Steckdose auf grüner Wand
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Analyse zeigt: Strompreis steigt stärker als Kosten für Anbieter

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Die Deutschen müssen Jahr für Jahr einen höheren Strompreis zahlen. Eine Analyse zeigt nun: Die Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren für Verbraucher sind weit höher als die Kosten für die Anbieter gestiegen sind.

Der Strompreis in Deutschland steigt seit Jahren. In kaum einem anderen Land der Welt müssen die Menschen so viel für Elektrizität ausgeben. Verantwortlich dafür machen Anbieter gerne Steuern, Netzeentgelte und die EEG-Umlage. Doch die Kosten für die Anbieter passen mit den Preiserhöhungen für die Verbraucher nicht zusammen. Das zeigt eine bundesweit durchgeführte Analyse des Tarifwächters Switchup.

Das Portal hat sich die Entwicklung aller wichtigen Kosten für die Stromanbieter über einen Zeitraum von drei Jahren angesehen. Diese Kosten wurden dann mit dem Preisen der Grundversorger in den 50 größten deutschen Städten verglichen. Das Ergebnis: "Die Schere zwischen Verbraucherpreisen und den wesentlichen Kostenkomponenten klafft zunehmend auseinander."

Strompreis für Musterhaushalt seit 2018 um 103 Euro teurer

So habe zum Beispiel ein Musterhaushalt, der im Jahr 3.500 Kilowattstunden Strom verbraucht, im Jahr 2018 im Grundversorger-Tarif durchschnittlich 1.071 Euro bezahlt. Dem Anbieter seien dafür Kosten von im Schnitt 941 Euro entstanden. Im kommenden Jahr muss der gleiche Haushalt für den gleichen Verbrauch voraussichtlich 1.174 Euro Strompreis zahlen – also 103 Euro mehr. Für die Anbieter seien im Jahresvergleich allerdings lediglich sechs Euro Mehrkosten entstanden. Anbieter müssen 2021 für 3.500 Kilowattstunden unter Berücksichtigung der bislang angekündigten Preisänderungen 947 Euro berappen.

Die 97 Euro Differenz beim Strompreis lasse sich durch die tatsächliche Kostenentwicklung nicht erklären. Auch dann nicht, wenn man von steigenden Börsenstrompreisen ausgeht.

Strompreis: Für Anbieter sind nur Netzentgelte teurer geworden

Für die Berechnungen hat Switchup alle externen Kostenfaktoren berücksichtigt. Diese beinhalten Steuern, Abgaben, Umlagen, Netzentgelte und Beschaffungskosten. Während Steuern, Abgaben und Umlagen auf dem Niveau von 2018 liegen, sind die Beschaffungskosten sogar um 0,4 Prozentpunkte gesunken. Lediglich die Netzentgelte sind in den vergangenen Jahren um 0,5 Prozentpunkte gestiegen.

Die Studie betrachtet allerdings lediglich den Strompreis in Grundversorger-Tarifen. Die Anbieter, die alternative günstigere Tarife anbieten, sind nicht berücksichtigt. Dort gibt es durchaus einen Wettbewerb um die Strompreise. Im Grundversorger-Tarif befinden sich immer noch 26 Prozent der Haushalte. Verbraucherschützer raten diesen Haushalten, einen aktiven Wechsel des Stromanbieters. Im Grundversorger-Tarif beträgt die Kündigungsfrist lediglich zwei Wochen.

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