Leerer Baumarkt
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Modernisieren | Ratgeber

Corona-Krise: Baumärkte bleiben offen – aber nicht überall

Joscha Thieringer

Öffnen oder schließen? Ob Baumärkte in der Corona-Krise zur Grundversorgung gehören, beantworten die Bundesländer unterschiedlich. Obi, Bauhaus, Hornbach, hagebau und toom tun ihrerseits viel, um das Geschäft am Laufen zu halten. Eine Übersicht.

Sollten Baumärkte in Corona-Zeiten weiterhin öffnen oder angesichts der Ansteckungsgefahr schließen? Diese Frage wird derzeit heftig diskutiert – und von den Bundesländern unterschiedlich beantwortet.

Die Bundesregierung hat in ihren erweiterten Leitlinien zur Beschränkung sozialer Kontakte vom 22. März 2020 keine Schließung von Baumärkten und Gartencentern angeordnet. In dem Beschluss heißt es aber: "In allen Betrieben und insbesondere solchen mit Publikumsverkehr ist es wichtig, die Hygienevorschriften einzuhalten und wirksame Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Besucher umzusetzen."

Diese Bundesländer haben Baumärkte geschlossen

Angesichts des Besucheransturms auf viele Baumärkte ist es wenig verwunderlich, dass einige Bundesländer und Kommunen ihre Beschränkungen verschärft haben.

Bayern

In Bayern gelten weitreichende Beschränkungen für Firmen und Freiberufler, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Seit dem 23. März müssen viele Einzelhandel-Betriebe geschlossen bleiben, dazu zählen auch Gartencenter oder Gärtnereien und Blumenläden. Baumärkte in Bayern müssen für Privatpersonen schließen, dürfen für Handwerker mit Handwerksausweis allerdings öffnen.

Um Handwerker, Baufirmen und Bauern zu versorgen, dürfen auch Geschäfte für Baustoffe, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Saatgut öffnen.

Sachsen

Ähnlich rigoros verfährt auch Bayerns benachbarter Freistaat: Seit dem 22. März (vorerst bis einschließlich 5. April) gilt in Sachsen eine verschärfte Allgemeinverfügung. Demnach sind alle Baumärkte, Gartencenter und Blumengeschäfte zu schließen, Tierbedarfsläden dürfen ausdrücklich öffnen.

Außerdem gilt ebenfalls für Baumärkte: "Handwerksbetriebe können nach Absprache oder auf Bestellung Waren kaufen, die sie für die Erledigung ihrer Aufträge benötigen."

Zu häufig gestellten Fragen nimmt der Freistaat Sachsen in einem FAQ-Artikel ausführlich Stellung.

Niedersachsen

Auch Niedersachsen macht die Baumärkte in der Corona-Krise dicht. In der Allgemeinverfügung vom 23. März (PDF) heißt es:

"Betreiberinnen und Betreibern von Baumärkten, Gartenfachmärkten und Gartenbaumärkten ist die Abgabe von Waren an nichtgewerbliche Kundinnen und Kunden (Privatkundinnen und Privatkunden) untersagt. Die Kundinnen und Kunden haben nachzuweisen, ein entsprechendes Gewerbe auszuüben."

Die Allgemeinverfügung gilt vorerst bis zum 18. April. Auch Niedersachsen beantwortet in mehreren FAQ-Artikeln die wichtigsten Fragen seiner Bürgerinnen und Bürger.

Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern hat seine Beschränkungen ebenfalls verschärft. Die Regierung teilte am 23. März mit: "Auch die Bau- und Gartenbaumärkte in Mecklenburg-Vorpommern müssen heute um 20 Uhr schließen. Dies gilt nicht für den Verkauf an gewerbliche Kunden. Ein Abhol- und Lieferservice für gewerbliche und private Kunden ist weiter möglich."

Baumarkt-Tourismus zwischen Bundesländern

Die uneinheitlichen Regelungen zur Schließung von Baumärkten und Gartencentern führen zu "Baumarkt-Tourismus". Nicht wenige Bürger aus Bayern, Sachsen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern fahren in benachbarte Bundesländer, um in den dort geöffneten Baumärkten einzukaufen. "Das war bei unserem Ulmer Hornbach-Markt auch so", bestätigt Hornbach-Sprecher Florian Preuß gegenüber "Spiegel Online". "Das trägt natürlich nicht zum Entzerren der Situation bei, wie sie wegen des Virus gewünscht ist."

Auch auf den Parkplätzen von Bremer Baumärkten sollen sich derzeit viele Autos mit niedersächsischen Kennzeichen befinden.

Es wird daher davon ausgegangen, dass bald bundesweit alle Bau- und Gartenbau-Märkte schließen müssen. Was wiederum den Ansturm auf diese Märkte erhöht. Schließlich steht der Frühling vor der Tür, eine Zeit, in der es ohnehin viele Menschen in die Baumärkte zieht.

Baumärkte setzen auf Online-Shopping

Für die Baumarkt-Branche war 2019 ein Rekordjahr. Der Gesamtumsatz stieg im DIY-Bereich um 3,6 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Dass die Corona-Krise auch diese Branche treffen wird, ist sicher. Weil es durch die Beschränkungen im stationären Handel wahrscheinlich zu Umsatzeinbußen kommt, setzen die meisten Baumärkte auf ihre Online-Shops.

Allerdings – darauf weisen eigentlich alle Baumarkt-Betreiber hin – kann es derzeit zu längeren Lieferzeiten oder eingeschränkter Verfügbarkeit bei einigen Produkten kommen. "Aufgrund des aktuell stark erhöhten Bestellaufkommens und der gegebenen Umstände kann es in einigen Regionen zu Lieferverzögerungen kommen", informiert beispielsweise Obi.

Baumärkte informieren über Corona-Maßnahmen

Mit Erleichterung wurde aufgenommen, dass die Bundesregierung die Branche zur Grundversorgung zählt. Um es sich nicht mit der Öffentlichkeit zu verderben und als Corona-Profiteur dazustehen, verzichten die großen Baumarkt-Betreiber auf zusätzliche Öffnungszeiten an Sonntagen – obwohl die Nachfrage sicherlich groß wäre.

Wie die größten deutschen Baumarkt-Betreiber darüber hinaus mit der Corona-Krise umgehen, zeigen wir hier.

Obi

Als umsatzstärkste Baumarkt-Kette Deutschlands hat Obi schnell reagiert. Obi informiert auf seiner Website mit einem FAQ-Artikel zur Corona-Krise und bietet Beratung weiterhin an – allerdings nur digital in der heyOBI-App.

Zu den Einschränkungen für die Kunden schreibt Obi: "Bitte haltet euch dafür an die umfassenden vorgegebenen Maßnahmen zur Sicherstellung der Hygiene in unseren Märkten und haltet Abstand zueinander und zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zur Unterstützung dieser Sondermaßnahme erlauben und regulieren wir den Zutritt in unsere Märkte ausschließlich über den Haupteingang und verzichten vorübergehend auf sämtliche Serviceleistungen sowie auf Beratungsgespräche in unseren Märkten. Zudem bitten wir euch, ohne Begleitung in den Markt zu kommen."

  • Zentrale Service-Telefonnummer: 02196 9062000
  • Weitere Kontaktmöglichkeiten: obi.de/kontakt

Bauhaus

Dieser Aufruf wäre ohne Coronavirus eine Sensation: Die Baumarkt-Kette Bauhaus bittet ihre Kunden, nur Einkäufe zu tätigen, "die wirklich notwendig sind". So steht es in den Bauhaus-Informationen zur aktuellen Lage.

Bauhaus behält sich Zugangsbeschränkungen vor und fordert seine Kunden auf: "Seid solidarisch!" Dazu gehöre auch, "bitte Ihren Aufenthalt in unserem Haus auf das zeitlich Nötigste" zu reduzieren.

Hornbach

"Nun zählt es noch mehr als sonst: Füreinander. Miteinander", schreibt Hornbach in seinen aktuellen Corona-Informationen. "Da die Situation aktuell sehr dynamisch ist und in den deutschen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt werden kann, stehen wir in einem ständigen Austausch mit Behörden und werden Sie jeweils auf den Marktseiten auf dem Laufenden halten."

Welche Hornbach-Baumärkte geöffnet sind, könnt ihr auf einer Übersichtskarte nachsehen.

  • Zentrale Kundenservice-Telefonnummer: 06348 606070
  • Weitere Kontaktmöglichkeiten: kontakt.hornbach.de

hagebau

Während die anderen Baumarkt-Betreiber groß auf ihren Websites zu den Corona-Maßnahmen informieren, sucht man bei hagebau.de vergebens danach. Dass es sich hierbei ausschließlich um den Online-Shop handelt, kann der Laie nicht erkennen. Auf hagebau.com kann man sich schließlich ein PDF mit geschlossenen Filialen herunterladen.

Viel mehr als "Ihre Gesundheit und die unserer Mitarbeiter ist das, was jetzt am meisten zählt" erfährt man von hagebau, dem Verbund von über 360 mittelständischen Groß- und Einzelhändlern, allerdings nicht. Schade. Wenn ihr Informationen haben wollt, müsst ihr wohl nach eurem örtlichen Hagebaumarkt googeln.

  • Zentrale Kundenservice-Telefonnummer: nicht vorhanden
  • Weitere Kontaktmöglichkeiten: hagebau.com/kontakt

toom

Neben einer Kunststoff-Sicherheitshaustür "Corona" bietet toom natürlich auch echte Informationen zu Maßnahmen gegen die gleichnahmige Virus-Verbreitung. Hier erfahrt ihr nicht nur die Regelungen in den verschiedenen Bundesländern, sondern werdet auch ausführlich über die Schutzmaßnahmen in allen toom-Baumärkten aufgeklärt.

  • Zentrale Kundenservice-Telefonnummer: 0221 46706710
  • Weitere Kontaktmöglichkeiten: toom.de/kontakt

Hinweis der Redaktion:

Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen. In einem Newsticker informiert die Bundesregierung über aktuelle Maßnahmen und Entwicklungen. Passt bitte auf euch und eure Mitmenschen auf! Alles Gute und bleibt gesund! Euer Wohnglück-Team

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