Petra vor ihrem Tiny House
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Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Petra und ihr Tiny House aus zweiter Hand

Eva Dorothée Schmid

Petra lebt mit ihrem Mann in einem Tiny House auf einem Campingplatz in Süddeutschland, auf dem man seinen Hauptwohnsitz anmelden kann. In unserer Serie "Tiny Wohnglück" erzählt sie, warum das für sie die ideale Art zu leben ist.

Viele Tiny House-Fans suchen monatelang nach dem richtigen Hersteller oder verbringen viel Zeit mit der Planung ihres Tiny Houses. Bei Petra war das anders.

Eine ihrer Freundinnen wohnte übergangsweise in einem Tiny House des niederländischen Herstellers De Bergjes, bis ihre Wohnung fertig war. Petra gefiel das Häuschen so gut, dass sie die Gelegenheit ergriff und ihrer Freundin das etwa ein Jahr alte Tiny House für 30.000 Euro abkaufte, als diese es nicht mehr benötigte. Der Neupreis lag 4.000 Euro höher.

Damit setzte sie sich quasi ins gemachte Nest, denn auch die Stellplatzsuche war für die 52-Jährige kein Thema. Das Tiny House stand bereits auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe von Karlsruhe, auf dem man auch seinen Hauptwohnsitz anmelden kann. Dort haben Petra und ihr Mann noch eine zweite Parzelle gepachtet, um mehr Platz und Privatsphäre zu haben. Die monatlichen Pachtgebühren liegen bei 310 Euro.

Alles auf einer Ebene

Seit März 2020 lebt Petra, die in der Hauswirtschaft eines Seniorenzentrums arbeitet, gemeinsam mit ihrem Mann Pippo, einem Koch, in dem knapp 34 Quadratmeter großen Tiny House on Wheels. Das gemütliche Minihaus hat ein Satteldach und vereint alle Wohnbereiche auf einer Ebene: das Schlafzimmer, mit einem 1,50 Meter breiten Bett und einem Schrank, ein kleines Büro mit PC und Kleiderstange sowie der Wohn-Essbereich mit Küche.

Außerdem gibt es eine kleine Toilette mit Waschbecken und Dusche. "Wir wollten keine Treppe hoch kraxeln müssen, weil wir ja schon ein bisschen älter sind", sagt Petra. Deshalb ist das Tiny House mit neun Metern ungewöhnlich lang. Die Breite beträgt 3,70 Meter.

Viel spielt sich bei Petra und Pippo auch draußen ab. Sie haben eine Außendusche und eine Outdoor-Küche gebaut und nutzen manchmal auch die sanitären Anlagen des Campingplatzes. Darüber hinaus hat Petra einen schönen Garten rund um ihr Tiny House angelegt.

Beheizt wird das Tiny mit Gas aus Flaschen, die der Platzwart des Campingplatzes regelmäßig überprüft und bei Bedarf austauscht. Das Bad beheizt Petra mit einem elektrischen Heizlüfter.

5 Fragen an Tiny-House-Bewohnerin Petra

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Wir sind oft umgezogen in der Vergangenheit. Wir hatten ein Haus gemietet, aber als die Kinder auszogen, war das viel zu groß. Unsere 50-Quadratmeter-Wohnung, in die wir dann zogen, war sehr teuer und ständig gab es Heizungsnachzahlungen. In meinem eigenen Tiny House zu leben ist deutlich günstiger, da bleibt mehr Geld für andere Dinge übrig. Und ich zahle jetzt nur genau das an Verbrauchskosten, was ich auch selbst verbrauche.

Zudem reisen wir viel, sind oft unterwegs, da verbringt man nicht so viel Zeit zu Hause. Wir haben in Portugal seit 40 Jahren einen Wohncontainer, ich wusste also, was auf mich zukommt.

2. Welche (rechtlichen) Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Für uns war es sehr leicht, in das Tiny House zu ziehen, weil es auf einem Campingplatz steht, wo man seinen Hauptwohnsitz anmelden kann. Bevor wir das Haus übernommen haben, war einmal die Bauaufsichtsbehörde da und schaute nach, ob alles rechtens ist – was es letztlich wohl war.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Dass es morgens ziemlich kalt ist, denn wir können nicht die ganze Nacht die Heizung laufen lassen. Im Bad habe ich aber einen Heizlüfter und so trinke ich meinen Kaffee morgens eben dort und gehe dann schnell zur Arbeit. Durch die Sonne erwärmt sich das Häuschen dann im Laufe des Tages schnell.

Für meinen Mann ist die kleine Küche eine Herausforderung, denn er ist Koch und muss jetzt mit ganz wenig auskommen. Er hat sich aber eine Außenküche gebaut und ganz viel findet draußen statt.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Am besten gefällt mir, dass es unsere eigenen vier Wände sind. Die Menschen um uns herum sind alle sehr nett, die haben auf dem Campingplatz irgendwie eine andere Lebenseinstellung. Zudem kaufe ich weniger, weil ich viele Dinge nicht mehr brauche.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House kaufen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Ich würde gerne mit einem Holzofen heizen, denn das macht eine schöne Wärme. Bodentiefe Fenster wären zudem schön, weil das ein besseres Raumgefühl schafft und den Blick nach draußen ermöglicht.

Petras Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Man muss sich von vielem trennen können und sich bewusst darüber sein, dass ein Tiny House sehr klein ist. Wer gerne draußen ist und gerne reist, für den ist es aber die perfekte Lösung.

Ihr wollt noch von anderen Tiny House-Bewohnern lesen? Auf unserer großen Übersichtsseite findet ihr alle Teile unserer Serie "Tiny Wohnglück":

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