Fensterrahmen
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Bauen | Ratgeber

Holz, Kunststoff oder Alu: Welches Material für Fenster ist am besten?

Eva Dorothée Schmid

Level: Für Alle

Die ersten Fensterrahmen bestanden entweder aus Holz oder Stahl, mittlerweile sind noch Kunststoff und Aluminium hinzugekommen. Besonders hochwertige Fensterrahmen kombinieren zwei Materialien. Lest hier, welche Vorteile und Nachteile Holz, Kunststoff und Alu haben.

Fenster sind die "Augen und Ohren des Hauses" – und können aus dem unterschiedlichsten Material sein. Sie ermöglichen Belichtung und Belüftung, stellen aber zugleich einen Schwachpunkt in der Gebäudehülle dar. Fenster sind die Bauteile, die den größten Belastungen ausgesetzt sind: Im Extremfall müssen sie bei einer Außentemperatur von –20 Grad Celsius und gleichzeitiger Innentemperatur von mindestens +20 Grad Celsius eine Temperatur-Differenz von 40 Grad Celsius verkraften, ganz abgesehen von den Belastungen durch Wind und Regen.

Die Frage, die sich viele Bauherren und Verbraucher stellen, ist: Aus welchem Material sollen die Fensterrahmen hergestellt sein; aus Holz – wie seit 600 Jahren – oder aus dem Kunststoff PVC, der sich in den vergangenen 40 Jahren als starke Konkurrenz zum althergebrachten Werkstoff auf dem Markt stabilisiert hat? Oder sogar aus thermisch getrennten Aluminium- oder Stahlprofilen, die jedoch in Wohngebäuden eher wenig verbreitet sind?

Holzfenster oder Kunststofffenster – eine Frage des Geschmacks

Das Institut für Fenstertechnik (ift) in Rosenheim beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit der Erforschung des Fensterbaus, der Herausgabe von Normen und Richtlinien für die Konstruktion von Fenstern und der Überprüfung und Zertifizierung von Fenster-Herstellern.

Dort hat man festgestellt, dass die Entscheidung für Holz oder Kunststoff oftmals eine Geschmacksfrage ist. Vergleichbare Fenstertypen aus Holz oder PVC sind auch von der Funktion her qualitativ ebenbürtig.

Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass die Werkstoffe Holz oder Kunststoff verschieden auf Feuchtigkeit und Wärme reagieren. Holz kann bei Wärme Feuchtigkeit abgeben und dadurch schwinden oder quellen. Auch Fenster aus Kunststoff dehnen sich bei extremer Wärmebelastung aus. Hier besteht die Gefahr, dass sich die Fenster beim Abkühlen nicht mehr auf das vorherige Maß zurückbewegen und dadurch klemmen können.

Holzfenster: Vorteile und Nachteile

Neben einheimischen Holzarten wie Kiefer, Fichte, Lärche und Eiche werden in großem Maße auch ausländische Hölzer zum Fensterbau eingesetzt: Hemlock und Oregon-Pine sind Nadelhölzer aus Nordamerika; Mahagoni, Meranti und Niangon sind tropische Hölzer.

Wer Holz als ökologischen Baustoff nutzen möchte, verzichtet auf Tropenhölzer oder wählt nur solche aus, die aus einer nachhaltigen Produktion stammen.

Lamellierte Fensterprofile – das sind Profile, die aus mehreren Holzschichten zusammengeleimt sind – sind für die Rahmenkonstruktion heute ein Standard. Sie haben gegenüber herkömmlichen Profilen den Vorteil, dass sie sich nicht so leicht verziehen können.

Holzfenster benötigen wegen der Möglichkeit des Quellens und Schwindens des Holzes und zur Vermeidung von Schäden durch Verwitterung oder Fäulnis eine gute Pflege.

Wie oft ihr eure Fenster instand halten müsst, hängt dabei vor allem von der Art der Beschichtung (lasiert oder deckend lackiert) und von der Beanspruchung durch Bewitterung ab (Himmelsrichtung, Einbauhöhe, geschützte oder frei bewitterte Einbaulagen).

So kann ein erster Überholungsanstrich bei deckend in einem hellen Farbton lackierten Fenstern erst nach etwa zehn Jahren, bei lasierten, stark bewitterten Fenstern schon nach etwa drei Jahren erforderlich werden.

Mann streicht Holzfenster
Holzfenster müsst ihr regelmäßig streichen. © Getty Images/iStockphoto

Haltbarkeit von Holzfenstern

Im günstigsten Fall hält ein Holzfenster 80 Jahre. Der Durchschnitt liegt bei 40 Jahren. Ein Holzfenster hat in seiner Energiebilanz und bei der CO2-Emission einen deutlichen Vorteil gegenüber einem Kunststoff-Fenster.

In der Praxis wird die Lebensdauer von Fenstern zumeist eher weniger vom Werkstoff des Rahmens als vielmehr von der Funktionsfähigkeit der Beschläge bestimmt. Ist allerdings aus diesem Grunde eine Fenstererneuerung bereits nach 20 Jahren erforderlich, wäre ein Fenster aus PVC günstiger als eines aus Holz.

Kunststofffenster: Vorteile und Nachteile

Kunststoff-Fensterrahmen werden zumeist aus industriell vorgefertigten Hohlkammerprofilen aus Hart-PVC angeboten. Solche Rahmen müsst ihr nicht mehr streichen. Kunststoff-Fenster werden überwiegend mit weißen Rahmen angeboten. Es gibt aber auch PVC-Fenster in Farbe oder Holzoptik.

Verfärbungen, früher noch ein ärgerliches Problem, gibt es heute nicht mehr. Heutzutage enthält der Kunststoff eine Beimischung von so genannten Farbstabilisatoren.

Kunststofffenster sind die günstigste Alternative bei Fensterrahmen.

Fenster aus Kunststoff gelten als pflegeleicht. Ihr solltet aber beachten, dass auch Kunststoff-Fenster im Laufe der Zeit verwittern. Alle Erzeugnisse der organischen Chemie – und dazu gehört auch PVC – werden im Laufe der Zeit durch die ultravioletten Strahlen des Sonnenlichtes zerstört. Es findet eine schleichende Verwitterung statt, die sich darin zeigt, dass die ursprünglich glatte Oberfläche matt wird.

Ein weiterer unangenehmer Effekt besteht darin, dass sich PVC – besonders bei starker Erwärmung – elektrostatisch auflädt und Staub und Schmutz anzieht, der dann in die Oberfläche förmlich eingebrannt wird. Allein aus diesem Grund müsst ihr auch Kunststoff-Fenster laufend mit geeigneten Pflegemitteln behandeln.

Die ganz preiswerten Kunststoff-Fenster müsst ihr bereits nach etwa 30 Jahren auswechseln. Hochwertige halten bis zu 50 Jahre.

Kunststofffenster
Weiße Kunststofffenster werden in Deutschland am häufigsten verbaut. © Getty Images/iStockphoto

Holz-Aluminium-Fenster: Das beste aus zwei Welten

Für besondere Ansprüche gibt es Fensterrahmen, bei denen Holz und Aluminium miteinander verarbeitet sind. Bei einem Holz-Aliminium-Fensterrahmen handelt es sich im technischen Sinne um ein Holzfenster, das im Außenbereich mit einer Aluminiumverblendung versehen ist.

Das Alu-Profil schützt die Außenseite vor Witterungseinflüssen. Es ist extrem witterungsbeständig und wartungsfrei. Auf der Innenseite übernimmt das Holz eine wärmedämmende Funktion und strahlt zugleich eine behagliche Atmosphäre aus.

Entsprechende Profilschalen aus Aluminium werden auch für die Instandsetzung der Außenflächen von älteren Holzfenstern angeboten.

Aluminium verwittert nicht – auch wenn es über Jahrzehnte Wind und Wetter ausgesetzt ist. Allerdings setzt Aluminium eine Art Patina an, was vielen nicht gefällt. Dieser Effekt kann jedoch vermieden werden, wenn das Aluminium beispielsweise mit einer Pulverbeschichtung veredelt wird. Durch eine Pulverbeschichtung kann es auch farblich verändert werden und ist heute in nahezu allen Farben erhältlich.

Trotzdem solltet ihr auch bei Holz-Aluminium-Fenstern auf einen Aspekt achten: Die beiden Materialien reagieren auf Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit sehr unterschiedlich. An der Oberfläche der Aluminiumverschalung kondensiert Wasser sehr leicht. Dieses Schwitzwasser kann auf der Rückseite der Verschalung auf das Holz übergehen und dieses schädigen. Daher ist es wichtig, dass zwischen Holzrahmen und Aluminiumverschalung ein Mindestabstand eingehalten wird, sodass hier Luft zirkulieren kann.

Zudem sind hochwertige Holz-Aluminium-Fensterrahmen teurer als Holz- oder Kunststofffenster.

Holz-Aluminium-Fenster
Moderne Fenster-Variante: Aluminium-Holz-Fenster vereinen das Beste aus zwei Welten. © Getty Images/iStockphoto

Kunststoff-Aluminium-Fenster und Holz-Kunststoff-Fenster

Auf dem Markt gibt es auch Kunststoff-Fenster mit Aluminiumprofilien außen. Von der Verbindung profitieren hauptsächlich die Langlebigkeit sowie der Einbruchschutz der Fenster. Auch der Schallschutz wird durch die Kombination der beiden Materialien leicht verbessert.

Neuerdings werden auch Holzfenster angeboten, bei denen die Außenseite mit Kunststoff /PVC-Profilen verkleidet ist. Dies hat den Vorteil, dass die Fenster außen nicht mehr gestrichen werden müssen.

Fensterrahmen aus verschiedenen Materialien im Vergleich

  • Kunststoff
  • Kunststoff- Alu
  • Holz
  • Holz-Alu
  • Langlebigkeit
  • ++
  • +++
  • ++
  • +++
  • Pflegeleicht
  • ++
  • +++
  • +
  • ++
  • Wärmedämmung
  • +++
  • +++
  • ++
  • ++
  • Witterungsbeständig
  • +++
  • +++
  • +
  • +++
  • Stabilität
  • ++
  • ++
  • ++
  • +++
  • Schallschutz
  • +
  • ++
  • ++
  • ++
  • Sicherheit/Einbruchschutz
  • ++
  • +++
  • ++
  • +++
  • Klimabilanz
  • +
  • +
  • +++
  • ++

Fenster aus Kunststoff, Holz und Aluminium im Vergleich

Beachtet, dass es keine wartungsfreien Fenster gibt. Abgesehen von der Pflege der Oberflächen müsst ihr die Beschläge in Abständen überprüfen, gegebenenfalls ölen und möglicherweise nachstellen. Auch die Dichtungen solltet ihr regelmäßig auf Schäden überprüfen.

Querschnitt durch ein Holz-Aluminium-Fenster
Außen Aluminium, innen Holz: So ist ein Fensterrahmen aus zwei Materialien aufgebaut. © Getty Images/iStockphoto

Dunkle Fensterrahmen: Das solltet ihr beachten

Fensterrahmen sollten vorzugsweise hell sein. Bei dunklen Farbtönen erwärmen sich die Fenster sehr stark, was sich bei Kunststoff-Fenstern, aber auch bei Fenstern aus Holz ungünstig auswirken kann.

Wollt ihr Fenster in dunkleren Farbtönen, wie sie derzeit im Trend liegen, dann solltet ihr beachten, dass sich dadurch bei Holzfenstern die Instandhaltungsintervalle für die Beschichtung verkürzen. Bei Kunststoff-Fenstern solltet ihr ausschließlich Folien verwenden, die Infrarotstrahlung reflektieren, damit sich die Fenster nicht so stark erwärmen.

So erkennt ihr ein gutes Fenster

Nachdem ihr euch für einen bestimmten Fenstertyp – Holz, Kunststoff oder Holz-Aluminium – entschieden habt, ist es beim Vorliegen mehrerer Angebote oft schwer zu beurteilen, wie die Qualität der einzelnen Anbieter ist. Aus diesem Grund werden Fenster immer nur als komplettes einheitliches Element beurteilt und von unabhängigen Prüfinstituten getestet.

Grundsätzlich gilt dabei: Die Eigenschaften hinsichtlich Wärmedämmung, Luftdichtheit, Schlagregendichtheit, Schallschutz, Widerstandsfähigkeit gegen Windlast, Dauerfunktion und Einbruchhemmung müssen nach DIN EN 14351-1 klassifiziert werden. Achtet auf diese Euro-Norm, wenn ihr Fenster kauft.

Handwerklich hergestellte Holzfenster werden über den Nachweis für die Beschläge klassifiziert.

Zusätzliche Qualitätsmerkmale können über Gütezeichen, wie beispielsweise das RAL-Gütesiegel der Gütegemeinschaft Fenster, Fassaden und Haustüren e.V. sichergestellt werden.

Lasst euch bei der Auswahl unbedingt von einem sachkundigen Planer, also einem Architekten, oder dem ausführenden Fensterbauer beraten. Und achtet darauf, dass die Montage nach dem RAL-Leitfaden "Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren für Neubau und Renovierung" (sogen. RAL-Montage) erfolgt.

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