Geflieste Terrasse mit Teilblick auf das offene Stelzlager
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Modernisieren | Ratgeber

Stelzlager: Warum Terrassenlager für Balkon & Terrasse (fast) nur Vorteile bringen

Dirc Kalweit

Level: Für Fortgeschrittene

Stelzlager sind beim Verlegen von Bodenbelägen auf Balkon und Terrasse ein fantastisches Hilfsmittel. Mit ihnen lässt sich verhindern, dass die Witterung die Fliesen oder Dielen angreift. Der Trick dabei ist ebenso simpel wie genial.

Vielleicht kennt ihr das auch: Jahrelang hat der Belag auf dem Balkon oder der Terrasse gehalten – bis dann plötzlich der Mörtel bröckelt, die Fugen brechen und der Boden komplett aufreißt. Das liegt meist daran, dass der Plattenbelag über Mörtel und Kleber komplett miteinander verbunden ist und nicht auf so genannten Stelzlagern aufliegt.

Was diese Stelzlager sind, wie sie funktionieren und warum sie so viel vorteilhafter sind als die vollflächige Verlegung von Balkon- und Terrassenböden, dass erklären wir euch hier.

Warum herkömmliche Terrassenbeläge nicht frostsicher sind

Für die Oberflächengestaltung von Balkonen und Terrassen werden "frostsichere" Fliesen, Platten, Kleber und Mörtel empfohlen. Für sich allein genommen sind diese Baustoffe frostbeständig. Nur im Verbund miteinander verarbeitet ist das meistens nicht der Fall. Denn: Jeder Baustoff hat bei Wärme und Kälte ein unterschiedliches Ausdehnungsverhalten. Und das wirkt sich gerade bei unserem Klima negativ aus.

Im Sommer, bei starker Sonneneinstrahlung, kann sich der Bodenbelag bis auf +60 Grad Celsius erwärmen. Im Winter, bei Eis und Schnee, sind Temperaturen bis - 20 Grad Celsius möglich. Das heißt: Bodenbelag und Fugenmörtel müssen Temperaturunterschiede von bis zu 80 Grad Celsius verkraften.

Wie Wasser Terrassen- und Balkonbeläge zerstört

In der Praxis zeigen die zahlreichen schadhaften Balkonfußböden, dass Ausdehnungs- und Schwundverhalten von Fliesen und Fugenmörtel verschieden sind. Die Folge: Im Fugenbereich bilden sich feine Haarrisse.

In diese Haarrisse zieht nach dem Kapillar-Gesetz Wasser ein. Je feiner der Riss ist, desto tiefer dringt das Wasser rein. Im Winter gefriert das Wasser in den feinen Rissen und vergrößert sein Volumen um knapp zehn Prozent. Das Eis hat eine enorme Sprengkraft und treibt die Haarrisse noch weiter auseinander. Demzufolge kann das Wasser noch tiefer eindringen, und die beschriebene Entwicklung setzt sich weiter fort. Das Ergebnis: Zuerst brechen die Fugen auf, später platzt der Belag ab.

Stelzlager: Offene Fugen machen den Unterschied

Zwei Fliesenplatten, die auf einem Stelzlager aufliegen
Zwei Fliesenplatten, die auf einem Stelzlager aufliegen. Durch die Konstruktion bildet sich eine offene Fuge. © AGROB BUCHTAL GmbH

Früher hat man versucht, die Balkon- oder Terrassenplatten lose mit offenen Fugen auf Splitt oder Kiesbett oder auf Mörtelsäckchen zu verlegen, um dieses Problem zu vermeiden. Doch auch hier gab es Probleme. Oftmals sackten die Platten ab, und die Mörtelsäckchen zerbröselten.

Heute lässt sich der Balkon- oder Terrassenbelag auf so genannten Stelzlagern sicher verlegen. Das sind in der Regel Kunststofffüße aus Polypropylen. Diese werden unter den Platten jeweils an der Stelle eingebaut, wo die Ecken von vier Bodenplatten zusammenstoßen.

Diese Plattenlager bestehen aus einer Fußplatte, einem Mittelteil und einer Trag- oder Kopfplatte. Diese besitzt ein aus vier Stegen bestehendes Fugenkreuz als Abstandhalter. So wird eine gleichmäßige Fugenbreite von drei oder vier Millimetern gewährleistet.

Durch Stelzlager gelangt das Regenwasser durch die offenen Fugen auf die Unterseite und kann dort im Zwischenraum zwischen Plattenbelag und Untergrund – bei ausreichendem Gefälle – ungehindert ablaufen. Diese Art der Verlegung ist seit Jahrzehnten erprobt und bewährt. Der Plattenbelag liegt fest und sicher, Feuchtigkeits- und Frostschäden können normalerweise nicht mehr auftreten.

Und Stelzlager bieten noch einen Vorteil: Einzelne Platten lassen sich zu Revisionszwecken hochnehmen.

Stelzlager-Modelle und Kosten

Abbildung eines Stelzlagers
Typisches Stelzplager mit Fußplatte, einem Mittelteil und der Trag- oder Kopfplatte. Auf der sitzt dann das aus vier Stegen bestehende Fugenkreuz als Abstandhalter. © PROLINE SYSTEMS

In der Grundform sind Stelzlager eigentlich fast immer gleich. Für verschiedene Anwendungsbereiche gibt es aber trotzdem unterschiedliche Terrassenlager-Modelle:

  • Terrassenlager mit einem starren Mittelteil und fester Kopfplatte.
  • Stelzlager mit einem starren Lager, das durch ein Stecksystem beliebig oft erhöht werden kann.
  • Höhenverstellbare Stelzlager, die ein Gewinde haben, mit dem man das Stelzlager in der Höhe verstellen kann.
  • Daneben gibt es noch einige Sonderformen von Plattenlagern wie Rand- oder Ecklager.

Die gebräuchlichste Variante sind die variablen, also höhenverstellbaren Stelzlager. Durch sie ist es möglich, das Gefälle der Unterkonstruktion auszugleichen, um eine gleichmäßig waagerechte Balkon- oder Terrassen-Oberfläche zu gewährleisten. Je nach Modell und Fabrikat lassen sich Höhen zwischen 2,5 bis 50 Zentimetern erreichen.

Anforderungen an Terrassenplatten, die auf Stelzlagern verlegt werden sollen

Auf Stelzlagern können Platten aus Beton, Granit und Keramik (mindestens zwei Zentimeter stark) verlegt werden. Die Kantenlänge der Platten sollte mindestens 40 Zentimeter, vorzugsweise 50 Zentimeter betragen.

Auch für Balkon- oder Terrassenbeläge aus Holz oder WPC gibt es spezielle Stelzlager. Auf diesen werden die Tragbalken befestigt, mit denen die Dielen verschraubt werden.

Stelzlager kosten ab 1,50 Euro pro Stück

Da es ziemlich viele unterschiedliche Größen und Typen von Stelzlagern gibt, beginnen die Preise bei rund 1,50 Euro pro Stück. Für die "normale" Anwendung müsst ihr mit Kosten zwischen rund drei und sechs Euro pro Stelzlager rechnen.

Wichtig für den erfolgreichen Einsatz von Stelzlagern ist ein ebener und belastbarer Untergrund. © AGROB BUCHTAL GmbH

Die Vorteile und Nachteile von Stelzlagern

Ihr seht, die Verlegung von Bodenplatten auf Balkon und Terrasse auf Stelzlagern hat gegenüber der Variante mit Mörtel und Kleber erheblich Vorteile. Es gibt aber auch hier einige Dinge zu beachten. Wir haben an dieser Stelle mal die Vorteile von Stelzlagern zusammengefasst:

  • Einfache Verlegung. Kein Spezialwerkzeug nötig.
  • Kostengünstig. Der Einsatz von Stelzlagern kostet pro Quadratmeter rund 12 bis 20 Euro.
  • Höhenverstellbare Stelzlager sorgen bei Unebenenheiten des Untergrunds für einen recht einfachen Niveauausgleich.
  • Stelzlager sorgen für offene Fugen. Dadurch fließt Wasser (bei ausreichender Terrassenneigung) problemlos ab. Das heißt: Keine Pfützen, keine Eisbildung.
  • Wohin mit Rohren, Kabeln und so weiter? Durch die Stelzlager bildet sich ein Hohlraum, in dem sich sehr gut unschöne Rohre und Kabel verstecken lassen.

Den Vorteilen stehen folgende Nachteile entgegen:

  • Welches Stelzlager benötige ich und in welcher Menge? Vor der Installation ist eine gute Planung wichtig.
  • Ein fester Untergrund ist notwendig. Ist die Basis zu weich oder instabil, haben die Stelzlager keinen Halt und die Platten oder Dielen verrutschen.
  • Hohler Trittschall. Da durch die Stelzlager unter dem Belag ein Hohlraum entsteht, gibt es "hohle Geräusche" beim Gehen. Eigentlich kein Makel, aber manche stört das.
  • Ausreichende Belastbarkeit. Bodenbeläge, die verklebt sind, haben in der Regel eine höhere Belastbarkeit in punkto Gewicht pro Quadratmeter. Damit auch große Pflanzentöpfe auf Bodenbelägen mit Stelzlagern sicher stehen, müsst ihr einfach ein paar Stelzlager mehr einplanen.

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