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Strompreise seit 2009 um 35 Prozent gestiegen

Albert Linner

Strom in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent teurer geworden. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP hervor. Ob erneuerbare Energien am starken Wachstum schuld sind, ist jedoch zumindest fraglich.

Die Strompreise sind laut Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen. So kletterten die Preise zwischen 2009 und 2019 um 35 Prozent nach oben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor, wie die "Augsburger Allgemeine" berichtet.

Demnach zahle ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden heute rund 320 Euro pro Jahr mehr als noch 2009. Auch Betriebe müssen mit immer höheren Stromkosten rechnen. Hier liegt das Wachstum bei 34 Prozent.

Der Grund laut Bundesregierung: die hohen Netzentgelte. Die seien in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent gestiegen. Und das, obwohl der dringend benötigte und geplante Stromnetzausbau stockt. So mussten für den Öko-Strom, der im Jahr 2018 nicht in Stromnetze eingespeist werden konnte, weil es zu wenig Leitungen gibt, 635 Millionen Euro an Entschädigung gezahlt werden. Bekommen haben dieses Geld vor allem Windkraftbetreiber, gezahlt haben es Stromkunden.

Strompreise 2020 auf neuem Rekordhoch?

2019 dürften die Entschädigungszahlungen noch höher ausfallen. Laut Bundesnetzagentur lagen die allein in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres schon bei 364 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr lag der Preis für eine Kilowattstunde Strom für Privathaushalte laut Bundesnetzagentur erstmals bei teilweise mehr als 30 Cent. In diesem Jahr wird er kaum günstiger werden. Denn für 2020 haben Übertragungsnetzbetreiber eine Steigerung des Preises um rund 5,5 Prozent angekündigt. Das wäre ein neues Rekordhoch für den deutschen Strompreis.

Neben den hohen Netzentgelten machen die Betreiber die EEG-Umlage für die steigenden Preise verantwortlich. Diese Umlage macht gut ein Viertel des Strompreises aus. Das EEG-Konto, auf das die vier deutschen Netzbetreiber die Einzahlungen und Auszahlungen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) buchen, ist zwar im Plus. Allerdings mit einem rund 40 Prozent niedrigeren Betrag als noch 2018. Mit der EEG-Umlage wird der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert. Mittelfristig plant die Bundesregierung jedoch, die EEG-Umlage im Rahmen des Klimapakets zu senken.

Laut FDP-Energieexpertin Sandra Weeser seien die Preistreiber die hohen Zusatzabgaben wie Ökostrom-Umlage, Netzentgelte und Stromsteuer. Diese machten mittlerweile mehr als die Hälfte des Strompreises aus.

Erneuerbare Energien sorgen laut Studie für stabilen Preis

Der scheinbar einfache Schluss, dass die erneuerbaren Energien am hohen Strompreis schuld sind, ist nicht ganz richtig. Eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) aus dem Herbst 2019 kommt sogar zum gegenteiligen Ergebnis. Demnach haben Verbraucher seit 2015 40 Milliarden Euro eingespart, weil ein Teil des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommt. Der Grund: Hätte die Energie aus den erneuerbaren Ressourcen nicht zur Verfügung gestanden, wäre der Preis wegen der gestiegenen Nachfrage nach Strom deutlich höher ausgefallen.

In den Jahren 2014 bis 2018 hätte es keine Deckung des Strombedarfs ohne erneuerbare Energien gegeben, so die Wissenschaftler der FAU. Das zeige sich auch am Strompreis, der zwar vor 2012 stark gestiegen sei, von 2013 bis 2019 im Schnitt aber nur noch um 0,7 Prozent pro Jahr nach oben geklettert ist.

Bezieht man die Daten der FAU-Studie mit ein, sind die seit 2009 drastisch gestiegenen Strompreise also kein Phänomen der letzten Jahre, sondern rühren eher aus den Jahren vor 2013.

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