Miriam vor ihrem Tiny House
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Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Miriam und ihre Tiny-House-Studentenbude

Statt in eine WG zu ziehen, hat sich Miriam Hantzko ihre Studentenbude einfach selbst gebaut: Ein knapp 18 Quadratmeter großes Tiny House. Sie erzählt, was sie das gekostet hat, welche Herausforderungen sie meistern musste und was sie heute anders machen würde.

Eine eigene Studentenbude für weniger als 5.000 Euro? Diesen Traum hat sich die 23-jährige Miriam Hantzko erfüllt. Die Modedesign-Studentin lebt seit September 2019 bei Halle an der Saale in einem Bauwagen, den sie innerhalb von vier Wochen mit Freunden ausgebaut hat.

Das Grundgerüst ihres knapp 18 Quadratmeter großen Tiny Houses ist ein alter DDR Castor. Also ein Bauwagen mit dem typisch geformten Castordach, der aus Sandwichpaneelen besteht. Er kann mit einem Traktor bewegt werden, hat eine entsprechende Kupplung und ist druckluftgebremst.

Mit wenig Budget zum eigenen Haus

Die Stirnseiten des Wagens hat Miriam mit acht Zentimetern Zellulosedämmung gedämmt. Die Decke wurde mit Profilholz vertäfelt. Den Boden musste Miriam komplett austauschen, dort hatten sich schon Mäuse eingenistet und er war an vielen Stellen komplett kompostiert.

Die Spinde und Truhen der ursprünglichen Einrichtung hat sie entfernt und aus einem der Spinde ihren Küchenschrank gebaut. Da auch die Fenster mehr als marode waren, hat die Studentin diese durch besser isolierte und größere getauscht. Innen hat sie in der Küche Fliesen gelegt und im Wohn- und Schlafbereich Parkett. Bilder vom Innenausbau gibt es auf ihrem Instagram-Profil.

Die Toilette und die Dusche sind ausgelagert. Das hat einiges an Aufwand, was Wasserversorgung und Abwasser angeht, einfacher gemacht. Noch ist nicht alles fertig, es fehlt beispielsweise noch die Holzverkleidung außen. Außerdem will Miriam ein Dach mit Dachüberstand konstruieren, damit das Regenwasser nicht mehr direkt an den Außenwänden herunterläuft.

Die benötigten Materialien hat sie sich bei ebay-Kleinanzeigen zusammengesucht, um Geld zu sparen und um im Sinne der Weiternutzung von Material nachhaltig bauen zu können. Auch deshalb kam sie bisher mit weniger als 5.000 Euro aus.

Das Tiny House ist Miriams Hauptwohnsitz. Sie verbringt aber auch Zeit bei ihrem Freund und kann so den besonders kalten Nächten ein wenig entfliehen. Der kleine Holzofen, mit dem das Tiny House beheizt wird, reicht nämlich nicht immer aus für eine Wohlfühltemperatur.

Zum Tiny House ausgebauter Bauwagen
Am meisten schätzt Miriam, dass sie in ihrem Tiny House umgeben von Natur ist. © Privat

5 Fragen an Tiny House-Bewohnerin Miriam Hantzko

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Ich habe vorher allein in einer Zwei-Zimmerwohnung relativ weit von der Universität entfernt gewohnt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich nur noch zum Schlafen dort war und die Tage in der Uni oder mit Freunden verbracht habe. Auch war mir seit meiner Kindheit das Konzept einer Mietwohnung suspekt.

Dann fiel mir auf, dass ich alle Dinge mindestens in doppelter Ausführung hatte. Also habe ich sehr kurzfristig meine Wohnung gekündigt und hatte von dort an drei Monate Zeit, um mein neues Heim zu realisieren. Als Notlösung bestand immer die Möglichkeit, in eine WG zu ziehen, aber trotz einiger stressiger Passagen hat letzten Endes alles geklappt und ich habe nun einen kleinen, aber von mir frei formbaren Wohnraum.

2. Welche Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Parallel zu der Suche nach einem ausgedienten Bauwagen habe ich mich auf die Suche nach einem Stellplatz gemacht. Glücklicherweise kam alles zusammen und ich habe nach einer Suche von nur etwa zwei Wochen einen Stellplatz auf einem Bauwagenplatz und einen alten DDR-Bauwagen gefunden.

Die größte Hürde war definitiv der Zeitdruck. Da ich vorher noch einen Monat Urlaub gemacht hatte, blieb mir nun nur noch knapp ein Monat, bis der Mietvertrag für meine Wohnung auslief und der Wagen bezugsfertig sein musste. Mit vielen Freunden haben wir eine Woche lang erst einmal den Wagen komplett entkernt. Dabei haben wir festgestellt, dass einige der Balken, mit denen die Paneele verbunden sind, morsch waren, sodass wir einiges an Arbeit investieren mussten, um neue Latten passgenau einzusetzen. Auch für die Fenster haben wir Rahmen gebaut, um sie in den Paneelen sicher befestigen zu können.

In der zweiten Woche wurde der neue Boden eingesetzt und ich habe angefangen, den Innenraum mit OSB-Platten zu verkleiden. In Woche drei und vier wurde die Verkleidung fertiggestellt, die Wände verputzt, Fliesen gelegt und anschließend wurden meine Möbel in das provisorische, aber bewohnbare Häuschen auf Rädern gebracht.

Danach habe ich nach und nach den Innenraum gestaltet, die Elektrik wurde verlegt und die Küche gebaut. Dann kam rechtzeitig zu den ersten kalten Nächten auch der kleine Holzofen an seinen Platz und Ende November wurde es langsam gemütlich und ich fühlte mich bereit für den kommenden Winter.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Am schwierigsten waren die Wintermonate, in denen ich morgens bei sieben bis zwölf Grad Celsius aufgewacht bin, da der Ofen die Wärme nicht die ganze Nacht hält. Morgens, bevor ich in die Uni muss, lohnt es sich zeitlich nicht, noch einmal einzuheizen, deswegen blieben mir nur warme Pullover und ein schneller Aufbruch. Trotz dessen waren die Abende umso gemütlicher, und ich möchte auch die Winterzeit nicht missen.

Für den kommenden Winter denke ich über ein komfortableres Heizsystem nach. Ungefähr einmal pro Woche muss ich meinen 50 Liter Wassertank neu befüllen, von wo aus das Wasser über eine Fußpumpe zu meinem Spülbecken fließt.

Dadurch dass Toilette und Dusche ausgelagert sind, unterscheidet sich mein Tiny komforttechnisch von einer Wohnung oder einem Haus. Allerdings ist das nichts, von dem ich mich eingeschränkt fühle.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Am besten finde ich den Garten direkt vor der Tür, beziehungsweise überall um mich herum. Morgens zwitschern Vögel, der Regen prasselt aufs Dach und der Wind pfeift um die Ecken. Auch stört es niemanden, wenn ich nachts noch schnell mit der Stichsäge die Öffnung für mein Spülbecken in meine Arbeitsplatte säge oder lange an der Nähmaschine sitze.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House bauen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Da ich vor dem Ausbau intensive Recherche betrieben habe, war die einzige böse Überraschung der schlimme Zustand des Bodens. Ich würde dennoch gern einmal ein Tiny von Grund auf aufbauen, um hinsichtlich der Form und der Aufteilung bewusste Entscheidungen treffen zu können. So war ich an die Form der Sandwichpaneele gebunden, dadurch fiel die Möglichkeit einer zweiten Ebene weg.

Trotzdem bin ich nun mehr als zufrieden mit meiner Raumaufteilung, ich habe mich von noch einer Menge mehr Dingen getrennt als vor dem Einzug und habe nun nur noch ein bisschen mehr als ich tatsächlich brauche.

Miriam Hantzkos Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Tut es einfach. Zurück kann man immer noch. Und komfortables Wohnen auf kleinem Raum ist auch mit wenig Budget möglich. Allerdings kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, meine 17,5 Quadratmeter mit irgendjemandem zu teilen.

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