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Wohnungen statt Büros: Bündnis fordert Umwidmung

Katharina Schneider

Katharina Schneider

235.000 neue Wohnungen könnten innerhalb der nächsten vier Jahre entstehen, wenn Büros in Wohnungen umgewidmet würden. Ein neues Bündnis aus verschiedenen Verbänden macht sich jetzt für Wohnungen statt Büros stark. Die Zeit sei günstig, denn durch die Pandemie sei die Akzeptanz von Homeoffice gestiegen.

Hunderttausende Büros sind seit Beginn der Corona-Pandemie unbenutzt. Das Bündnis "Soziales Wohnen" fordert nun: Wohnungen statt Büros – und zwar auch nach der Pandemie. Vertreter des Bündnisses wollen, dass Büroflächen in Wohnflächen umgewidmet werden. Laut Berechnungen des schleswig-holsteinischen Forschungsinstituts Arge, auf die sich das Bündnis beruft, könnten so bis zum Jahr 2025 235.000 zusätzliche Wohnungen entstehen.

Das Bündnis warnt vor zunehmender Wohnungsnot infolge der Krise. Die Wohnungsnot werde sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen. Bundesweit fehlten 670.000 Wohneinheiten. Und zwar fast ausschließlich Wohnungen mit bezahlbarer Miete und Sozialwohnungen, wie Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, sagt. "Bezahlbare Wohnungen und Sozialmietwohnungen sind seit Jahren Stiefkinder der Politik. Dadurch hat sich im unteren Preissegment ein gewaltiges Wohnungsdefizit aufgebaut."

Wohnungen statt Büros: Wachsende Akzeptanz von Homeoffice als Chance

Dem könnte mit einer Umwidmung von Büros in Wohnraum gegengesteuert werden. Denn die Corona-Pandemie, auch wenn sie die Wohnungsnot verschärfe, biete durch die wachsende Akzeptanz von Homeoffice eine Chance. Gefördert durch ein staatliches Sonderprogramm könnte so neuer Wohnraum entstehen. Für diesen müsste es aber eine strikte Sozialquote geben, fordert das Verbändebündnis "Soziales Wohnen".

Neben dem Deutschen Mieterbund (DMB) haben sich dem Bündnis die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP), die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), der Dachverband der Mauerstein-Industrie und der Deutsche Baustoff-Fachhandel (BDB) angeschlossen.

Und die Umwidmung von Büros in Wohnungen sei nicht sehr teuer, heißt es von dem Bündnis. Laut den Berechnungen der Arge kostet der Umbau von Büroflächen in Wohnraum 1.108 Euro pro Quadratmeter. Denn Bürogebäude hätten das nötige Tragwerk und erfüllten auch die Standards beim Brandschutz und für Fahrstuhlanlagen. Es sei um einiges teurer, einen Altbau vollständig zu modernisieren (2.214 Euro pro Quadratmeter). Bei einem Neubau fielen Kosten von 2.978 Euro pro Quadratmeter an.

Mehr als 350 Millionen Quadratmeter Bürofläche

Das Bündnis sieht ein enormes Potenzial für das Prinzip Wohnungen statt Büros in Deutschland. Denn es gebe mehr als 350 Millionen Quadratmeter Büroflächen. "Jedes Prozent Bürofläche, das durch Dauer-Homeoffice zu Wohnungen umgenutzt werden kann, macht die Schaffung von rund 50.000 Wohnungen zu je 70 Quadratmetern möglich", sagt Arge-Geschäftsführer Dietmar Walberg. Auch sei der Platzbedarf für einen Arbeitsplatz zu Hause wesentlich geringer als der für einen im Büro, heißt es von dem Bündnis. Während er im Homeoffice bei fünf bis zehn Quadratmetern liege, fielen in Büros 23 bis 45 Quadratmeter an.

Bund, Ländern und Kommunen macht das Bündnis bezüglich der Wohnungspolitik schwere Vorwürfe. Denn Bauen sei durch Auflagen immer teurer geworden. In den vergangenen 20 Jahren sei der Preis um 13,6 Prozent oder um 301 Euro pro Neubau-Quadratmeter gestiegen. "Der Bund mit seinen Gesetzen ist damit ein ähnlich intensiver Kostentreiber wie das Bauland: Die Grundstückspreise sind in der gleichen Zeit um 13,8 Prozent gestiegen. Dadurch mussten Bauherren umgelegt auf die Wohnfläche seit 2000 rund 304 Euro pro Quadratmeter mehr bezahlen", sagt Walberg. Aber auch die Kommunen seien durch vermehrte kommunale Auflagen wie die Pflicht von Stellplätzen für Autos verantwortlich für die steigenden Baukosten.

Ob der Plan "Wohnungen statt Büros" aber aufgeht, ist fraglich. Denn laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben zwei Drittel der Arbeitgeber nicht vor, ihren Mitarbeitern nach der Pandemie mehr Homeoffice zu ermöglichen als zuvor. Die Geschäftsführung müsse zusätzlich im Auge behalten, dass den meisten Beschäftigten ein betrieblicher Arbeitsplatz vertraglich zugesichert sei, heißt es in der IW-Studie.

Bei einer Verlagerung des Arbeitsplatzes ins Zuhause seien Arbeitgeber daher oft verpflichtet, den heimischen Arbeitsplatz entsprechend der Vorlagen des Arbeitsschutzes mit Möbeln und Geräten auszustatten.

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