Große Wohnung
© Getty Images

Wohnen | News

Wohnraumstudie: Wo Menschen in Deutschland am meisten Wohnfläche haben

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Alle fünf Jahre vergrößert sich die Wohnfläche pro Person in Deutschland um einen Quadratmeter. Allerdings wird im ländlichen Raum weit mehr Wohnraum pro Kopf verbraucht als in den Metropolen. Wo Menschen in Deutschland am meisten und am wenigsten Platz haben.

Die pro Person verfügbare Wohnfläche ist in Deutschland in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Laut einer Studie des Immobiliendatendienstleisters Empirica Regio hatten die Menschen 2020 vor allem auf dem Land, aber auch in Großstädten mehr Platz zur Verfügung als fünf Jahre zuvor.

Demnach ist die Wohnfläche pro Kopf mit 3,7 Prozent am stärksten in ländlichen Regionen gestiegen. Dort liegt sie im Schnitt bei 51,4 Quadratmetern. In kleineren Städten und Vororten hat jeder Einwohner im Schnitt 47 Quadratmeter Platz. In Großstädten stieg die Fläche um 1,5 Prozent auf 40,9 Quadratmeter. Den bundesweiten Schnitt für 2020 beziffert Empirica Regio auf knapp 46 Quadratmeter pro Kopf. Das Statistische Bundesamt kam in früheren Angaben auf 47,4 Quadratmeter.

Für die Studie untersuchte der Immobiliendienstleister alle deutschen Gemeinden ab 400 Einwohnern und damit knapp 9.000 Gemeinden und 107 kreisfreie Städte.

Wo besonders viel Wohnraum zur Verfügung steht

Vor allem in beliebten Ferienorten wird viel Wohnfläche pro Einwohner verbraucht, aber auch in den ländlichen Regionen steht den Menschen besonders viel Wohnraum zur Verfügung. Die typische Gemeinde mit einem sehr hohen Wohnflächenverbrauch von mehr als 65 Quadratmeter pro Kopf hat meistens weniger als 1.200 Einwohner, befindet sich im ländlich geprägten Raum und verlor in den vergangenen fünf Jahren an Bevölkerung.

Kampen auf Sylt ist mit 264 Quadratmetern pro Einwohner absoluter Spitzenreiter. Es folgen:

  • Nieblum auf Föhr mit 120,9 Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf
  • Wennigstedt-Braderup, ebenfalls Sylt, mit 108 Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf

Die übrigen Gemeinden mit dem höchsten Wohnflächenverbrauch pro Kopf sind:

  • Beuren (Eifel) (75,2 m²/Kopf)
  • Bremm in Rheinland-Pfalz (74,6 m²/Kopf)
  • Aventoft in Schleswig-Holstein (73,6 m²/Kopf)

"Gerade ländliche Regionen haben noch genügend Bauland und -platz, um neuen Wohnraum zu schaffen. Dort dominieren Einfamilienhäuser mit einem großen Flächenverbrauch pro Kopf. In peripheren Räumen führen aber auch zunehmende Alterung, der Wegzug der jungen Menschen und damit steigende Leerstände zu einer erhöhten Pro-Kopf-Wohnfläche", erklärt Jan Grade, Geschäftsführer der empirica regio.

Wo besonders wenig Wohnraum zur Verfügung steht

Besonders wenig Wohnraum hatten dagegen die Menschen der niedersächsischen Gemeinde Osterheide – dort sind es nur 12,5 Quadratmeter pro Kopf. Den zweitletzten Platz belegt Friedland, ebenfalls in Niedersachsen, mit 28,4 Quadratmeter pro Kopf. In diesen beiden Gemeinden stehen allerdings größere Gemeinschaftsunterkünfte, wodurch die Statistik verzerrt wird.

Die übrigen Gemeinden mit einem niedrigen Wohnflächenverbrauch sind:

  • Raunheim in Hessen (34,3 m²/Kopf)
  • Bliesdorf in Brandenburg (34,3 m²/Kopf)
  • Stuttgart (37,6m²/Kopf)
  • Frankfurt (37,4 m²/Kopf)
  • Offenbach (35 m²/Kopf)

So viel Platz gibt es in den Metropolen

In den Metropolen wächst der Wohnflächenverbrauch nur sehr gering oder gar nicht. Berlin und Köln verzeichnen keinen Zuwachs. Pro Einwohner stehen dort seit Jahren jeweils 38,9 Quadratmeter zur Verfügung.

Frankfurt am Main, München, Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart konnten ein überschaubares Wachstum des Wohnflächenverbrauchs pro Kopf verzeichnen: Insgesamt haben die Einwohner dort zwei Prozent mehr Platz als noch 2015.

In Düsseldorf ist die verbrauchte Wohnfläche pro Kopf mit 41,6 Quadratmetern von den Top-7-Städten am höchsten. Am wenigsten Platz haben Frankfurter. Sie müssen sich mit 37,4 Quadratmetern pro Kopf begnügen.

"Es scheint, als sei der Flächenverbrauch in den Großstädten geradezu einzementiert. Selbstverständlich ist gerade in den Großstädten Platz Mangelware. Hohe Preise und ein angespannter Miet- oder Eigentumsmarkt führen entweder zum Kauf oder der Anmietung einer kleineren Wohnung oder zur Verbreitung von platzsparenden Wohnkonzepten, wie Wohngemeinschaften", erklärt Jan Grade. "Typischerweise bewegen sich Universitätsstädte allgemein in ähnlichen Flächenverbrauchsdimensionen, wie es die Metropolen tun." So verbrauchen etwa Leipzig, Hannover, Marburg und Gießen nur unwesentlich mehr Wohnraum pro Kopf als die Top-7-Metropolen.

Wie sich die Wohnfläche pro Kopf entwickelt hat

Die Menschen in Deutschland verbrauchen immer mehr Wohnfläche pro Kopf. Seit 2005 ist der Flächenverbrauch mit Ausnahme des Jahres 2015, als in der Flüchtlingskrise außergewöhnlich viele Menschen zugewandert sind, stetig gestiegen. Laut einer Studie der DZ Bank vom Sommer 2021 kommen im Schnitt 0,2 Quadratmeter pro Jahr dazu. Das heißt, alle fünf Jahre vergrößert sich die Wohnfläche pro Person um einen Quadratmeter. 1995 lag der Wert noch bei 36 Quadratmetern pro Person – ein Fünftel weniger als 2020.

Eine Trendumkehr erwarten die Experten nicht. Ein Grund ist die wachsende Zahl an Einpersonenhaushalten – auf eine Wohnung kamen 2020 im Schnitt weniger als zwei Menschen, so das Statistische Bundesamt. Auch der von der Pandemie verstärkte Wunsch nach geräumigen Wohnungen – auch mit Blick auf Homeoffice – dürfte das Flächenwachstum weiter vorantreiben.

Das wird dich auch interessieren