommen die Fassadenbretter ein sanftes, seidiges Aussehen. Die verbrannten Faserspalten bleiben prägnant, das Holz ist wie das ungebürstete Yakisugi schwarz.

Zweimal gebürstetes Shou Sugi Ban dagegen ist hell mit dunkel betonter Holzmaserung. Dabei werden die lockeren Rußschichten von den weichen Wachstumsringen komplett entfernt und das Spätholz kommt mit fein kontrastierenden Graten heraus.

In unserer Bildergalerie zeigen wir euch Einsatzbeispiele von Yakisugi-Holz.

Deutsche Hersteller von karbonisiertem Holz

Yakisugi wird zunehmend auch in Deutschland entdeckt und verwendet. Es ist mittlerweile auch hier erhältlich.

Unlängst hat Nakamoto Forestry, der weltweit größte Hersteller und Lieferant von authentischen japanischen verkohlten Holzfassaden, eine Dependance in Deutschland eröffnet. Die Firma bietet in Japan hergestelltes Yakisugi-Holz an. Es gibt aber auch einige deutsche Firmen und Schreinereien, die nach der japanischen Methode behandeltes Holz herstellen und vertreiben. Allerdings verwenden sie statt japanischer Zeder einheimische Hölzer wie Nordische Fichte, Europäische Douglasie oder Lärche.

  • Der Holzprofilhersteller Mocopinus aus Ulm hat 2017 erstmals auf der BAU in München karbonisiertes Holz für Fassaden und Innenwände vorgestellt. Zugleich investierte das Unternehmen nach eigener Aussage in die derzeit größte Holzbeflammungsanlage Europas. Die Yakisugi-Produktlinien heißen Carboris und Carboset10. Für letztere hat das Unternehmen 2019 den Red Dot Award bekommen.
  • Das Produkt "Seidenholz", das von LaVisio, dem österreichischen Spezialisten für exklusive Oberflächen europaweit vertrieben wird, wurde ebenfalls mit dem Red Dot Award ausgezeichnet, bereits 2014. Dort werden beispielsweise Kiefer, Fichte, Tanne, Lärche und Zeder zu Yakisugi-Holz verarbeitet. Im Angebot sind Seidenholz-Bretter und Seidenholz-Platten.
  • Die Freund GmbH aus Berlin bietet mit den Produkten Magma und Fuji mit Feuer konservierte Lärchenholzplatten für Innen- und Außenwände an.
  • Auch die auf der Insel Usedom ansässige Zimmerei HandHolzWerk bietet unter dem Namen "Rauchholz" Yakisugi-Holz an. Durch Verkohlen wird Kiefer-, Lärchen- oder Eichenholz aus heimischen Wäldern der Ostseeinsel veredelt. Um Abrieb durch mechanische Einflüsse vorzubeugen, behandelt HandHolzWerk die Oberflächen mit natürlichen Ölen und Holzteeren. Dadurch sind sowohl matte als auch brillante Oberflächen möglich.
  • Die Zimmerei Liebholz aus Stuttgart bietet ebenfalls Holzschalungen aus Yakisugi-Holz an. Für den Innenbereich könnt ihr aus drei unterschiedlichen Finishbehandlungen wählen, die Yakisugi- Holzschalung für den Außenbereich gibt es mit zwei unterschiedlichen Finishbehandlungen.
  • Die Schreinerei Friedrich aus dem Landkreis Kulmbach fertigt auf Nachfrage Fassadengestaltung, Wandverkleidungen im Innenbereich oder auch edle Möbel mit der Shou Sugi Ban-Methode an.

Yakisugi-Holz selbst herstellen

Bei der traditionellen japanischen Verkohlung werden je drei Bretter zu einer dreieckigen Röhre zusammengebunden und mit einem hineingesteckten Papier entflammt. Nach der Verkohlung der Bretter werden diese wieder getrennt und mit Wasser gelöscht. In diesem Video ist das sehr schön zu sehen:

Das Verfahren ist relativ simpel und es ist durchaus denkbar, selbst Yakisugi-Holz herzustellen. Auf der Seite von Nakamoto Forestry gibt es dazu ein paar Tipps, auch wenn man dort der Meinung ist, dass es nicht möglich sei, Yakisugi "vergleichbar gut oder günstiger" herzustellen wie die Firma.

Die wichtigsten Tipps:

  • Benutzt am besten Zypresse (oder "japanische Zeder").
  • Benutzt Bretter mit einer Dicke von zehn bis 15 Millimeter.
  • Trocknet das Holz ausreichend (was Wochen dauern kann).
  • Verkohlt das Holz mit der traditionellen dreiseitigen Kaminmethode. Abflammgeräte funktionieren alles andere als gut.
  • Flämmt dann soweit, bis ihr glaubt, dass es schon zu viel ist und ihr das Brett ruiniert habt.
  • Zum Schluss könnt ihr, sofern gewünscht, die äußere Rußschicht mit einer weichen Drahtbürste abbürsten.

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